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Freitag, Dezember 13, 2002
 
Eine Lanze für unser Auto!


Unser armes Auto ist dagegen permanentem Spott ausgesetzt, nicht nur von Samuel, der glaube ich langsam nervös wird, weil die Kiste immernoch fährt, sondern auch, weil ein Kollege meiner Frau, weithin auch als "die Schilddrüse" bekannt und heimlicher Freund von Schwester Lore, ein langjähriger Fahrer dieses Modells war. Offensichtlich hatte er sogar die gleiche Farbe und auch die plüschige Inneneinrichtung. Ein anderer Kollege meiner Frau will deshalb nichtmher mitfahren - er hat Angst daß man ihn mit einer Schildrüse verwechselt. Ich dagegen muss in der Kiste immer an den guten Walter Röhrl denken, und schaffe die Kurve auf dem Weg zum Haus hoch jetzt schon mit über sechzig:


Der Tag, an dem mich der Bauer mit dem Traktor aus dem Feld holen muss steht vermutlich schon im Kalender.
Meine Frau dagegen wird eher auf der Birke an der Strasse landen. Sie hat immer Angst, daß einer ihr hinten drauf fährt, weil auf der Landstraße keiner mit einem Abbieger rechnet. Deshalb fühle ich mich auch ab und zu wie Walther Rörl´s Beifahrer.


 
Wer Fragen stellt kriegt auch Antworten:

Meine Antwort auf die Antwort des Abgeordnetenbüros Herta Däubler-Gmelin:
/ZITAT START:

Sehr geehrte Frau Biester,


(see Answers below)


> könnte es vielleicht sein, dass Sie die homepage mit einem Life-Bild
>verwechseln? Oder glauben Sie ernsthaft, dass wir jedes Mal dann, wenn Frau
>Däubler-Gmelin an ihrem Schreibtisch sitzt, dieses auch so auf die Homepage
>bringen?

Ich glaube was ich sehe, und das ist ein leerer Schreibtischstuhl. Sie werden mir beipflichten, daß ein leerer Schreibtischstuhl an einem aufgeräumten Schreibtisch spontan nicht den Eindruck von Arbeit erweckt, ob es live ist oder nicht.


>Ich muss sagen, dass ich Ihre Provokation, gerade auch in bezug auf
>Frau Däubler-Gmelin, die in den letzten vier Jahren ihre freie Zeit an einer
>Hand abzählen konnte, sehr ärgerlich und unangemessen finde.


Ich muss sagen, daß ich mit aufgrund der Arbeit der Regierung der Frau Däubler-Gmelin seit vier Jahren angehört, keinen Job finde. Das finde ich auch unangemessen. Ich betrachte Arbeit nicht als Selbstzweck und vom Ergebnis her bleibt mir wie etwa 4-5 Millionen anderen Arbeitslosen der ehrfürchtige Dank für die aufopferungsvolle Arbeit der letzten vier Jahre momentan im Hals stecken.

Wenn ich das Gefühl hätte, daß in Berlin (oder wenigstens auf dem Arbeitsamt) sich jemand einsetzt, damit sich was ändert wäre das ja schonmal was. Ich weiss nicht ob man das in Berlin mitbekommt, aber dieses Gefühl hat wenigstens wo ich es mitbekomme niemand, die Arbeitgeber die mich nicht einstellen nicht und meine Kollegen an der Arbeitslosenfront auch nicht.
Ich weiss auch nicht ob in Berlin bekannt ist, was die Arbeitämter, als Vertreter der Regierung so von sich geben: Mir wurde gesagt:

a) der Staat ist pleite
b) nächstes Jahr wird es noch schlimmer, mit oder ohne Hartz
c) wenn ich beschweren will soll ich das bei der Regierung tun, was ich hiermit mache.


Mir wurden auch noch, im November, zwei Jobs angeboten, mit Belehrung und Drohung für den Fall daß ich mich nicht bewerbe. Die eine Stelle war schon seit September besetzt, die andere gab es nicht, sie war vom Amt falsch in die Datenbank aufgenommen worden.

