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Donnerstag, März 20, 2003
 
Rollerfahren in Zeiten des Krieges


Vieleicht ist es die Kälte des Fahrtwindes, die klare Gedanken schafft, oder daß man, während man durch leere Straßen tuckert, reichlich unangestrengt übrigends, besser nachdenken kann.
So oder so, ich bin zu dem Schluss gekommen, daß ich mir diesen Krieg nicht aufzwingen lasse, weil er seine Wichtigkeit im Wesentlichen durch seine Medienpräsenz bekommt. Dem Vorwurf, das Schicksal der irakischen Zivilbevölkerung interessiere mich nicht, entgegne ich, daß die Welt sich auch nicht für das Schicksal sudanesischer Sklaven interessiert. In Afrika sterben Bevölkerungen an Aids, ganz ohne Fernsehbeteiligung und Betroffenheit. Tibet wird von den Chinesen unterdrückt, auf dem Balkan regiert die Mafia und in Afghanistan das Fausrecht. Es stirbt sich allgemein leicht außerhalb Deutschlands, weshalb also die besondere Aufregung? Gut wer wie die Amerikaner von sich behauptet, die Moral erfunden zu haben, setzt sich besonderer Kritik aus. Aber andere behaupten Ähnliches, nur daß sie das Glück haben, daß wir Englisch verstehen und in Washington Korespondenten haben, aber keiner Hutu versteht, oder Ruanda-Fan ist.
Ich habe mich deshalb entschieden, nicht atemlos zu verfolgen wieviele Raketen welchen Typs wohin geschossen werden und auch nicht welcher Experte meint was die Kriegsparteien wann machen werden.
Es reicht, zu wissen, daß dort Unrecht passiert. Die Detais dienen nur zur Befriedigung der Sensationslust.

Solches hab ich gedacht auf der Fahrt, und dabei geblinzelt, weil mir die Morgensonne ganz unvermittelt auf die Nase geschienen hat, und dann war ich schon am Bahnhof. Ich hoffe ich kann bald wieder mit leichterem Herzen in der Sonne Roller fahren.

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