AllButMe.com

Freitag, Januar 31, 2003
 
historisch bedingt

Zitat aus einem Spiegel-Online-Artikel über deutsche Friedensaktivisten im Irak:

/Zitatanfang
"Nicht, um ein Regime zu unterstützen, sondern um etwas für die Menschen zu tun, die nichts für ihre schlimme Lage können und mit einem Krieg noch mehr bestraft werden sollen", begründet Ibrahim seine Aktion.
/Zitatende

Ich frage mich mehr und mehr, ob in Deutschland die Leute meinen, die Iraker könnten nichts für Hussein, weil die Deutschen es in den letzten Jarhunderten auch nicht geschafft haben, mal eine erfolgreiche Revolution anzuzetteln. Das ist direkt peinlich. Selbst 1848 hat ein Gschmäckle, insbesondere wenn man sich die letzten Überbleibsel in Form der Verbindungsbrüder anschaut. Im Gegensatz zu Schweizern, Franzosen oder - eigentlich allen anderen haben wir als Nation eigentlich nie brauchbare Ergebnisse erzielt, außer vieleicht daß wir ab und an Fußballweltmeister geworden sind, aber das halt auch mit Leuten wie Vogts und Mathäus.
Immer brav gedient bis zum Ende, ob im dreissigjährigen Krieg, für Gott Kaiser und Vaterland oder den Führer. Und bekanntlich ist es ja nachher immer keiner gewesen, und alle haben es auch vorher gewußt.
Husch, habe ich da das Wort Kadavergehorsam gehört? Nicht doch!
Treu zu dienen ist eine Tugend! Nicht umsonst haben wir Beamte, allgemeine Wehrpflicht und die Hand- und Spannpflicht in der Gemeindeordnung. Vermutlich fühlen wir uns mit Leuten, die zwar nix zu fressen und keine bürgerlichen Rechte haben, aber trotzdem für einen korrupten autoritären Sack mit gefärbten Haaren in den Tod gehen wollen, seelenverwandt.
Der, der da in der letzen Reihe gerufen hat, daß er auch jemand kennt, der die Haare färbt, raus! Wir können uns als kleine Website keine Prozeßkosten erlauben!

Dunkel neigt sich die Nacht über schwarze Gedanken wie friedliche Schläfer.
Ich mag die Nacht, weil selbst die Schreier ruhig sind, wenn sie schlafen.

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fiat lux!

Wohlan sprach Gott,
es werde Licht
doch leider funktionierte
der Schalter nicht

so zündete er
ein Feuer an
und hob es auf die Himmelsbahn

Es gibt schon lang am Himmel oben
Mehr Licht als alle Leuchtdioden
Kostenlos ist es dabei
daneben auch noch wartungsfrei.

Und die Moral der Sach´ ist klar:
Von Microsoft der Schalter war
Und was mechanisch ist getan
Das fange nie elektrisch an.


Zeit, daß es Wochenende wird!

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good morning snow!



[01/31/03 - good morning snow]


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Donnerstag, Januar 30, 2003
 
Dagegen! e.V.


In der Hitze einer Diskussion war es, als es Rolf es mir gesagt hat. Nachdem ich darauf hingewiesen hatte, daß ich selten die als "Pommes Frites" bekannten, gebratenen Kartoffelstäbchen verzehre und daher keine akute Gefährdung meiner Gesundheit sehe, weshalb ich auch nicht gegen den weiteren Verkauf dieser Spezialität bin, sagte Rolf: "Du bist ja gegen nichts!".
Schlagartig herrschte in der Runde betretenes Schweigen, das ich zu brechen suchte, indem ich vorschlug, man könne ja gegebenenfalls auch freiwillig auf Pellkartoffeln umsteigen. Es hat nichts geholfen, nach einigen mühsamen Versuchen, das Gespräch wieder ins Laufen zu bringen, gingen wir heim. Noch immer spüre ich die stechenden Blicke im Rücken.
Auf dem Heimweg ist uns aufgefallen, daß außer uns eigentlich jeder in unserem Umfeld gegen etwas ist: Horst und Gabi sind gegen die Mobilfunkantenne auf dem Fitnessstudio. Lars und Andrea sind gegen die neue Ortsumgehung. Astrid ist gegen Panzer und Raketen und hat Ewald auf einer Demo gegen das Großkapital kennengelernt. Jochen und Heidi sind gegen die Verweltlichung der Gesellschaft und gegen die Abschaffung des Schulgebetes. Mein Berater auf dem Arbeitsamt ist gegen unseren Kanzler, der widerum ist gegen George, weil der was gegen Sadam hat, der bekanntlich gegen den Westen ist.
"Die einzigen die gegen nichts sind, sind wir", hat meine Frau gesagt, "das kann so nicht weitergehen".
Wir haben es uns nicht leicht gemacht, "denn", so habe ich argumentiert, "wir wollen ja nicht gegen irgendwas sein". Ich hätte nicht gedacht, daß es so schwierig ist, da was zu finden, und nicht nur weil mir die Erfahrung fehlt: Anfänglich überlegte Alternativen wie "gegen den Krieg" oder "gegen den amerikanischen Imperialismus" brachten nicht den erwünschten Profilgewinn, da regelmäßig Fragen wie "sind wir das nicht alle?" zurückkamen.
Gegen Sadam Hussein, die Palästinenser oder die Atomwaffen der Nordkoreaner zu sein, führt zum Verlust sämtlicher linksbürgerlicher Bekannter, was zwar nicht weiter schlimm wäre, aber einer leiht uns immer sein Auto aus. Gegen die Rechten, Liberalen und Reichen zu sein, kann ich mir nicht erlauben, solange ich noch einen Job suche und eventuell darauf angewiesen bin, daß ein Rechter, Liberaler oder Reicher mich einstellt.
Auf Vorschlag meiner Frau besuchten wir mehrere Veranstaltungen von Bürgerinitiativen, konnten aber für die Aufnahme nicht glaubhaft genug vermitteln, gegen die Ortsumgehung, den Bundesbahnfahrplan oder veränderte Kennzeichnungen an Joghurtbechern zu sein. Irgendwann kam mir dann die rettende Idee: "Ich bin eigentlich gegen alles", habe ich zu meiner Frau gesagt. Zwei Wochen später wurde Dagegen! e.V. ins Vereinsregister eingetragen.
Laut unserer Satzung beschäftigen wir uns "mit der Pflege des Bedekenträgertums in Reinform", insbesondere damit, "durch gezielte Auswahl der Themen und Mittel die Ästhethik des Protestes neu zu definieren.".
Nicht solche profanen Aktionen wie langweilige Demonstrationen oder Flugblattverteilen im Strickpulli. Wie Horst, unser Pressesprecher es letztens so schön gesagt hat muß Gegnerschaft heute "ein Event sein, ein Ereignis das bewegt und nachdenklich macht im Herzen". Daraufhin hat sich überigends gestern die Kampa der Nidersächsischen SPD gemeldet und gefragt, ob sie den Satz verwenden kann.
Thematisch sind wir auch schon voll eingestiegen. Auf der Suche nach unverbrauchten Zielen haben wir uns dafür entschieden, Bekanntes weiterzuentwickeln und Neues zu entdecken.
Im Gesundheitsbereich haben wir zum Beispiel ein Plakat mit dem Titel "Wir sind nicht nur gegen Aids sondern haben auch bei anderen Krankheiten Bedenken" entworfen.
Unser Vereinszoologe sucht momentan im brasilianischen Regenwald nach unentdeckten Tierarten, gegen deren Ausrottung wir uns aussprechen werden.
Ich als gesellschaftspolitischer Sprecher habe die junge Familie als Thema endeckt: In einer Gesellschaft, in der es immer mehr Singles und Alte gibt, wundert mich, daß darauf noch keiner gekommen ist. Wir sprechen uns gegen unerzogene Kinder im Supermarkt, pinkelnde Kinder im Hallenbad und heulende Kinder in der Kirche aus, außerdem auch gegen Nahkampfkinderwagenschieberinnen und Passatkombifahrer. Letztens habe ich ein Sit-in mit Champagnerfrühstück gegen den täglichen Stau vor dem Kindergarten angeführt.
Ich kann nichtmehr verstehen, wie ich jemals gegen nichts sein konnte. Ich muß so gedankenlos gewesen sein, gutgläubig, vermutlich auch noch Optimist oder noch was Schlimmeres. Mittlerweile lachen wir über solche Leute am Vereinsstammtisch. Wo bitte wäre die Welt ohne Bedenkenträger? Ist e es nicht gerade unsere Gegnerschaft, stetig, beharrlich und nicht ohne Schärfe vorgebracht, die uns voran bringt?

