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Freitag, November 29, 2002
 
Heute also tragen sie ihn zu Grabe.
Das Wetter passt: Der Hohenzollern ist im Dunst kaum auszumachen, über den Albtrauf drücken die Regenwolken, kurz: Beerdigungswetter. Sie haben seinen Sarg mit Ähren verziert, Blumen hätten nicht gepasst zu ihm sagt die Schwiegertochter, und ich stimme zu. Das eine Mal als ich mit ihm gesprochen habe hat er gesagt, Ferkel wären sein Leben. Deshalb ginge er mit über siebzig noch jeden Tag in den Stall. Er habe Freude an seinem Beruf. Auch sein Leben: Streit schlichten. Im Krieg, sagt man, habe er den ganzen Ort durchgefüttert mit seinem großen Hof und keine Gegenlöeistungen verlangt. Ich werde den netten alten Herrn vermissen, der nichtmehr freundlich grüßend mit Schurz und Mütze morgends an meinem Fenster vorbeiläuft, immer für einen Schwätz zu haben, selten nicht in Eile.
Wenn es mal soweit ist würde ich gerne abtreten wie er: Morgends war er noch im Stall, hat gemacht was er gerne tat. Abends saß er noch mit seiner Frau zusammen, sie schlossen gemeinsam den Tag ab. Dann fiel er um und war tot.
Heute wird er zu Grabe getragen. Ich ziehe meinen Hut.

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