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Donnerstag, Dezember 05, 2002
 
Na dann...

Heute war Präsentationstag! Jaja, in launiger Runde haben wir uns gegenseitig erzählt wer wir sind - die Aufgabe war "Präsentieren sie Ihren Lebensweg in zehn Minuten. Als Hilfsmittel sind die Tafel und das Flipchart erlaubt". Nicht daß ich behaupten will, daß ich besonders viel erlebt habe, aber ich fühlte mich an den Streit mit meinem Beamten vom Arbeitsamt erinnert, der ausbrach, weil ich 16 EDV-Qualifikationen angekreuzt hatte und nur fünfzehn erlaubt waren. Aber gut, so geht es auch nicht. Ich habe dann auch systemkonform 3 Punkte gebracht und alles angewendet was ich gestern Mittag gelernt habe als ich Fliege´s Interview mit Sammy Molcho im Fernsehen gesehen habe. Die Esoterikerin hat nach einer kurzen Bemerkung, daß sie aus dem Ruhrgebiet kommt eine Yoga-Matrix aufgezeichnet, erklärt daß man die Evolution nachahmen muss und war dann beleidigt, als die Kursleiterin gesagt hat, sie habe das Thema verfehlt. Sehr gelungen fand ich den Beitrag eines anderen Kollegen, dem nach eigener Aussage von seinen Eltern verboten wurde Abitur zu machen, weshalb er zuerst Gärtner gelernt hat. Nach etwa fünfzehn Minuten Referat wurde klar, weshalb sich die Eltern schweren Herzens regulierend in das junge Leben eingemischt haben: Kaum weg von zuhause hat der gute alles gemacht und auch noch alles was andere ihn gefragt haben. Als er nach zwanzig Minuten in der Schlusssequenz erklärt hatte, der Richtige für alles zu sein und sich für die Aufmerksamkeit bedankt hatte ist ihm dann eingefallen, daß er eigentlich auchnoch studiert hat, aber vergessen hatte das zu erwähnen. Das geht ihm seither nach. Bei der Versicherungsvertreterin ist immer kurz vor Examen jemand gestorben und die albanische Tierärztin ist nach Deutschland gekommen, weil alle albanischen Männer schon ausgewandert waren, jedenfalls ist eine knappe Mehrheit der Meinung das verstanden zu haben. Der ostdeutsche Ingenieur hat uns auch nochmal das ostdeutsche Schulsystem in allen Einzelheiten erklärt und jeder von uns kann jetzt, wenn er aus dem Schlaf gerissen wird spontan berichten, daß Karl-Marx-Stadt heute Chemnitz heißt. Der Langzeitarbeitslose wußte dagegen zu berichten, daß zum Nonfood-Bereich bei Multi auch die Campingabteilung gehört (ein eindeutiger Bezug zum Bankgewerbe) und er eine wichtige Funktion im Minigolfclub innehat.

Gerüstet mit diesem Born an Informationen durften wir uns dann in der Postkorbübung ergehen, die aber schnell zu allgemeiner Entrüstung führte, da Herr Schnell, dessen kompliziertes Wirken zu koordinieren war offensichtlich nicht gerade ein moralisch hochstehender Mensch ist. Neben zwei verzogenen Kindern, einer Haushälterin und einer Frau im Krankenhaus auch noch eine Geliebte hatte, die - immerhin ganz die selbstbewußte Frau von heute - auf einem Treffen im Stadtpark bestand. Während folgsame Naturen wie ich braf die Termine koordinierten bestand der Kollege aus Vietnam darauf der Hauptfrau mehr Zeit zuzubilligen, während die Esoterikerin mit der Bemerkung sie habe da Erfahrung alle Termine absagte und dafür einen mit dem Scheidungsanwalt vereinbarte. Sie sagt sie hat da Erfahrung die sie gerne auch als soziale Kompetenz in eine Firma einbringen will. Heiß diskutiert wurden auch die mißratenen Kinder des guten Herrn Schnell. Während die Tochter gerade in der Schule die Unterschrift auf einer Entschuldigung gefälscht hatte während der Sohn sich im Schmuck- und Gebrauchtmofahandel 800 Euro Schulden eingefangen hatte. Wenn er nicht lügt und es Drogen sind um die es wirklich geht. Da sind die windigen Aktiengeschäfte die Herr Schnell selbst tätigt noch besser.

Insgesamt frage ich mich aber schon was Firmen so von ihren Führungskräften halten, wenn sie Tests mit solchen Stories durchführen. Aber gut. Jetzt muss ich einkaufen gehen...

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