Dementsprechend gelassen stehen wir auch den einigen wenigen gegenüber, die öffentlich den Zweck unseres Vorgehens bezweifeln. Die behaupten, wir wären Miesmacher und immer nur negativ. Das ist doch typisch deutsch: Kaum setzt man sich ein, organisiert, stellt was auf die Beine, und schon ist einer da dem es nicht passt. Unglaublich.

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Dienstag, Januar 28, 2003
 
kurz bemerkt


nachdem uch jetzt etwa hindertmal versicht habe, duese Tastarue trotz fehlender Tastenbeschriftungen zu verwenden, gebe uch schweren Herzens für heute qauf, jedoch nucht, ohne festzustelle., daß auf duesem Computer offensuchtlich Sachen geschrieben werden, due eher Us, Is (aha, huer also!), Ns ind ,s enthalten, als As, Ss und Ds - aich interessant...

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Montag, Januar 27, 2003
 
Warten auf Godot


tue ich zwar nicht, dafür warte ich aber bis mir jemand Bescheid sagt. Der jemand wartet aber auch, bis ich Bescheid sage, und wird nicht Bescheid sagen bevor ich es nicht getan habe. Ich kann aber, wenn ich auch gespannt bin, wie ein Flitzebogen, nicht sofort Bescheid sagen, weil es sonst so aussähe, als ob ich dringend darauf warten würde, Bescheid zu bekommen. Insofern hat nicht nur das Vorstellungsgespräch selbst, sondern auch die postgesprächliche Phase ihre Tücken. Ich hoffe nur, daß, wenn ich nach einer angemessenen Zeit Bescheid gebe, auch die Gegenseite in einer angemessenen Zeit Bescheid gibt, auch weil meine liebe Mamma sonst noch eine Herzattacke bekommt.
Ich entstamme nämlich einer Familie, die die schwäbische Arbeitsmoral hochhält, nach der "wer nix schafft au nix isch". Deshalb ist es für meine Mamma ein absolut undenkbarer Zustand, arbeitslos zu sein, wobei auch Verweise auf Gartenarbeit, Kochen, Putzen (an dieser Stelle lacht meine Frau) und sonstige häuslichen Tätigkeiten nicht helfen, weil "des mach mr jo nebaher". Daneben eignet sich die Arbeitslosigkeit der eigenen Kinder in Schwaben als Gesprächsthema etwa ebensogut wie Geschlechtskrankheiten oder selbstverschuldeter Schimmel im Wohnzimmer. Immerhin muß ich mich in diesem Zusammenhang bei meinem Kanzler bedanken, der die Schuld auf sich nimmt, oder mindestens aufgeladen bekommt (eher letzeres - messianischer Opferwille ist Schröder vermutlich fremd). Meine Frau Mamma ist ja jetzt auch in der schlechteren Position: während ich immerhin am Telefon selber sagen kann daß ich im Ernstfall auch umsonst arbeite und nebenher dem Chef noch Samstags den Rasen mähe, kann meine Mutter nur bei mir anrufen und mir sagen, daß ich sagen soll, daß ich im Ernstfall auch umsonst arbeite und nebenher dem Chef noch Samstags den Rasen mähe. Und wie wir ja alle wissen machen Kinder nie was man ihnen sagt!
Nun denn, bescheiden warte ich bis ich dann Bescheid sagen darf - bis dahin bescheide ich mich damit bescheiden zu sein. Wo kämen wir sonst auch hin?

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Sonntag, Januar 26, 2003
 
kurz bemerkt:


VISITS
Total: 1,006


"Was", frag ich in stillen Stunden,
"hat die Leute hergeführt?"
Pleiten? Pannen? Kommafehler?
Ach, was solls, ich bin gerührt!

:-)) Thanx a lot!!

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Samstag, Januar 25, 2003
 
...und dann noch...


eine Stunde "Erinnerungen an Roy Black" angeschaut und die Stimmung ist engültig am Boden. Wenn ich jetzt noch "fool on the hill" oder "the boxer" im Radio höre fange ich mit heulen an. Dagegen kommt nichtmal der Grießtraum an, und das obwohl ich schon zwei gegessen habe.
Stattdessen gehe ich jetzt schwimmen, "in dubio pro aqua" hat sich für meine Laune schon öfter als sehr nützliches Motto erwiesen.
Blub blub!

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frustrierend:


Wo bekommt man in Europa Apple-Ersatzteile? Ich muss allein zum nächsten Händler 40 km fahren, dort gibt´s für mein Wallstreet-Powerbook aber nur die unsägliche Apple-Reparaturflatrate.
Wie ichs schreibe und im nächsten Satz meine schlechten Erfahrungen mit Gravis berichten und verlinken will, da merke ich daß der 7. Dezember fehlt in meinen Blogarchiven fehlt. Nicht, daß ich jeden Tag hier was schreibe, aber am jenem denkwürdigen Tag hatte ich mich ausführlichst über die Schnadtaten der oben genannten Firma im Zusammenhang mit mir als König Kunde aus gelassen. Just jener Text ist verschwunden. Weg. Aus den Archiven getilgt. Verloren. Muß ich mißtrauisch werden? Hat da der eine oder andere erklärte Apple-Fan die Finger im Spiel? oder der Herr selber? So sitze ich nun hier, an diesem trüben Samstag, mit kaputter Wallstreet-Tastatur und ohne Hoffnung und Sitemeter tut heute auch nicht,. Da hilft nur eins:
Sofortige Einnahme eines Grießtraums von Ehrmann.
Man gönnt sich ja sonst nix.

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Freitag, Januar 24, 2003
 
was ich in Vorstellungsgesprächen NICHT sage, aber schon gern gesagt hätte:
[manic friday]



warum wollen Sie gerade bei uns arbeiten:

man sollte sagen: "Weil mich der ganzheitliche Kommunikationsansatz ihrer Firma überzeugt. Öffentlichkeitsarbeit muß vom Printsektor bis zum Internetauftritt aus einem Guß sein, sonst wirkt sie nicht."
man denkt: "Weil sie seit 3 Monaten die erste Firma sind, die mich zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat und es über vier Millionen Arbeitslose gibt."

warum haben Sie ihr Ihr Universitätsexamen nicht mit sehr gut bestanden?

man sollte sagen: "in meinem Fachbereich ist die Notenverteilung insgesamt anders gelagert als in den meisten Gesiteswissenschaften, über 60% meines Absolventenjahrgangs haben mit ausreichend abgeschlossen. Wie sie aus meinem Zeugnis sehen habe ich überdurchschnittlich abgeschlossen.
man denkt: "Wenn sich noch einmal ein Neuphilologe erdreistet, was über mein Examen zu sagen, schlage ich zu. Oder fange mit heulen an, weil es schon soweit gekommen ist, daß man sich sowas fragen lassen muß. Vieleicht hätte ich auch so ein Kinderfach studieren sollen. Die Welt ist schlecht."

Welche Schwächen haben sie?

man sollte sagen: "Meines Erachtens habe ich keine Schwächen, die meine Tätigkeit bei Ihnen beeinträchtigen könnten. Meine Frau sagt manchmal ich würde zuviel arbeiten, aber das betrachte ich nicht als Schwäche. Ich will eben Ergebnisse sehen und arbeite solange bis das Ergebnis stimmt."
man denkt: "Mal ganz im Ernst, angenommen ich würde regelmäßig fluchen, mir vor Kunden in der Nase popeln oder mich am Hintern kratzen oder täglich nach dem Essen ein Stündchen Büroschlaf halten. Dann würde ich es ganz sicher hier und jetzt nicht sagen."

