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Dienstag, April 22, 2003
 
Osteranalyse


An Karfreitag habe ich eine Waschmaschine durch die Gegend getragen und in netter Gesellschaft Gugelhupf gegessen und Kaffee getrunken. Dabei habe ich mir auch erklären lassen, dass das reiten eines Araberhengstes, der übrigens wahrscheinlich schwul ist, sich für den Erzähler als so einfach wie Autofahren erwiesen hat, außer dass man nicht nach rechts oder links dreht, sondern entsprechend zieht. Zur Notbremsung dient bei Pferden offensichtlich ein herzhafter Biss ins Ohr, wobei ich mir seither überlege, wie man das im vollen Galopp anstellt.
An Karsamstag habe ich kiloweise Spargel gekocht und zugeschaut wie der Vorbesitzer meines Rollers mit diesem nach dem zweiten Viertel Wein solange um den Schweinestall gekurvt ist, bis der Bauer herausgekommen ist.
Sonntag haben wir mit Frankfurter Kranz, Feiertagsgeschirr, netten Gesprächen, wilden Diskussionen bis an die Streitgrenze und einem Teller Kuchen zum Mitnehmen hinter uns gelassen.
Und jemand hat – zu Recht – behauptet, ich hätte eine indifferente Meinung zum Irak Krieg. Das liegt daran, dass die Demonstranten und Kriegsgegner, die ich kenne, ein etwa so differenziertes Denken an den Tag legen, wie die amerikanische Regierung und die arabische Nation.
Ich weiß auch nach Ostern nicht, warum ich mit Leuten, die gegen Juden sind und Leuten, die gegen Amerikaner sind, und Leuten, die allgemein für den Frieden sind, und Leuten, die im speziellen Fall für den Frieden sind und Leuten die gegen so einen Krieg sind und Leuten, die demonstrieren gut finden, und Leuten die eigentlich auf eine andere Demo wollten, oder auf Schlägereien hoffen, auf einen Platz hinstehen soll und wir tun dann alle so, wie wenn wir für das Gleiche da stünden.
Außerdem decke ich einem Kanzler, der viereinhalb Millionen Arbeitslose im Regen stehen lässt, nicht den Rücken, dazu war ich selbst zu lange arbeitslos.

Vielleicht fehlt mir aber auch das Zeug zum Bedenkenträger, was in diesem unserem Lande wohl ein schwerer Charakterfehler ist. Ich werde mir Herrn Scholl-Latour oder Frau Engelen-Kefer künftig als Vorbilder nehmen. Dem schicke ich aber noch ein überzeugtes „Vielleicht“ hinterher, damit es indifferenter wirkt.

Dafür habe ich mich um was gekümmert, mit dem ich mich mehr auskenne und die Streuobstwiesen unserer Familie besichtigt. Sobald ich einen näheren Verwandten ans Telefon bekomme kann ich, auf diese diesjährige Erstbesichtigung bezugnehmend, behaupten, dass es dieses Jahr viel Obst geben wird. Schon meine selige Oma, an die ich jedes Mal denken muss wenn ich zu den Wiesen gehe, hat ab spätestens Mai jedem besorgt erzählt, dass es dieses Jahr viel Obst geben wird. Ich befolge mich mit dieser Aussage also eine alte Familientradition.
Ob es wirklich viel Obst gibt dieses Jahr wissen wir dann im Oktober, nach der Ernte.

Am Montag hat keiner außer mir gewusst, dass das Hallenbad trotz Feiertag geöffnet ist, weshalb ich mit dem Bademeister allein war. Allein ein 25m-Becken für sich zu haben, ist ein außerordentliches Vergnügen, auch wenn mich der Herr Bademeister natürlich wieder einen Gruß ausrichten lassen hat.

Insgesamt also mal wieder rundum saubere Ostern, auch wenn ich im Garten trotz intensiver Suche keine Eier gefunden habe.

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