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Freitag, März 28, 2003
 
Eine Zugfahrt ohne Buch [2] Heute: Herr Förster, Gerald und Anette und ein Auto das nicht fährt

Ein Auto, das nicht fährt, ist keinen Pfennig wert, singt Herr Fesl. Herr Förster müsste sich also nicht wundern, dass WG-Kollege Gerald heute Morgen ein Problem hatte, weil sein Auto – wir ahnen es – nicht gefahren ist.
Natürlich ist die Sache noch komplizierter. Das Auto war genau genommen schon gestern kaputt und gehört genau genommen auch nicht Herrn Gerald, sondern Frau Anette, die die Freundin von Herrn Förster ist und diesem für heute morgen das Auto versprochen hat. Herr Gerald nun wieder hat gestern nicht erzählt, dass das Auto kaputt ist, sondern erst heute morgen, als Herr Förster gerade das Haus verlassen hat, weil er in Stuttgart heute eine Präsentation vorführen muss.
Weil aber das Auto kaputt ist, musste Frau Anette kommen und Herrn Förster zum Bahnhof fahren, damit er noch den Zug erwischt, weil er ja nicht mit dem Auto fahren kann. Herr Gerald dagegen hat heute frei.

Woher ich das weiß?
Nun, genaugenommen hat offensichtlich Herr Gerald nicht nur heute frei, sondern auch einen Gehörschaden. Herr Förster dagegen hatte, als er in den Zug gestiegen ist, einen Kaffee, zwei süße Stückchen, ein billiges Notebook und einen roten Kopf. Und natürlich nicht zu vergessen ein Handy.

Er hat dann Herrn Gerald angerufen, um ihm zu sagen, dass er es nicht ok findet, wenn Herr Gerald am frühen Morgen mit seiner Vergesslichkeit das Leben anderer Menschen, etwa seines und das von Frau Anette, völlig durcheinander bringt, und dass er dafür eine Entschuldigung erwartet. Herr Gerald hört offensichtlich schlecht, weil Herr Förster den Sachverhalt mehrfach laut wiederholt hat. Im Wagen waren jedenfalls alle von Herrn Geralds Schuld überzeugt, nachdem sie den Sachverhalt zum fünften Mal gehört hatten, und haben gehofft, dass Herr Gerald bald alles gesteht und aufgibt, weil viele morgens im Zug auch gern noch ein Nickerchen machen, statt sich mit den Schandtaten anderer zu beschäftigen.

Leider hat Herr Gerald offensichtlich abweichende Wahrnehmungen in der Sache zum Besten gegeben, und fand nicht, dass alles daran liegt, dass er sein Leben nicht organisiert kriegt und ein Faulenzer ist. Herr Förster hat sich ob solcher Uneinsichtigkeit, und weil er neben dem telefonieren das erste süße Stückchen gegessen hat, sein Sakko voll gebröselt, und ist immer wütender geworden. Er hat Herrn Gerald gesagt, dass er jetzt gerne schreien würde, aber im Zug sitzt.
Daraufhin hat es hinten gepfiffen und einer hat gerufen „nur zu, wir hören sowieso schon alles.“

Dann ist Herr Förster aus dem Abteil gegangen, und hat zu Herrn Gerald „Jetzt pass mal auf du Arschloch..“ gerufen. Offensichtlich war Herr Gerald zu diesem Zeitpunkt weiter vom Telefon entfernt, weil Herr Förster sehr laut schreien musste.
Im weiteren Verlauf des Gespräches hat Herr Förster gezeigt, dass er nicht nur über ein lautes, sondern auch über ein ausdauernd lautes Sprechorgan, und ein gehobenes Arsenal übler Schimpfwörter verfügt.
Herrn Gerald muss dagegen zugute gehalten werden, dass er lange durchgehalten hat, so dass im Endeffekt von einem Unentschieden ausgegangen werden kann, insbesondere wenn man das verbröselte Sakko und den im weiteren Verlauf entstandenen Kaffeefleck auf der Hose von Herrn Förster berücksichtigt. Außerdem ist Herr Förster, wie erwähnt, Besitzer eines billigen Notebooks und einer Freundin, die Anette heißt, was auch in die Wertung eingeflossen ist, auch wenn der Name von Herrn Geralds Freundin nicht bekannt ist. Angesichts der Unattraktivität kaputter Autos kann nichtmal mit Sicherheit gesagt werden, ob Herr Gerald überhaupt noch eine Freundin hat. Andererseits war es ja nicht sein Auto...
Über das weitere Schicksal von Frau Anette ist übrigends nichts bekannt.

Zugfahren kann so unterhaltsam sein…

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