Was erwarten sie von einer Arbeitsstelle?

man sollte sagen: "Eine Tätigkeit, bei der ich meine Talente effektiv und ergebnisorientiert einsetzen kann. Motivierte Kollegen, spannende Herausforderungen. Ich bin bereit Leistung zu bringen und fühle mich da wohl ich Leistung bringen kann.
man denkt: "ein vierzehntes Monatsgehalt, keine Überstunden, viel Urlaub und einen Chef und Kollegen, die einem nicht auf den Zeiger gehen. Vorallem Letzeres."

Wie schnell könnten Sie bei uns anfangen?

man sollte sagen: "ich habe in den nächsten zwei Wochen noch einige Termine bei anderen Unternehmen, aber wenn wir zu einer Vereinbarung kommen, dann ließe sich da bei bedarf sicher was machen"
man denkt: "gestern. Ich mache alles. ich knie auch nieder und fange mit heulen an wenn ich hier nicht arbeiten darf. Ganz im ernst. Und was ich noch fragen wollte, wann überweisen Sie das erste Mal die Kohle?"

Auf in den Kampf!
Montag gehts schonwieder zu einer netten Unterhaltung mit Leuten, die die harten Fragen stellen.



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Donnerstag, Januar 23, 2003
 
Die Risiskoarmut deutscher Mittelklasselimousinen bedingt unüberlegte Bleistiftanschaffungen


Es gibt nichts langweiligeres als nach Indien zu fliegen. Allein die Vorstellung, 12 Stunden im Flieger zu sitzen reibt einem die Tränen in die Augen. Herr Gärtner ht dagegen letztens im Fernsehen erzählt, er habe ebendiese Reise samt seiner Freundin und seinem VW-Bus inmitten eines Rudels Enten bestritten. Seiner Auskunft nach war die Fahrt mit Zwischenstopps in einschlägigen Kaffeehäusern die beste Reise seines Lebens. Wenn mein Vater von seinen Fahrten im NSU-Prinz, den er zusammen mit meiner Tante besessen hat, erzählt, war er auch immer ganz gerührt und latent abenteuerlustig. Eindeuting im selben Fahrwasser befindet sich auch mein Herr Bruder, der soeben berichtet hat, daß er samt 3 anderen kranken Gestalten unter Einsatz des fertigsten Autos, in dem ich je mitgefahren bin, von Washington über Detroit nach Toronto und zu den Niagara-Fällen und wieder heim gefahren ist. Hätte er die gleiche Tour im Reisebus gemacht, dann wäre er in USA für einen typischen Butterfahrttouristen gehalten worden. So wandelt er auf den Spuren von Humboldt und Columbus, der Gefahr ins Auge schauend, aufgebrochen um neue Welten zu erobern. Mit einem Auto, das stehen bleiben kann durch Detroiter Vororte zu fahren ist aber auch wirklich gefährlich, das sei immerhin am Rande erwähnt.
Ich dagegen fahre Audi, bei dem nur das Risiko besteht, daß man für jemand gehalten wird, der Audi 100 fährt und gehe wochenends ab und an gern ins Thermalbad. Immerhin kann ich mir die anschließende Tanzveranstaltung an der Konzertmuschel im Kurpark meistens verkneifen. Es gehen aber Gerüchte, daß ich schon inkognito im Kurkafee beim Tortenverzehr gesichtet worden sei. Dazu möchte ich aber im Moment nichts sagen. Summa sumarum: ich werde für einen risikoscheuen Menschen gehalten.
Dabei scheue ich das Risiko durchaus nicht: So kaufe ich beim Bäcker üblicherweise Brezeln ohne auf diejenigen Brezeln zu zeigen, die in die Tüte gepackt werden, ohne dabei das Risiko zu scheuen, die zu bekommen die keiner will. Ich habe beim örtlichen Italiener auch schon mehrfach die Überraschungspizza bestellt und lasse mich durch keine Sturmwarnung vom Weg zum Mülleimer abhalten. Ich wechsle manchmal auch freiwillg die Bleistiftmarke.
Oder ich behaupte ohne Sinn und not, daß ich risikoscheu wäre, und Flüge nach Indien langweilig sind.



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Mittwoch, Januar 22, 2003
 
also gut, ihr dürft ja...


anscheinend habe ich polarisiert, jedenfalls haben sich ein paar Leute gemeldet, die auch was sagen wollen. Nachdem meine Firewall sich heute morgen schon einem Nuke -Angriff ausgesetzt gesehen hat, bin ich zu dem Schluss gekommen, daß ich lieber freiwillig die Möglichkeit zum kommentieren schaffe. Sonst geht´s mir am Schluss wie der Bundeswehr oder Herr Schröder schickt noch ooWecker vorbei. Wollen wir ja nicht. Also, sagts halt was zu sagen gibt. Bis das Design stimmt dauert´s vermutlich noch ein zwei Tage.

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Was für ein Tag!




[01/22/03 - Good morning sun!]

DAS Wetter und zwei neue Vorstellungsgesprächtermine - da ist es nur zwangsläufig, daß die Waage auch noch 400g weniger anzeigt. Zur Feier des Tages schau ich mir jetzt erstmal die Großstadtrevier-Wiederholung an und trinke einen Extrakaffee.
Seit gestern wippe ich dauernd versehentlich mit dem Fuß und singe lauthals alte Bap-Songs. Beim schwimmen wäre ich fast ertrunken, als ich unter Wasser zum Refrain von "lasse doch reden" angesetzt habe. Langsam wird mir immer klarer, weshalb unser Kanzler Herrn Niedecken als Waffe einsetzen will.

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Dienstag, Januar 21, 2003
 
geballte Fachkompetenz

Günther Grass schreibt Geschichten. Herr Niedecken singt Lieder. Frau Ebstein gibt es immernoch. Herr Geißendörfer ist Schöpfer einer Soap Opera namens Lindenstraße und Herr Breinersdorfer schreibt Kriminalgeschichten.
Angesichts dieser Qualifikationen verstehe ich vollkommen, daß der Kanzler diese launige Runde am Montag in seiner Residenz zur Diskussion der Lage im Irak einbestellt hat. Nein, ehrlich, wer mich kennt, der weiß, daß ich, wenn Entscheidungen anstehen, immer auf Fachkompetenz vertraue. So habe ich erst letztens angesichts drohender Gefahr für meine Kreditlinie die Malklasse "abstraktes Aquarell II" der Volkshochschule zu einer Dringlichkeitssitzung einbestellt. Bei außenpolitischen Problemen neige ich eher zum Posaunenchor, da der auch ganz praktisch eingebunden werden kann: So wurde ich erst letztens, als ich am Telefon ein nettes Gespräch mit amerikanischen Freunden hatte, im Hintergrund durch "God bless amerika" untermalt, was sehr gut ankam.
Wo käme man nur hin, wenn man keine Freunde hätte, die sich auskennen?
Wo werden denn heute noch Probleme gelöst, wenn nicht in der Lindenstraße? Ich bin mir sicher daß eine der Töchter in der Serie demnächst mit einem Freund ankommt, der von Beruf Diktator ist und Sadam heißt.
Wer sagt dem Busch denn noch die Meinung, und außerdem, daß in Danzig mal komische Leute gewohnt haben, außer Herrn Grass? Hä; WER? Richtig - keiner.
"Verdammt lang her, dat do mo wat passiert is", wenn ich Herrn Niedecken zitieren darf, der mir sonst auch dorsch, Verzeihung, durch "Katzenpiesel ond Jasmin" bekannt ist. Wenn ich an Bap denke zuckt in seliger Erinnerung an die Jugend die Rechte zum Feuerzeug und die Linke zum Kölsch.
Wie ich höre, soll Herr Niedecken aufgrund seines selbst für Döötsche, Verzeihung, Deutsche schwer entschlüsselbaren Dialektes zusammen mit Frau Ebstein als Frau an seiner Seite ooWecker bei gefährlichen Auslandseinsätzen unterstützen. Daß der Feind im Westen lauert Ob die Moral des Feindes durch die gezielte Sendung von Tatort-Wiederholungen oder den massenweisen Abwurf von Grass-Romanen untergraben wird ist noch nicht ausdiskutiert. Das können dann ja die anderen ausdiskutieren. Die anderen? Hab ichs nicht erwähnt? Wie Herr Kulick im Spiegel erwähnt nahmen "Ferner [...] Friedensforscher, Kirchenvertreter und Verfassungsrechtler an der Runde teil." Selbst beim Spiegel sind sie jetzt so weit, daß sie die unwichtigen Teilnehmer bei solchen Veranstaltungen auch noch in Nebensätze packen.