Summa Summarum sind das meine Erfahrungen mit der Regierung für die sich Frau Däubler-Gmelin aufopferungsvoll einsetzt - wie sie bemerkt haben werden sind es nicht die besten. Deshalb fühle ich mich in der Sache nicht im Unrecht. Was den leeren Schreibtisch auf Ihrer Website angeht, so mag der anders gemeint sein, Bände spricht er aber trotzdem.

>Trotzdem nichts für ungut,
>mit freundlichen Grüßen
Gleichfalls
/ ZITAT ENDE


 
Wer sagt´s denn: und schon flattert eine Antwort ins Haus:


/ZITATANFANG
Lieber Herr [...],

könnte es vielleicht sein, dass Sie die homepage mit einem Life-Bild
verwechseln? Oder glauben Sie ernsthaft, dass wir jedes Mal dann, wenn Frau
Däubler-Gmelin an ihrem Schreibtisch sitzt, dieses auch so auf die Homepage
bringen? Im übrigen gilt für Abgeordnete (wie im übrigen häufig auch für
deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter): die Arbeit am Schreibtisch alleine
ist es nicht, sondern die findet auch anderswo statt, zum zweiten kommen
dazu sehr ausgedehnte Arbeitszeiten, die auch bis spät in die Nacht hinein
gehen. Ich muss sagen, dass ich Ihre Provokation, gerade auch in bezug auf
Frau Däubler-Gmelin, die in den letzten vier Jahren ihre freie Zeit an einer
Hand abzählen konnte, sehr ärgerlich und unangemessen finde.

Trotzdem nichts für ungut,

mit freundlichen Grüßen

i.A.

Elke Biester

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Abgeordnetenbüro
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin,
Bundesministerin a.D.
Vorsitzende des Ausschusses für Verbraucherschutz, Ernährung und
Landwirtschaft
/ZITATENDE
man beachte die Unterschrift, offensichtlich ist die gute Herta wirklich nicht im Büro.


 
Das Wort zum Sonntag: Innere Logik und ein Mail an Herta


Man darf offensichtlich die Leute anlügen, solange man sich nicht politisch unkorrekt ausdrückt, noch dazu wenn man über einen Gewerkschafter spricht, das jedenfalls ist der Gegenschluss aus dem momentanen SPD-Geschrei. Nicht daß ich Herrn Koch irgendwie verteidigen will. Jedesmal wenn ich den Schmiss auf seiner Backe sehe muss ich an den Spruch denken, der mich durch Jahre der Herrentoilettenbenutzung in der neuen Aula der Uni Tübingen begleitet hat: "Lieber ein Geschwür am After als ein deutscher Burschenschaftler". Dort stand auch "ficken, saufen, Hohenstaufen!" - bei denen ist soweit ich weiss Klaus Kinkel Mitglied, aber sicher bin ich nicht. Für den Herr von der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes, die sich verdi nennt, habe ich auch nicht mehr übrig. Auch wenn - nunmehr aus verschiedenen Quellen gesichert - keine wie auch immer gearteten Sterne an Wohlhabende ausgegeben werden, finde ich seine Polemik und die Namennennung widerlich. Da er ja auch meine Angestellten vertritt, wäre ich dankbar, wenn er mal zur Kenntnis nimmt, daß ich nicht zu der genannten Personengruppe gehöre und leider keine Kohle habe um eine Gehaltserhöhung zu zahlen. Nach dem Arbeitseifer, den der öffentliche Dienst in den letzten drei Monaten bei mir an den Tag gelegt hat, fände ich eine Rückforderung wesentlich angebrachter. Gewählte Volksvertreter sind aber auch nicht besser. Nur mal ein Beispiel: Momentan ist es 14.17 Uhr Freitag mittags und der Schreibtisch von Herta Däubler-Gmelin ist eindeutig nicht besetzt. Da es so auch nicht geht auf meine Kosten und ich finde daß man sich als Bürger einmischen muss habe ich spontan entschlossen, nachzufragen:

(gerade gemailt an: herta.daeubler-gmelin@bundestag.de)

_________________________________________
Sehr geehrte Frau Däubler-Gmelin,

ich habe gerade ihre Website angeschaut und gesehen, daß sie anscheinend
schon Freitagmittags vor halb drei ins Wochenende gehen - der Schreibtisch
jedenfalls ist nicht besetzt. Eigentlich sollte ich nicht überrascht sein.
Das Arbeitsamt setzt zwar mir immer Fristen, geht aber Freitags ab 12 Uhr
auch nie ans Telefon und macht auch sonst nichts außer mir erzählen, daß
der Staat pleite sei und es nächstes Jahr ob mit oder ohne Hartz noch
schlimmer wird.
Ich habe wenigstens Sie immer für jemanden gehalten, der sich mit voller
Kraft für die Bürger einsetzt und war angesichts Ihres leeren Schreibtisches
gerade in der jetzigen Stiuation schon sehr enttäuscht.

Mit freundlichen Grüssen
___________________________

Es ghet doch nix über persönlichen Kontakt zur Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises! Zur Frage ob und welche Antwort kommt können Wetten gerne abgegeben werden!


Donnerstag, Dezember 12, 2002
 
Bilder sind verräterisch...



Ist mir nur gerade aufgefallen als ich so durchs Netz surfte:
wer sowas von sich ins Netz stellt...



sollte beim Zähneputzen auch weiter hinten angreifen...




 
Nicht ok...


...ist unter anderem, daß blogger nicht automatisch abspeichert. Aber laut meinem abschließenden Gespräch im Bewerberkurs wirke ich unter anderem "sehr strukturiert". Vermutlich hat blogger deshalb nicht gezögert, meinen Befehl ein Fenster zu schließen auszuführen, weshalb alles bisher Geschriebene von heute weg war. Aber vieleicht war meine Handlung ja eine freudsche Fehlleistung, gesteuert von dem inneren Bewußtsein, daß das Geschriebene nicht gepostet werden sollte. Wenigstens erspare ich mir so aufwändige (Ich liebe die neue Rechtschreibung!) Maßnahmen zur Abhaltung Minderjähriger von dieser Seite.

Auch heute hatte ich wieder das Gefühl, daß ich mich als Kursteilnehmer selbstständig machen sollte, hilfsweise auch als Musterschüler oder Gelobter. Lober wäre auch drin, ich bin so gut wie sicher, daß der Kursleiterin mein süffisanter Ton nicht aufgefallen ist, als ich betont habe, wie viel mir der Kurs gebracht hat. Der Langzeitarbeitslose war da schon nichtmehr da weil er einen Termin hatte, und deshalb dringend weg musste. Jaja, die Hetze eines vollen Terminkalenders... Nett war heute noch die abschließende Vorstellungsgesprächsimulation mit der Esoterikerin, in der ich den Chef mimen durfte. Mit der Einladung zum Gespräch hatte ich schon schon zu kämpfen, da die Gute von vornherein nur 50% arbeiten wollte und dann auch nur wenn das Btriebsklima ok wäre. Mangels anderer Bewerber entschied ich mich aber doch zum persönlichen Gespräch. Dort teilte mir die Bewerberin umgehend mit, daß sie aufgrund Ihres Anschreibens nicht mit einer Einladung zum Gespräch gerechnet habe. Auch wolle sie betonen, daß sie auch in dringenden Fällen nicht willens und in der Lage sei länger als normal zu arbeiten, da das ihrem Karma schade. Routiniert habe ich auf meinem Zettel "selbstbewußt & entscheidungsfreudig" notiert und das Gespräch dann in eine andere Richtung gelenkt. Im Folgenden haben wir als Führungskräfteteam erfahren daß wir überhaupt niemand brauchen der arbeitet sondern jemanden, der für Entspannung unter der Belegschaft sorgt, wobei eein dreckiges Grinsen des ostdeutschen Ingenieurs, der in seiner Eigenschaft als Fachabteilung anwesend war, umgehend scharf verurteilt wurde. Nach dreissig Minuten mussten wir das Gespräch wegen einer dringenden Yoga-Übung abbrechen. Immerhin: Die Erfahrung, jemanden kennengelernt zu haben, der nach eigener Auskunft von einer Waldorfschule entlassen wurde, weil er zu unautoritär war, werde ich so schnell nicht vergessen. So long und machs gut, auch im Kopfstand!

