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Freitag, Januar 17, 2003
 
gegrillt, schweiz.

Halt, stop! Bevor jetzt alle, die sich meine Bitte um Korrektur zu Herzen genommen haben, die Tastatur wetzen, möchte ich mitteilen, daß ich "schweiz" zur Darstellung meiner postvorstellungsgesprächigen Fassung als Adjektiv verwendet habe. Ich hätte natürlich auch - in bestem Deutsch - sagen können, daß ich gestern zwei Stunden intensiv befragt worden bin, und seither nicht weiss ob ich zusagen soll.
Da lobe ich mir doch Englisch, dort läßt sich dieser Sachverhalt in zweit Worten weitaus knackiger darstellen: grilled, swiss. "swiss kenne ich erst seit ich letztens auf Alison´s webpages vorbeigesurft bin, wo sich auch the lists finden lassen: unter anderem eben eine mit Sachen "I´m swiss about" . So lautmalerisch. Nicht neutral, nicht unentschieden, nein, einfach schweiz. Man sieht vor seinem geistigen Auge Tell auf den Apfel schiessen, weil er nicht weiss ob er lieber den Vogt oder seinen Sohn umlegen soll. Alles gesagt in sieben Buchstaben und den Klang von Alphörnern im Ohr und den Käsegeruch gibts gratis dazu. Ich finde Englisch super.
Ob ich bei den Grillmeistern von gestern anheuern soll weiß ich indessen trotz aller Freuden der Schweiz noch nicht.
Vorwärts geht es indessen an der Orthographiefront:
Erst gestern haben mich wieder zwei nette Komentare erreicht. So wurde mir von einem Mitschwaben versichert, daß "deine interpunktion sehr viel besser geworden ist". Doch nicht genug der Freude, aus dem schönen Belgien haben mich zwar weder
Waffeln noch Pommes Frites erreicht, dafür aber eine tolle Solidaritätsbekundung: "...ich verbünde mich sowieso mit jedem der Rechtschreibung und Grammatik so genau nimmt wie Verona Feldbusch!". Daß ich etwas mit Verona Feldbusch gemeinsam habe eröffnet mir ganz neue Horizonte. Ich wäre aber in diesem Zusammenhang dankbar, wenn jemand dem Unsagbaren sagt, daß ich schon verheiratet bin.


Donnerstag, Januar 16, 2003
 
Manege auf!


Ich bin aufgetakelt und hab mir extra eine neue Krawatte gekauft. Ich hab meine Ledertasche mit Schuhcreme behandelt und meine Brille mit Spülmittel. Ich sehe gut aus. Nach einem leichten Mittagessen habe ich in Ruhe ein Täßchen Kaffee genommen und meine Unterlagen sortiert und verpackt. Gleich werde ich ins frischgeputzte Auto steigen, bei dem ich auch Öl- und Wasserstand und den Reifendruck geprüft habe. Ich ruhig - was soll schon passieren? Meinen Lebenslauf habe ich über die letzten Tage hundertmal auf deutsch und auf englisch heruntergebetet. Ich habe vor dem Spiegel geübt, kompetent auszusehen und mich überzeugend zu gebahren. Ich bin gut und kenne meinen Preis. Ich bin perfekt rasiert.
Ich werde nacher ruhig, gelassen und freundlich wirken, aber auch kompetent und zielorientiert.
Zumindest, wenn ich es schaffe bis vier mit zittern aufzuhören und wenn ich die Hinfahrt überlebe ohne einen Herzinfarkt zu haben oder einen Unfall zu bauen. Oder beides. Anscheinend bin ich heute nach mit geöffneten Augen im Bett gelegen. Seit ich wieder bei Sinnen bin stehe ich unter Adrenalin. Ich könnte noch joggen gehen, dann würde ich vieleicht ruhiger werden, aber nachher vergesse ich den Schlüssel und komme hier nichtmehr rein. Vorstellungsgespräch in der Jogginghose, das wäre doch mal was. Warscheinlich würde man da mehr Eindruck machen als im dezenten Sakko und Krawatte.
Ich sage einfach nix. In dem Brief stand nur daß sie einen kennenlernen wollen. Ok, Anschauen dürfen sie, und von mir aus gebe ich schriftliche Antwort. Oder ich fange einfach mit heulen an. Knallhart, ohne Gnade, vieleicht falle ich auch auf die Knie.
Vermutlich werden sie mich für gelassen halten, bis sie beim rausgehen mein durchgeschwitztes Sakko sehen, oder die Pfütze unter dem Stuhl. Oder ich singe was vor. Witze erzählen ist schlecht, nachher lacht keiner, was aber egal ist, weil sie nur auf das Haar schauen, das aus meiner Nase wächst, oder das Etikett am Sakko oder den offenen Hosenladen.