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Montag, Januar 20, 2003
 
Das erfordert Maßnahmen


Ich beglückwünsche die Tübinger Diakonie zu Ihren aktiven Sekretärinnen:
Als ich vorher mit der Personalabteilung telefonieren wollte, wurde mir kurz und bündig gesagt, daß es keine offenen Stellen gebe, weshalb ich nicht verbunden würde. Nicht etwa auf Anweisung, nein selbstständig wimmelt die Sekretärin alle Suchenden ab: Sie sei im Betriebsrat und müsse es ja wissen, ob es offene Stellen gebe und überhaupt habe ich nicht die richtige Qualifikation für meine Wunscharbeit, da würden sie nur Pfarrer einstellen. Meine zarte Anregung, daß ich solcherlei Details lieber mit einem Personalverantwortlichen besprechen würde, wurde unwirsch mit dem Hinweis abgetan, wenn da was wäre wüßte sie es.

Für den Fall, daß hier mal die Tübinger Diakonie anruft habe ich vorher über dem Telefon neue Richtlinien ausgehängt:

1) Es ist darauf zu achten, daß der Anrufer mindestens zehn mal den Text "bitte legen sie nicht auf, sie werden gleich verbunden" in deutsch und englisch zu hören bekommt, jedesmal gefolgt von einem lauten Piepston.
2) Danach meldet sich die "Abteilung Gebäude- und Grünflächen Management,[Name unverständlich] am Apparat" und weist themenunabhängig auf die eigene Unzuständigkeit hin.
3) Soweit der Wunsch besteht, verbunden zu werden, ist weiter wie in Punkt 1 zu verfahren, ansonsten wird Punkt 4 sofort durchgeführt.
4) Der Anrufer wird wahlweise an den Telefoncomputer von American Express, der Telekom oder der Lufthansa weiterverbunden.

Rache ist süss - muß nur noch einer anrufen.

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technischer Hinweis für Freunde des RSS-Feeds


Nachdem im bisherigen RSS-Feed dieser Site offensichtlich Fehler enthalten sind, hat freundlicherweise Ulf ein eigenes Skript für mich geschrieben und gleich auch noch mit Lob & Tadel verbunden. Das neue Skript funktioniert tadellos, die URL, für alle die sie verwenden wollen, findet sich unter dem XML-Button oder hier (wer als Nostalgiker voidstar weiterverwenden will, kann das auch weiterhin tun). Vielen Dank Ulf!!
Alle anderen: Syndicate me!!

P.S. Irgendwie bin ich heute verlinkend drauf.

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Sonntag, Januar 19, 2003
 
Witzig:

Wenn ich die volle Kaffeetasse über die Antenne der WLAN-Karte an meinem Notebook halte, sinkt die Verbindungsgeschwindigkeit merklich. Inwieweit sich das Ganze auf den Kaffee auswirkt, kann ich noch nicht beurteilen. Ob er sich mit Daten anreichert?
Da ich, wie erwähnt, gerade Hal Faber lese, würde dann ja sozusagen aus Heiß- ein Heisegetränk.
Wohl bekomms!

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Fast unwirklich -


einer dieser Januarsonntagnachmittage - dunstig, lichtdurchflutet, ein paar Spaziergänger weit draussen auf den reifstarren, frischgepflügten Feldern. Einer spielt mit seinem Hund.
Ein warmer Platz am Fenster, Hal Faber´s Kolumne auf dem Bildschirm und dazu ein Täßchen frischen Kaffees - mehr brauche ich nicht zum Glücklichsein, jedenfalls nicht hier und heute.
Schönen Sonntag!

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Freitag, Januar 17, 2003
 
gegrillt, schweiz.

Halt, stop! Bevor jetzt alle, die sich meine Bitte um Korrektur zu Herzen genommen haben, die Tastatur wetzen, möchte ich mitteilen, daß ich "schweiz" zur Darstellung meiner postvorstellungsgesprächigen Fassung als Adjektiv verwendet habe. Ich hätte natürlich auch - in bestem Deutsch - sagen können, daß ich gestern zwei Stunden intensiv befragt worden bin, und seither nicht weiss ob ich zusagen soll.
Da lobe ich mir doch Englisch, dort läßt sich dieser Sachverhalt in zweit Worten weitaus knackiger darstellen: grilled, swiss. "swiss kenne ich erst seit ich letztens auf Alison´s webpages vorbeigesurft bin, wo sich auch the lists finden lassen: unter anderem eben eine mit Sachen "I´m swiss about" . So lautmalerisch. Nicht neutral, nicht unentschieden, nein, einfach schweiz. Man sieht vor seinem geistigen Auge Tell auf den Apfel schiessen, weil er nicht weiss ob er lieber den Vogt oder seinen Sohn umlegen soll. Alles gesagt in sieben Buchstaben und den Klang von Alphörnern im Ohr und den Käsegeruch gibts gratis dazu. Ich finde Englisch super.
Ob ich bei den Grillmeistern von gestern anheuern soll weiß ich indessen trotz aller Freuden der Schweiz noch nicht.
Vorwärts geht es indessen an der Orthographiefront:
Erst gestern haben mich wieder zwei nette Komentare erreicht. So wurde mir von einem Mitschwaben versichert, daß "deine interpunktion sehr viel besser geworden ist". Doch nicht genug der Freude, aus dem schönen Belgien haben mich zwar weder
Waffeln noch Pommes Frites erreicht, dafür aber eine tolle Solidaritätsbekundung: "...ich verbünde mich sowieso mit jedem der Rechtschreibung und Grammatik so genau nimmt wie Verona Feldbusch!". Daß ich etwas mit Verona Feldbusch gemeinsam habe eröffnet mir ganz neue Horizonte. Ich wäre aber in diesem Zusammenhang dankbar, wenn jemand dem Unsagbaren sagt, daß ich schon verheiratet bin.

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Donnerstag, Januar 16, 2003
 
Manege auf!


Ich bin aufgetakelt und hab mir extra eine neue Krawatte gekauft. Ich hab meine Ledertasche mit Schuhcreme behandelt und meine Brille mit Spülmittel. Ich sehe gut aus. Nach einem leichten Mittagessen habe ich in Ruhe ein Täßchen Kaffee genommen und meine Unterlagen sortiert und verpackt. Gleich werde ich ins frischgeputzte Auto steigen, bei dem ich auch Öl- und Wasserstand und den Reifendruck geprüft habe. Ich ruhig - was soll schon passieren? Meinen Lebenslauf habe ich über die letzten Tage hundertmal auf deutsch und auf englisch heruntergebetet. Ich habe vor dem Spiegel geübt, kompetent auszusehen und mich überzeugend zu gebahren. Ich bin gut und kenne meinen Preis. Ich bin perfekt rasiert.
Ich werde nacher ruhig, gelassen und freundlich wirken, aber auch kompetent und zielorientiert.
Zumindest, wenn ich es schaffe bis vier mit zittern aufzuhören und wenn ich die Hinfahrt überlebe ohne einen Herzinfarkt zu haben oder einen Unfall zu bauen. Oder beides. Anscheinend bin ich heute nach mit geöffneten Augen im Bett gelegen. Seit ich wieder bei Sinnen bin stehe ich unter Adrenalin. Ich könnte noch joggen gehen, dann würde ich vieleicht ruhiger werden, aber nachher vergesse ich den Schlüssel und komme hier nichtmehr rein. Vorstellungsgespräch in der Jogginghose, das wäre doch mal was. Warscheinlich würde man da mehr Eindruck machen als im dezenten Sakko und Krawatte.
Ich sage einfach nix. In dem Brief stand nur daß sie einen kennenlernen wollen. Ok, Anschauen dürfen sie, und von mir aus gebe ich schriftliche Antwort. Oder ich fange einfach mit heulen an. Knallhart, ohne Gnade, vieleicht falle ich auch auf die Knie.
Vermutlich werden sie mich für gelassen halten, bis sie beim rausgehen mein durchgeschwitztes Sakko sehen, oder die Pfütze unter dem Stuhl. Oder ich singe was vor. Witze erzählen ist schlecht, nachher lacht keiner, was aber egal ist, weil sie nur auf das Haar schauen, das aus meiner Nase wächst, oder das Etikett am Sakko oder den offenen Hosenladen.