An dieser Stelle möchte ich auch dem NABU noch mitteilen, daß ich einen Gärtner und Geologen kenne, der heute auf leichten Druck hin bereit war umsonst für diese Organisation zu arbeiten, auch wenn er sich als Projektleiter beworben hatte. Ich hoffe, daß jemand, der als Kind mal dick war und gerade nach einem Job als Projektleiter sucht, nicht auf solche Ideen kommt.





Mittwoch, Dezember 11, 2002
 
Von Schweinen, Saft und Vögeln



Der grünen Abgeordnete Winfried "Winne" Herrmann findet heute im Tübinger Tagblatt, daß in der allgemeinen Diskussion um Arbeitslosigkeit und Rezession die Umweltpolitik untergeht, worauf man sich wieder viel mehr konzentrieren müsste. Dem muss ich entschieden widersprechen! Speaking of myself bekommt meine Frau von meiner Schwiegermutter zu Weihnachten ein Vogelhäuschen, obwohl die Vögel in unserem Garten auch so schon genug Energie haben, sich lautstark zu streiten. Wir gehen auch weiterhin mit Hofhund Arno spazieren, obwohl ich letztens nach seiner ebenso begeisterten wie überraschenden Begrüssung meinen Anzug samt Hemd waschen musste. Seit das letzte mal der Tierlaster da war hat meine Frau auch geschworen nie mehr Schweine zu essen und es seither fast durchgehalten. Wir haben diesen Monat auch noch im Regen Unkraut gejätet, damit nächstes Jahr was wachsen kann im Blumenbeet.

Von einer Unterbewertung von Umwelt und Natur sehe ich da keine Spur und muss im Gegenzug fragen, was "Winne" wie er unter den hiesigen Studenten gern genannt wird denn für meinen zukünftigen Job getan hat? Andererseits könnte er dem entgegenhalten, daß ich auch nicht in seinem Garten gejätet habe - wobei ich auch nicht Bundesgärtner bin. Vieleicht ist es mit ihm auch wie mit der Stelle, die mir meine Freunde vom Amt letztens geschickt haben und es gibt ihn garnicht. Herta Däubler Gemlin, die angeblich hier in der Nähe wohnt und sich früher im örtlichen Einzelhandel gerne bevorzugt bedienen lassen hat, ist seit der Wahl auch nichtmehr aufgetaucht. Schröder, so liest man heute in der Zeitung, hat in der Fraktionssitzung nicht mit seinem Rücktritt gedroht. Gibt es eigentlich hieb- unhd stichfeste Beweise daß die Bundesregierung tatsächlich existiert? Seit dem Geisterhund, der letzten Dienstag unsere Terasse unsicher gemacht hat (siehe blog vom 3.12. - wie setzt man bei blogger Tags?), glaube ich nicht mehr ohne weiteres alles. Arno schaut immernoch unschuldig.

Nicht alles ist so kompliziert wie der Politikerbeweis, Getränke verkaufen ist einfacher. Und da ich ja schon gestern im Bewerbertraining eingestellt worden bin arbeite ich heute - Die Frau eines Freundes ist in Kur, weshalb einer seinen Getränkeladen hüten muss. Ich bin also, genaugenommen Landenhüter in einem Saftladen, eine Arbeit die mir durchaus Freude macht, auch wenn die einzige Kundschaft heute morgen schwerhörig war und (ungelogen) samt Ehemann auf dem Traktor angefahren kam um eine Flasche Wein zu kaufen. Meine begeisterten Beratungsversuche wurden mit der direkten Frage nach "Trollinger, en günschtiga, wisset se, ´s isch a Gschenk" abgetan. Ich hoffe heute Mittag ist mehr los weil ich das shcwäbische Tagblatt und wired schon komplett durchgelesen habe. Also, ich muss wieder an die Getränkefront!


