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Dienstag, Januar 21, 2003
 
geballte Fachkompetenz

Günther Grass schreibt Geschichten. Herr Niedecken singt Lieder. Frau Ebstein gibt es immernoch. Herr Geißendörfer ist Schöpfer einer Soap Opera namens Lindenstraße und Herr Breinersdorfer schreibt Kriminalgeschichten.
Angesichts dieser Qualifikationen verstehe ich vollkommen, daß der Kanzler diese launige Runde am Montag in seiner Residenz zur Diskussion der Lage im Irak einbestellt hat. Nein, ehrlich, wer mich kennt, der weiß, daß ich, wenn Entscheidungen anstehen, immer auf Fachkompetenz vertraue. So habe ich erst letztens angesichts drohender Gefahr für meine Kreditlinie die Malklasse "abstraktes Aquarell II" der Volkshochschule zu einer Dringlichkeitssitzung einbestellt. Bei außenpolitischen Problemen neige ich eher zum Posaunenchor, da der auch ganz praktisch eingebunden werden kann: So wurde ich erst letztens, als ich am Telefon ein nettes Gespräch mit amerikanischen Freunden hatte, im Hintergrund durch "God bless amerika" untermalt, was sehr gut ankam.
Wo käme man nur hin, wenn man keine Freunde hätte, die sich auskennen?
Wo werden denn heute noch Probleme gelöst, wenn nicht in der Lindenstraße? Ich bin mir sicher daß eine der Töchter in der Serie demnächst mit einem Freund ankommt, der von Beruf Diktator ist und Sadam heißt.
Wer sagt dem Busch denn noch die Meinung, und außerdem, daß in Danzig mal komische Leute gewohnt haben, außer Herrn Grass? Hä; WER? Richtig - keiner.
"Verdammt lang her, dat do mo wat passiert is", wenn ich Herrn Niedecken zitieren darf, der mir sonst auch dorsch, Verzeihung, durch "Katzenpiesel ond Jasmin" bekannt ist. Wenn ich an Bap denke zuckt in seliger Erinnerung an die Jugend die Rechte zum Feuerzeug und die Linke zum Kölsch.
Wie ich höre, soll Herr Niedecken aufgrund seines selbst für Döötsche, Verzeihung, Deutsche schwer entschlüsselbaren Dialektes zusammen mit Frau Ebstein als Frau an seiner Seite ooWecker bei gefährlichen Auslandseinsätzen unterstützen. Daß der Feind im Westen lauert Ob die Moral des Feindes durch die gezielte Sendung von Tatort-Wiederholungen oder den massenweisen Abwurf von Grass-Romanen untergraben wird ist noch nicht ausdiskutiert. Das können dann ja die anderen ausdiskutieren. Die anderen? Hab ichs nicht erwähnt? Wie Herr Kulick im Spiegel erwähnt nahmen "Ferner [...] Friedensforscher, Kirchenvertreter und Verfassungsrechtler an der Runde teil." Selbst beim Spiegel sind sie jetzt so weit, daß sie die unwichtigen Teilnehmer bei solchen Veranstaltungen auch noch in Nebensätze packen.

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