Ave Cäsar, der Todgeweihte grüßt dich und vertraut auf deine Gnade.
Abgang mit Fanfahren.
Oder wenigstens soll jemand "Sloop John B." spielen.

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Mittwoch, Januar 15, 2003
 
Ich rege mich ja nicht oft übers Fernsehen auf,


dazu ist es normal nicht interessant genug. Gestern abend wars aber mal wieder soweit: in 37Grad: Jung, erfolgreich - arbeitslos berichtet Dominique Klughammer über die neuen Arbeitslosen der New Economy. Es werden vorgestellt ein Marketingleiter (Firma pleite), eine Werbechefin (Firma pleite) und der Programmleiter eines Senders (Sender pleite, er vorher entlassen. Gemeinsames Merkmal: alle haben über 100.000.- ? im Jahr verdient. Allen reicht die Stütze nicht. Die Werbechefin bittet um Mitleid, weil sie nichtmehr ungehemmt shoppen kann "wie ich das früher so gemacht hab" und nicht sicher ist ob sie ihr schickes Cabriolet halten kann. Nach Auskunft des Sprechers verzichtet sie schon darauf, bei Prada zu kaufen und laufend Champagner zu trinken.
Der Herr Marketingleiter beklagt, daß er nicht im eigenen Haus wohnt momentan und man meint, es handele sich dabei um ein Menschenrecht. Der Herr Exprogrammleiter hat immerhin eine neue Firma gegründet, aber noch kein einziges Programmformat verkauft, nach drei Monaten. Er fühlt sich als Opfer. Im Hintergrund schwelgt ein heulsusiger Kommentar in Sätzen wie "nächsten Monat hat sie ihre Abfindung aufgebraucht. Wie es dann weitergehen soll weiss sie nicht" oder "alle Bewerbungen sind zurückgekommen - keine Einladung zum Vorstellungsgespräch, er weiss nicht wie es weitergehen soll".
Schnipp schnipp, ich melde mich, ich hätte noch ein paar Fragen, z. B. wieviel Stütze bekommt man eigentlich, wenn man vorher über 100.000.- ? im Jahr verdient hat?
Kann man als Firma Rückschlüsse auf die Qualitäten eines Managers ziehen, wenn der nichtmal seine Stütze so managen kann, daß er am Monatsende in den roten Zahlen ist?
Wieviel Arbeitslose gibt es gerade und wieviel Stellen?
Wird das nächste Mal auch noch ein Spendenkonto eingeblendet?

Manchmal scheinen auch Katastrophen wie der Untergang der dotcoms im Rückblick irgendwie zwangsläufig.

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Dienstag, Januar 14, 2003
 
Bagdad ist unser!

Hat es den Amerikanern schon jemand gesagt? Alles erledigt von unserem Kanzler, der es zwischen eidestattlichen Versicherungsterminen für Haarfarben und Ehestreitigkeiten geschafft hat, sein bestes Pferd im Stall in den Irak einzuschleusen. Fischer? Struck? Scharping-Pilati am Ende?
Nein, diese Aufgabe erfordert einen Mann, hart, mit allen Wassern gewaschen, vom Leben gegerbt. Mit einem Wort 00Wecker.
Jaja, lange Jahre unter der Tarnung "Liedermacher" unaufällig aufgebaut, mit den wichtigen Persönlichkeiten der Halbwelt aus Knastzeiten bekannt, und mit eingehenden Betäubungsmittelkenntnissen ausgestattet kann dieser Spitzenagent als wahre Meeisterleistung des BND angesehen werden. Herzlichen Glückwunsch dafür nach Pullach im schönen Isartal!
Wie "Nase Konstantin", wie er liebevoll von seinen Bewunderern genannt wird, heute morgen in einem Radiointerview verlauten lassen hat, gedenkt er, das politische System des Iraks durch das Absingen von Liedern zu stürzen. "Ich will die Leute betroffen machen", so Wecker in dem Interview.
Er wäre aber nicht die Krone unseres Geheimdienstes, wenn das alles wäre. Mittlerweile bestätigten Gerüchten zufolge wurde gestern eine größere Gruppe Hussein-Doppelgänger mit pulvergefüllten Tüten beim Überqueren der jordanischen Grenze gesichtet. Sie wollten, so die Doppelgänger, eine Künstlerkolonie auf den Golanhöhen gründen und in Zukunft für freies Kokain und freie Liebe eintreten.
Wie jetzt über Al Jazeehra bekannt wurde, verhandelt der Diktator selbst mit Afghanischen Warlords über den Kauf einer Mohnfarm im afghanischen Hinterland. Der arabische Sender zeigt ein offensichtlich authentisches Video, auf dem Hussein mit verträumten Blick verspricht er wolle "den schwarzen Afghanen wieder zu dem machen was er mal war - Qualität". Die Identität des auf dem Video kurz im Hintergrund sichtbaren Klavierspielers konnte nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Wir indessen ahnen, wer da erfolgreich in die Tasten greift.
Neue Aufträge für 00Wecker gibt es zuhauf, der nächste, hört man, soll ihn nach Washington führen, wo er bei George, Donald und Condolezza für "good vibrations" sorgen soll. Der Kanzler persönlich hat an dieser Mission ein besonderes Interesse: "dann wird der George mal bisschen lockerer im Schritt", so der Kanzler.
Sprachs und ging mit einer Packung "diamond black" ins Kanzlerbad. Ich will aber nichts gesagt haben.

P.S.: "Schwach!" wollte ich noch kurz ausrufen, bevor ich das hier abschicke und nichtmehr korrigieren darf, weil sonst der blog-reader von chris zweimal neues meldet, obwohls nur einmal neues gibt. Ein Tag vorbei und keine Fehler sind gefunden worden - anscheinend lesen hier doch nur bots mit.
Besonders wollte ich in diesem Zusammenhang mal den bot aus Belgien grüßen und mich fürs tägliche Lesen bedanken! Auch allen anderen bots, die mit mir die ersten 50 Tage überstanden haben vielen Dank! Ich bin immernoch zutiefst erstaunt, daß das was ich hier schreibe außer mir noch jemand liest ;-)

Geschriebenes ist wie mir scheint
weil es geschrieben ist auch wichtig
das ists wohl was der Leser meint
bin ich der Schreiber ists auch richtig.