Dienstag, Dezember 10, 2002
 
Ich werde Kursteilnehmer von Beruf


Was für ein rauschender Erfolg!! Nachdem ich gestern abend noch frustriert das Bett angesteuert habe, weil Phoenix im Zusammenspiel mit Blogger meine Ausführungen über Gruppendiskussionen ins Nirwana, nicht aber auf allbutme.com verfrachtet hat, habe ich heute die sauer in der ersten Woche verdienten Lorbeeren geerntet: Jawohl, auch die Bewerbertrainerin Nr. 2 würde mich spätestens nach meinem heutigen Vorstellungsgespräch einstellen. Was läßt sich daraus schließen? Nach längerem Überlegen bin ich zu dem Schluss gekommen, daß ich professioneller Kursteilnehmer werden sollte, da ich auf diesem Gebiet ja offensichtlich begabt bin. Als wandelndes Erfolgserlebnis lasse ich mich gerne in allen Varianten motivieren, schulen und trainieren. Gerne gehe ich meinen Kurskollegen auch mit routiniertem Eifer als gute Beispiel voran.

Auf der anderen Seite frage ich mich natürlich auch inwieweit die Simulation eines Bewerbungsgespräches wirklich Sinn macht. Welche Firma stellt schon einen Langzeitarbeitslosen als Personalchef ein? Wir Verändert es die Situation, wenn ich weiß daß die Oberin des Diakonissen-Ordens bei dem ich mich bewerbe, einen Freund hat und gerne bald Kinder hätte? Würde ich auf eein höheres Gehalt auch dann selbstlos verzichten wenn es wirklich um Kohle ginge?

Der Langzeitarbeitslose ist da ehrlicher: Erstellt sich morgen für eine Stelle als Key Financial Officer vor. Im Vorstellungsgespräch wird er darum kämpfen müssen, einen schüchterenen Geologen und eine Esoterikerin zu überzeugen. Das nenne ich hart.
Nun denn, wer weiß, wo ich eine Stelle als professioneller Kursteilnehmer bekommen kann, soll sich melden - bis dahin bleibe ich halt professioneller Amateurblogger und Bewerber. Is ja auch was.

Eine andere Alternative wäre natürlich, eine Truthahnzucht zu eröffenen. Dieses schmackhafte Tier, in Deutschland auch als die gute Pute bekannt und offensichtlich nicht sehr beliebt: Wir suchen schon seit Tagen wo man ein solches Federvieh erwerben kann, haben aber erst einen Bauer gefunden, der behauptet Puten zu verkaufen. Jetzt wird es gespenstisch: Ruft man die Telefonnummer dieses Bauern an, dann nimmt niemand ab. Stattdessen sagt nach geraumer Zeit eine unpersönliche Stimme auf englisch, daß man einen Code eingeben soll. Habe ich endlich den toten Briefkasten der CIA in Kusterdingen gefunden? Ist die Putenzucht nur Tarnung für Schlimmeres ? Fragen über Fragen, während sich die eisige Nacht über das Land senkt. Wer weiss, was morgen kommt?


