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Montag, Februar 03, 2003
 
Alles ganz einfach, wenn man´s begriffen hat

Alte Tante SPD
[02/03/03 - Herr Scholz weiß auch noch was dazu]


Man lernt nie aus, habe ich heute morgen beim Vorstellungsgespräch gedacht, nichtmal am Wochenende. Und weil man Gelerntes gleich in die Praxis umsetzen soll, habe ich sofort widersprochen.
Der Herr Personalchef war zugegebenermaßen etwas überrascht. Oder eher von der Rolle. Er ist leicht rot geworden, hat eindeutig geschwitzt und sich sogar die Krawatte gelockert. Auf meine Frage, ob er denn nicht ferngesehen hätte gestern abend, hat er sogar mit blankem Unverständnis reagiert. Mit etwas mehr Haltung hätte ich schon gerechnet, wenn einer Chef ist. Irgendwie muß er ja Chef geworden sein. Aber vermutlich habe ich ihn dabei erwischt daß er mich von vornherein kaltstellen will, gleich dafür Sorge tragen, daß aus mir nix wird. Hält der mich etwa für Konkurrenz?
Personaler habe ich eigentlich noch nie werden wollen. Das habe ich ihm dann gleich auch noch gesagt. So nicht, ich durchschaue die Ränkeschmiederei! Und dann noch mit Geld locken. Wo kommen wir denn da hin? Nur weil ich eine Weile im Ausland war weiß ich trotzdem noch wie es in Deutschland läuft, wenigstens seit gestern abend wieder. Und dann kommt da so ein - Personalchef und bietet mir eine Stelle an und lobt mich auch noch. Guter Mann, ich will was werden. Da kann ich doch keine Zustimmung brauchen!
Wie soll ich denn jemals weiterkommen? "Sie können mich hier nicht einfach nicht kritisieren.", hab ich dem guten Mann gesagt, "Ich habe noch nie so auf den Deckel bekommen, daß ich klar sehe, daß mein Schaffen und Wirken in die richtige Richtung geht. Nehmen Sie nur Herrn Gabriel, der wird jetzt, munkelt es, was wichtiges in Bonn. Wenn der gewonnen hätte müsste er die nächsten fünf Jahre in Niedersachsen verbringen. Oder unser Kanzler, der sich durch den Wahlausgang laut Generalsekretär Scholz eindeutig in seinem Reformkurs bestätigt fühlt. Da ist es einem doch direkt peinlich wenn man Zustimmung erfährt und jemand einen haben will. Das kann ich mir bei allem Interesse für eine Arbeitsstelle nicht bieten lassen. So gehts ja wohl nicht!"
Ich muss sagen, wenn ich auch keine Stelle errungen habe, so habe ich doch Respekt geerntet. Soweit ich die im etwas lauteren Tonfall gewechselten Abschiedworte verstanden habe, soll ich mich zum Teufel scheren. Auch hätte ich die Sozialkompetenz einer Blindschleiche und nichtmehr alle Tassen im Schrank. Weiterhin meine ich Worte wie "irre", "behämmert" und "durchgeknallt" gehört zu haben. Dem Wasserglas konnte ich elegant ausweichen und betrachte den Wurf als besondere Auszeichnung.
Seither bin ich guten Mutes und sicher, daß ich auf dem richtigen Weg bin. Soweit ich nur meinen Reformkurs konsequent weiterverfolge kann mein Weg nur nach oben führen, da bin ich mir jetzt ganz gewiß.
So ein Wochenstart macht Mut!

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