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Montag, Januar 13, 2003
 
Gegendarstellung

Chris und Judith legen Wert darauf, daß ich erwähne, daß sie am Schluss doch Sturm und Schnee getrotzt haben und mit uns einen vergnüglichen Abend verbracht haben. Zur Umgehung der fehlenden Winterreifen haben sie eine verwandte Limousine gekapert und (soweit mir bekannt) auch heil zurückgegeben. Erstaunlich dabei: ich habe offensichtlich Leser. Nicht daß es mich überrascht daß jemand diese Seite anschaut (dazu schaue ich zu oft die Logfiles an) aber Teilnahme und Reaktion begeistern mich immer aufs neue! Besonders wenn sie mit Lob verbunden ist!
Erst letztens hat mich zum Beispiel auch eine email von der Westcoast erreicht, die folgenden Satz enthielt:
"Du schreibst so gut und so unterhaltsam, du solltest ein Kolumne in der Zeitung haben", und schon saß ich mit stolz geschwellter Brust vor dem Bildschirm. Jawohl, persönliches Lob finde ich erhebend.
Leider ging die email so weiter: "oder beim Radio (bei Problemen mit Orthographie vielleicht vorteilhafter...)" und zum Schluss: "Am besten beim Schwabenradio oder einem Privatsender"(!)
Natürlich habe ich auch schon bemerkt, daß Blogger keine Rechtschreibkorrektur hat und ich auch nicht. Ich schlage deshalb vor, daß Ihr, liebe Leser, Euch meldet, wenn Ihr einen Fehler seht, mann lernt ja nie aus. Ich bin schon gespannt auf Eure emails und/oder Gästebucheinträge. Dann wüsste ich auchmal, ob ich nicht nur von Robots gelesen werde. Die meisten Beschwerden habe ich nämlich bisher bekommen, weil die Datei "robots.txt" nicht gefunden wurde. Besonders interessieren würde mich der Leser der ausweislich seiner Zeitzone nur in Grönland wohnen kann und wer sich in Hintersibirien deutsche Websites anschaut, wobei in diesem Fall zu vermuten ist, daß eben noch nicht alle Russlanddeutschen in Dusslingen Silvester feiern...
Also, meldets Euch, wie der Bayer sagt (der sich im Gegensatz zu Silvester ja wirklich mit Y schreibt...).

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Sonntag, Januar 12, 2003
 
Lichtprobleme


Meine Schreibtischstellung ist änderungsbedürftig: Sobald die Sonne scheint, muß ich den Rolladen runterlassen, weil ich sonst auf dem Bildschirm nichtsmehr sehe. Wenn ich Nachbarn hätte, würden die sicher meinen, ich hätte einen Dauerkater oder wäre Vampir - nun, who knows?
Jedenfalls, heute morgen tut es mir weh, diese traumhafte, lichtdurchflutete Schneelandschaft auszusperren, weshalb ich den Computer jetzt wieder ausschalte und den Rolladen hochziehe. Schreiben kann ich wenns regnet, oder wenigstens später...

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Freitag, Januar 10, 2003
 
mana mana dubduuu didubub!


...anscheinend habe ich mit meinen Ausführungen zum Supply Chain Management voll den Ton der New Economy getroffen. Jedenfalls ist gerade eine Einladung zum Vorstellungsgespräch ins Haus geflattert. Nun denn. so muß ich wohl die Klinge wetzen und das Kampfross satteln.
Jung ist der Tag, blutig die Schlacht und süß der Lohn, wenn wir lebend den Abend sehen!

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Donnerstag, Januar 09, 2003
 
alles eine Frage des Preises

Deshalb also wird alles dauernd teurer. höhere Rohstoffpreise? gestiegene Löhne? Weit gefehlt!
Die Preise werden erhöht, damit die Qualität steigt. Sonst wegen nix. Das hat mir mein Freund, der Getränkehändler, heute morgen erklärt. Anlass war, daß wir gemeinsam ein paar Kisten Alpiersbacher in den Keller einer älteren Frau geschleppt hatten, und als ich gerade die Treppe hochkam, kassierte er einen Euro mehr pro Kiste als im alten Jahr. Auf meine Beschwerde hin hat er mir erklärt, daß die Bierpreiserhöhung nicht an ihm läge, sondern an der Brauerei, die den Mindestverkaufspreis erhöht hat. Und zwar, um nicht in den Verruf zu kommen, Billigbierhersteller zu sein. Jawohl Bier schmeckt nämlich meistens gleich in Duetschland, schon weil wegen dem Reinheitsgebot immer das gleiche Zeug drin ist. Ist aber der Preis zu niedrig, meint jeder, das Bier wäre schlecht und kauft es nur noch für 99c die Dose bei Aldi. Ist das Bier teuer, meint jeder es sei qualitativ besser und die Verkaufszahlen steigen.
Als weiteres Beispiel für den Erfolg dieses Ansatzes ist mir dann spontan auch noch Apple eingefallen und der Metzger im real,- .
Das ist es also:
Wahrscheinlich habe ich mich bisher einfach zu billig verkauft. Erst letztens habe ich mich mit einem anderen Freund darüber ausgetauscht, daß es sich eventuell doch nicht anbietet, über Blindbewerbungen immer "Ich mache alles und das für jeden Preis" zu schreiben. Vieleicht sollte ich von Anfang an offensiver rangehen. Gleich mit Forderungen kommen, damit den Arbeitgeber bewußt wird, daß er Qualität kauft, wenn er mich nimmt.
Dem Getränkehändler habe ich, wo wir schon dabei waren, gesagt, daß ich die Qualität des Kistenschleppens in Zukunft deutlich zu steigern gedenke.
Vieleicht sollte ich aber euch einfach in die Bierproduktion einsteigen...

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Dienstag, Januar 07, 2003
 
...und schon das erste Schneeopfer:


leider muss ich die Keynote von Steve Jobs auf der Macworld in San Francisco alleine anschauen, weil Chris und Judith, bzw. ihre Sommerreifen vor dem Schnee kapituliert haben. Ich bin ja mal gespannt, was Jobs zu verkünden hat. Ich wäre fast selbst Mac-User geworden, abgehalten haben mich von diesem kühnen Vorhaben indes die Apple Care Hotline und die Firma Gravis in Stuttgart. Bei Apple Care hatte ich angerufen, weil das Diskettenlaufwerk meiner Chefin nicht richtig funktionierte. Darauf hin haben mir die Jungs erklärt, daß Diskettenlaufwerke (wörtliches Zitat) "yesterday´s technology" wären, weshalb sie "sometimes breakdowns" hätten. Sonstige Ideen hatten sie nicht und wollten auch nicht meiner Chefin anrufen und es ihr selbst erklären. Die Jungs von der Firma Gravis sind auch schlaue Bürschchen. Sie haben mir für einen Reparaturkostenvoranschlag 59 Euro abgeknöpft, was ja grundsätzlich ok ist. In dem Kostenvoranschlag stand aber nur drin, daß es bei Apple eine Reparaturkostenpauschale (O-Ton: "Reparaturflatrate") von 500 Euro gäbe, weshalb die Reparaturkosten 500 Euro betrügen. Erst ein Hinweis auf die Prozeßkostenflatrate meines Anwalts und die Bußgeldflatrate der Staatsanwaltschaft führte dazu, daß man auf die Kosten für den Kostenvoranschlag "kulanterweise" verzichtete.
Möglicherweise sind Macs ja "nice to challenged people" . Bei mir haben sie sich als nicht besonders gut für den Blutdruck erwiesen.
Besonders abschreckend finde ich auch die Jungs und Mädels die uns allen den Wechsel zu Apple schmackhaft machen sollen. Nehmen wir etwa Janie Porche, die es mittlerweile immerhin auf 568 Google Resultatebringt:
1) Ihr Vater ist zu blöd, seine Digitalkamera zu bedienen.
2) Das Familienglück in dieser Familie ist dadurch bedroht, obwohl die Kinder (-> Jamie Porche) erwachsen sind (!).
3) Anstatt dafür zu sorgen daß der Pappa auch in Zukunft Bilder runterladen kann, schließt sie das Ding an Ihren Computer an. Resultat: Wenn die kleine Jamie wieder weg ist sitzt Pappa auf dem Trockenen.
Man könnte auf die Idee kommen, daß die Kernaussage dieser Werbung ist, daß dumme Blonde aus soziopathischen Familienverhältnissen Apple Computer kaufen und dadurch sogar Geek-Pinup werden können, aber soweit will ich garnicht gehen und lasse es mit einem satten "seltsam seltsam" bewenden.

Um gerecht zu sein muß man nach solcherlei Kritik sowieso immer wieder auf bleibende Wahrheiten verweisen, die unter anderem hier zu finden sind.

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Quod erat demonstrandum:

Seit gestern abend schneit es hier an einer Tour. Das Mülleimer-an-die-Straße-vorfahren hatte heute morgen was von Rally Monte Carlo. Der Bauer hat auch schon seinen größten Traktor aus der Scheune geholt und heizt begeistert durch den Tiefschnee auf dem Acker vor dem Haus. Und meine Kusine produziert wie ich sie kenne heimlich Schneeengel im Garten. Es schneit!!
Offensichtlich lohnt es sich, nett zu sein.