Sonntag, Dezember 08, 2002
 
Kontrollbesuch


Gestern hatte ich für nix Zeit weil wir den ganzen Vormittag mit putzen beschäftigt waren, obwohl es selbst nach Auskunft meiner werten Gattin nichtmal arg nötig war. Es war aber trotzdem nötig, weil meine Mamma uns die Ehre eines Erstbesuches im neuen Heim zuteil werden lassen hat. Andererseits war es - aus mutterbiographischen Gründen auch wieder nicht nötig: Die mir als Oma in durchaus positiver Erinnerung befindliche Mutter meines Vaters hat offensichtlich in früheren Jahren in ihrer Rolle als Schwiegermutter weniger brilliert, weshalb meine Mutter irgendwann beschlossen hat so mal nicht zu sein. Außerdem kann sie meine Frau gut leiden, was ich verstehen kann, ich kann sie nämlich auch gut leiden.
Sei es wie es sei, natürlich waren wir trotz allem der Meinung daß wir putzen müssen, womöglich ein "Mutter-kommt"-Reflex, und haben den ganzen Morgen damit verbracht. Deshalb waren wir nicht einkaufen. Als meine Mamma dann kam hatten wir keine Kaffeefilter da -
Meine Mutter hat sich nichts anmerken lassen und auch tapfer alle Fragen nicht gestellt die ihr wenn ich sie richtig kenne unter den Nägeln gebrannt haben. Fragen wie "wo tut ihr denn alle Eure Familienfotoalben hin, wenn Ihr kein Wohnzimmerbuffet habt?" oder so... Ganz hat sie es natürlich nicht geschafft, und ein paarmal vorgeschlagen, daß wir noch Schals an die Wohnzimmerfenster machen sollen, aber natürlich nur wenn es meiner Frau gefällt. Ob es mir gefällt spielt weniger eine Rolle, wie auch das fehlende Buffet im Wohnzimmer in der Vorstellung meiner Frau Mamma sicher meiner Frau von mir vorenthalten wird.

Nach dem Wohnungsrundgang wars dann ein richtig vergnüglicher Nachmittag, wir haben mal wieder festgestellt, daß mein Heimatort als Grundlage für eine Seifenoper geeignet wäre, daß meine Mutter zuviel arbeitet, und meine Oma zuwenig ißt. Ich könnte mit solchen Gesprächen, deren Nutzwert eindeutig gegen null tendiert, Stunden verbringen, sie geben einem so ein Gefühl von Vertrautheit mit Ort und Leuten, daß man vieleicht nur mit dem Platz in der Welt haben kann an dem man aufgewachsen ist.


Ich mag solche Gespräche auch, weil ich das Gefühl habe, daß sie für meine Mutter so wichtig sind seit mein Vater gestorben ist. Wenn ich daheim niemanden hätte dem ich erzählen kann wäre ich auch einsam. Ich komme aus einer Familie von Erzählern. Meine Oma kann, wenn sie denn gelassen wird stundenlang erzählen, durchaus mit Spannung, Witz und Phantasie. Wenn sie im Familienkreis oftmals nicht gelassen wird, dann deshalb, weil sie ob der Vielfalt des Erlebten vergessen hat, wem sie was schonmal erzählt hat. Meine Mamma erzählt auch gern, von Ihrer Arbeit, von dem was sie bewegt. Es ist so witzig wie sehr sie im erzählten aufgehen kann - die Pose wird wieder eingenommen, der Tonfall paßt sich dem Spannungsbogen an und die entsprechende Gestik unterstützt das Gesagte. Manchmal habe ich bei den Geschichten meiner Oma und meiner Mamma auch den Eindruck, daß das, was dann gesagt wird, auch eine Entwicklung hinter sich hat, geprüft und bezüglich Inhalt und Form der Dramaturgie angepaßt worden ist. Denn die Geschichten sind nicht sich selbst genug, sonden haben auch immer eine Aussage, eine Moral, einen Apell, der im Fall meiner Mutter üblicherweise von meinem Vater verkündet wird.
Ich glaube meine Oma wäre eine gute Schriftstellerin wenn sie nur wollte und meine Mutter eine gute Schauspielerin und Erzählerin. Und beide wären sicher entrüstet, wenn sie wüßten, daß ich dererlei von Ihnen behaupte.

Ich jedenfalls weiß, das sei mein Resumee für heute, warum ich - wenn auch nicht so begabt - gerne erzähle und woher ich meine Gestik habe, wofür ich mich hiermit nochmal bedanke.
Wir kaufen aber trotzden kein Wohnzimmerbuffet.