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Sonntag, Januar 05, 2003
 
Zur Absicherung der Wetterlage...


...für den Fall, daß morgen das Wetter aus Südost kommt:

[Schüttelreim]
Man soll Gott für alles danken,
auch für Bayern und für Franken.
Ich kann wirklich alle leiden,
wenn den Regen sie vermeiden.
[/Schüttelreim]

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Der Schnee hat versagt,


wenigstens bisher. Vermutlich habe ich gestern zu sehr über Mitbüger aus nördlicheren und östlicheren Teilen des Landes gelästert und das ist jetzt die Rache des Nordostens. Das Wetter kommt nämlich heute auch aus Nordost - Ein Zufall? Ich kanns kaum glauben: Saukalt, es schneit (Appetit anregen!), und dann aber nur ein paar jämmerliche Flocken (praktisch die Wurst vor der Nase baumeln lassen). Es reicht nichtmal um die Furche abzudecken, die ich gestern dank eines etwas zu entschlossenen Gasfußes neben der Garageneifahrt in den Rasen gezogen habe, und das obwohl im Wetterbericht "ergiebige Schneefälle" angesagt waren.

Laut dem Barometer, das wir zu Weihnachten bekommen haben müßte dagegen eigentlich schon längst die Sonne scheinen, wenigstens wenn ich den Auslegungsregeln meiner Schwiegermutter folge. Eins habe ich laut meiner Frau schon von ihr gelernt: Ich klopfe angeblich auch "bei jeder Gelegenheit wie ein Irrer" dagegen.
Ich bin sicher, es schneit es östlich von uns meterweise den feinsten Pulverschnee hin, und südlich, wo meine Schwiegermamma wohnt, scheint die Sonne.
Nur bei uns auf dem Hof gibts Bewölkung mit Versagerschnee und Eiseskälte.
In Zukunft lasse ich mich im Baumarkt nur noch von Franken und Bayern bedienen und ich habe auch schon die neue Zärtlichkeit am Thermometer entdeckt -
Ergo: Morgen fallen bei strahlendem Sonnenschein Tonnen von Schnee, oder so.

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Samstag, Januar 04, 2003
 
Ich wäre lieber Ritter


Früher hat man Männer zur Bewährung in eine Rüstung gepackt, auf ein Pferd gesetzt, ihnen eine Lanze in die Hand gegeben und sie zum Zwecke männlichen Kampfes ins Turnier geschickt. Auf der Tribüne jubelte das Publikum ihrem Mut zu und als Preis winkte immerhin das parfümierte Taschentüchlein eines leidlich hübschen Burgfräuleins.
Heute gibt man Männern, die sich bewähren solllen, eine Scheckkarte und den Autoschlüssel, und schickt sie zum Sockelleisten in den Baumarkt. Das ist grausamer. Nachdem mein Vetter Christian gestern angekündigt hat, daß er am Montag gedenkt, unsere Sockelleisten zu montieren, ist meiner Frau eingefallen, daß wir dieselben erst noch kaufen müssen. Wortwörtlich sagte sie "die mußt DU noch kaufen". Auch durch meine Einlassungen, es sei Samstag, regnerisch, Inventur und Weltuntergang habe ich nicht verhindern können, daß ich mich eine halbe Stunde später auf dem Weg in den Baumarkt befand.
Wenn man schonmal da war ist es noch viel schlimmer, weil man schon ahnt, was einen erwartet. Das erste Problem ist immer unbeschadet das Auto zu parken und zum Eingang zu kommen, weil entgegen aller Schilder bei Hornbach auf dem Parkplatz die STVO nicht gilt und außerdem alle an ihrem Auto irgendwo was rausstehen haben. Auch heute wäre ich vor dem Eingang wieder fast von einer Badewanne erschlagen worden. Immerhin, Tod durch eine Kloschüssel wäre profaner gewesen.

Listig wie ich bin, habe ich mich auf keine Experimente eingelassen, und mich erstmal an der Information angestellt um zu fragen, wo ich denn Sockelleisten finde. Ich wurde auch schon nach einer Viertelstunde bedient, wozu die freundliche Dame extra das Gespräch mit ihrer Freundin unterbrochen hat. "Dritter Gang hinten", hat sagte sie, eine brauchbare Information meine ich.
Wenn man weiß ob nach rechts oder links.
Als ich das merkte hing aber schon das "Komme gleich wieder" -Schild da, das ich vom Holzzuschnitt kenne, wo ich es letztens eine Stunde lang angeschaut habe.
Forsch und mutig entschied ich mich für rechts, wo im dritten Gang just ein freundlicher junger Herr mit "Esgibt viel zu tun!" - Mütze stand und fragte ob er mir helfen könne.
Nach Schilderung meines Problems erklärte er in bestem Hochsächsisch, daß ich in der Metallwarenabteilung gelandet sei, und er leider nicht wüßte, wo sich die Holzartikel im Einzelnen befänden, ich solle doch die Holzabteilung aufsuchen. Auf meinen Einwurf, daß es auch Sockkelleisten aus Kunststoff gebe, erwiderte er, daß die Holzabteilung seines Wissens auch für Holzimitate zuständig sei und schickte mich fünf Gänge nach hinten und dann rechts.
Die Holzabteilung ist offensichtlich auch in sächsischer Hand, jedoch in sachsen-anhaltinischer, wie der Verkäufer auf Nachfrage erklärte. Im netten Gespräch stellte sich heraus, daß er zwar zuständig für die Holzabteilung war, jedoch mit Sockelleisten nicht weiterhelfen konnte, weil diese in der Bodenabteilung wären. Wo diese sei könne er nicht sagen, er sei noch neu, aber die grobe Richtung sei nach rechts und dann weiter fragen.
Nach einigen Metern fragte ich den freundlichen Herrn am Bohrmaschinenstand, der zwar nicht wußte, wo die Sockelleisten sind, aber daß ich dringend einen Bohrhammer brauche. Davon ließ er sich auch durch Beteuerungen, daß wir im Zelt wohnen, oder sogar obdachlos sind, und nie in die Nähe fester Wände gehen, nicht abbringen.
Zum Glück konnte ich ihm entwischen als er sich nach einem anderen Modell umdrehte, mußte aber dazu scharf links abbiegen und stand unversehens beim Tierfutter.
Die Verkäuferin dort - aus Thüringen - war noch nie weiter nördlich als bis zu den Rasenmähern gekommen, empfahl aber den Gang zu Information, die ich in diesem Moment mit einer Gewissen Rührung auch in einiger Entfernung erkannte.
Der Weg dorthin war nicht einfach, da er am Bohrmaschinenstand vorbeiführte, mit einem Sack Hundefutter vor dem Kopf konnte ich die Standbesatzung aber glücklicherweise täuschen und mit dem Hinweis auf meinen großen Hund Verkaufsversuche wirksam abblocken.
An der Information wurde ich mit einem fröhlichen "Ah, sie haben das Hundefutter gefunden!" empfangen und sofort zu den Sockkelleisten weitergeleitet, die sich offensichtlich in einem Bereich des Marktes befanden, wo ich noch nie gewesen war. "Sehn se!", sagte der Mann an der Information im besten Berlinerisch, "müssn se nur de ritijen Leute frachn!".

Bei den Sockelleisten angekommen gab es leider keine Sockelleisten, dafür aber einen lachenden Brandenburger der meinte ich sei heute schon der fünfte, der für Sockelleisten zu ihm geschickt worden sei. Das sei neuer Rekord für die Beton- und Ziegelabteilung.

Am Ende habe ich die Sockelleisten gefunden, indem ich den Baumarkt systematisch durchsucht habe. Ich habe Dachplatten und Schubkarren untersucht, Besen, Heilerde, Häcksler, Lampen, Duschvorhänge und Kiese und Erden. Ich habe Marktleiter, Putzfrauen und andere Kunden befragt. Einen Verkäufer habe ich mit körperlicher Gewalt dazu gezwungen, mich zu führen, was sich aber nach einer Stunde als erfolglos herausstellte. Die Leisten sah ich dann als ich schon aufgegeben hatte, aufgereiht in einem eigenen Abteil direkt neben der Information.
Wenigstens war der Rückweg zu Auto weniger riskant, weil der Parkplatz schon menschenleer war.

Zwei Sachen weiß ich jetzt:

Ich glaube wenn ich nach dem Weg nach Bitterfeld gefragt hätte, hätte ich kompetenter Auskunft bekommen.
Ich wäre lieber Ritter geworden.

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Freitag, Januar 03, 2003
 
Kettenorganisierer und Dichtungsempfängerinnen

Oh je, bis heute abend muss ich den Text über "Supply Chain Management" fertig haben, damit ich im Bewerbungsverfahren bleibe. Schon seit dem 19. Jannuar kämpfe ich dabei mit gewissen Schwierigkeiten, insbesondere bei der Eingrenzung des Begriffes. Die Materialflut ist gewaltig: Allein auf deutsch befassen sich 49900 Seiten mit dem Thema, davon allein 1090 mit den damit verbundenen Schwierigkeiten.
Immerhin, Themen wie "Drecksau" (90700), "Psychiater" (79400) oder "so ein Herbert (1.400.000) wären noch wesentlich umfanreicher gewesen.

Wenigstens findet sich zum SCM, wie es der Fachmann nennt ja was, während ich andere Sachen trotz meiner gestrigen comouterarchäologischen Suche nichtmehr finde, und damit meine ich nicht diverse Socken und Unterhosen, die auch als verschollen angesehen werden können.
Nein, es handelt sich um mein lyrisches Frühwerk, das ich in jungen Jahren durchaus gewinnbringend einzusetzen wußte, indem ich es mit Widmungen versah und an Frauen verschenkte. Nun könnte ich die Empfängerinnen meiner Dichtung ja fragen, ob ich mir die ausgeteilten Exemplare mal kopieren dürfte, das geht aber leider nicht.
Wie ich gehört habe ist im Ramen eines Kaffeetrinkens eines Tages das Gespräch auf mich gekommen. Dieses Gespräch war offensichtlich der Anlaß, etwas vergleichende Literaturwissenschaft zu betreiben, wobei im Ergebnis herauskam, daß ich - nun ja gewisse Motive und Phrasen mehrfach wiederverwertet hatte (never change a running system ;-)). Das wurde leider von den Rezipientinnen weniger gut aufgenommen als erhofft.
Um es auf den Punkt zu bringen: Man ist sauer.
Die einzige Diskette mit dem Zeug drauf, die ich noch habe, hat einen Bootsektorvirus.
Irgendwie konsequent, oder?

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Donnerstag, Januar 02, 2003
 
Computerarchäologie

Draußen stürmt es, das das Haus wackelt, da macht es sich gut, behaglich im Büro zu sitzen, zuzuschauen wie der Regen übers Feld treibt und bei einer Tasse Kaffee mal in den dunklen Tiefen der Festplatten zu stöbern. Computer habe ich seit nunmehr 17 Jahren. Und seit dem ersten mit Festplatte habe ich immer die Daten aufs neue System migriert. Wie ich heute feststellen musste bietet es sich an nicht nur die Daten mitzunehmen, sondern auch die zugehörige Anwendungssoftware. Alte MSWorks-Files waren nur mit viel Gefummel wieder in ein lesbares Format zu kriegen. Der Aufwand hat sich aber gelohnt: So habe ich eine knapp 10 Jahre alte Glosse mit dem Titel "Jedes Jahr eine arme Sau" gefunden, die damals vom Reutlinger Generalanzeiger doch nicht veröffentlicht wurde, obwohl sie schon im fertigen Layout drin war. Genaugenommen hat der Chef vom Dienst damals einen Brüllkrampf bekommen, als er die Glosse gelesen hat, und ihm eingefallen ist, daß das ganze Blatt voller Nikolauswerbung war.
Auch schön: Einen Brief an eine Angebetete habe ich in jungen Jahren mit dem Satz: "P.S.: Da ich keine Lust habe den Brief noch zu korrigieren entschuldige ich mich an dieser Stelle für meine saumäige Orthographie und Interpunktion." beendet. Anscheinend war die Empfängerin an jemand, der orthographisch perfekt ist, interessiert - jedenfalls kam nie eine Antwort. Nachdem ich mittlerweile bemüht bin, solche Funde in Formate zu bringen, die etwas haltbarer sind habe ich ein paar der Funde in html-Docs umgewandelt und wo ich schon dabei war auch gleich online gestellt. Ein paar Geschichten gibts hier während ein paar Versehier zu finden sind. Viel Spaß beim Lesen! Angesichts des unwirtlichen Wetters empfehle ich, sich dazu unter Einsatz einer Tasse Heißgetränk in die Nähe einer Heizung zu begeben. Alle die in ihrer Kiste neuere Athlons oder Pentiums haben dürften damit ja kein Problem haben...

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Mittwoch, Januar 01, 2003
 
Nur weil ich mich geniere, daß ich Silvester mit y geschrieben habe,

und es erst gemerkt habe, als ich es bei Ulf gelesen habe, heißt das nicht, daß ich der einzige sprachliche Tiefflieger im Netz bin.
Mit mir voll im Fettnäpfchen sind auch:

- Dem Schockwellenreiter sein Hund
- Dem Schockwellenreiter seinem Hund sein Herrchen
- Irgendwelche russischen Dänen
- eine mir unbekannte Unterwäschedesignerin aus Neuseeland
- und auch ein Typ, der offensichtlich nichtmal seinen Vornamen richtig schreiben kann.

Sehr elegant löst Georg die Sache: er wie auch sein geschiedener Hund Herr Müller erwähnen den Jahreswechsel einfach nicht. So ist es richtig!

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Die Russen haben gewonnen.

Kaum hat das neue Jahr begonnen, schon kann ich mich zufrieden zurücklehnen in der Gewißheit, daß ich meinen Vorsatz bereits erfüllt habe - jawohl, ich habe nicht Sylvester gefeiert. Bei einem Gläschen vorzüglichen Beaujolais und einer mit extra Schinken getunten Fertigpizza habe ich noch eine Runde ferngesehen und bin dann unspektakulär ins Bett gegangen. Auf dem Weg ins Bett habe ich, praktisch im Vorbeilaufen, noch das Feuerwerk gesehen, aber nur weil ich den ganzen Abend nicht auf die Uhr geschaut habe. Hat mich auch nicht weiter interessiert.
Immerhin schon erstaunlich, daß man von unserem Wohnzimmerfenster aus das Feuerwerk dreier Ortschaften sieht: links, pietistisch ruhig, die alten Dusslinger, in der Mitte das deutsche und das russlanddeutsche Neubaugebiet mit Nehren dahinter, und rechts die frommen Gomaringer, wo nur die Zuzügler böllern. Offenbar ist das Bauen von Häusern billig geworden, denn die beiden Neubaugebiete hatten in der Feuerkraft deutlich die Nase vorn. Vieleicht hat man als frischgebackener Häuslesbesitzer auch besonders viele Geister zu vertreiben.
Dabei haben die Russen die anderen nochmal deutlich distanziert: Ich hab mich erst gefragt ob dort bei jemand die Wodkavorräte explodiert sind oder die Jungs doch eine Vorhut der roten Armee sind und pünktlich um zwölf zum Angriff geblasen wurde. Aber offensichtlich gehört unser Weiler auch heute noch zum freien Europa, jedenfalls macht es so den Eindruck. Auf den Schreck mußte ich dann direkt doch noch ein Gläßchen vortrefflichen Aquavits nehmen, aus der Flasche, die ich früher am Abend im Briefkasten gefunden hatte. (Nochmal danke Chris!!).
Ich lege aber Wert darauf daß ich nicht auf das neue Jahr, sondern höchstens auf die Freiheit getrunken habe und das aus gegebenem Anlaß, praktisch genauso wie ich aus Versehen das Feuerwerk gesehen habe.
Pah, Silvester.
(jawohl, dank Ulf weiß ich jetzt auch, daß man sIlvester nicht mit "y" schreibt.)

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