Ave Cäsar, der Todgeweihte grüßt dich und vertraut auf deine Gnade.
Abgang mit Fanfahren.
Oder wenigstens soll jemand "Sloop John B." spielen.


Mittwoch, Januar 15, 2003
 
Ich rege mich ja nicht oft übers Fernsehen auf,


dazu ist es normal nicht interessant genug. Gestern abend wars aber mal wieder soweit: in 37Grad: Jung, erfolgreich - arbeitslos berichtet Dominique Klughammer über die neuen Arbeitslosen der New Economy. Es werden vorgestellt ein Marketingleiter (Firma pleite), eine Werbechefin (Firma pleite) und der Programmleiter eines Senders (Sender pleite, er vorher entlassen. Gemeinsames Merkmal: alle haben über 100.000.- € im Jahr verdient. Allen reicht die Stütze nicht. Die Werbechefin bittet um Mitleid, weil sie nichtmehr ungehemmt shoppen kann "wie ich das früher so gemacht hab" und nicht sicher ist ob sie ihr schickes Cabriolet halten kann. Nach Auskunft des Sprechers verzichtet sie schon darauf, bei Prada zu kaufen und laufend Champagner zu trinken.
Der Herr Marketingleiter beklagt, daß er nicht im eigenen Haus wohnt momentan und man meint, es handele sich dabei um ein Menschenrecht. Der Herr Exprogrammleiter hat immerhin eine neue Firma gegründet, aber noch kein einziges Programmformat verkauft, nach drei Monaten. Er fühlt sich als Opfer. Im Hintergrund schwelgt ein heulsusiger Kommentar in Sätzen wie "nächsten Monat hat sie ihre Abfindung aufgebraucht. Wie es dann weitergehen soll weiss sie nicht" oder "alle Bewerbungen sind zurückgekommen - keine Einladung zum Vorstellungsgespräch, er weiss nicht wie es weitergehen soll".
Schnipp schnipp, ich melde mich, ich hätte noch ein paar Fragen, z. B. wieviel Stütze bekommt man eigentlich, wenn man vorher über 100.000.- € im Jahr verdient hat?
Kann man als Firma Rückschlüsse auf die Qualitäten eines Managers ziehen, wenn der nichtmal seine Stütze so managen kann, daß er am Monatsende in den roten Zahlen ist?
Wieviel Arbeitslose gibt es gerade und wieviel Stellen?
Wird das nächste Mal auch noch ein Spendenkonto eingeblendet?

Manchmal scheinen auch Katastrophen wie der Untergang der dotcoms im Rückblick irgendwie zwangsläufig.


Dienstag, Januar 14, 2003
 
Bagdad ist unser!

Hat es den Amerikanern schon jemand gesagt? Alles erledigt von unserem Kanzler, der es zwischen eidestattlichen Versicherungsterminen für Haarfarben und Ehestreitigkeiten geschafft hat, sein bestes Pferd im Stall in den Irak einzuschleusen. Fischer? Struck? Scharping-Pilati am Ende?
Nein, diese Aufgabe erfordert einen Mann, hart, mit allen Wassern gewaschen, vom Leben gegerbt. Mit einem Wort 00Wecker.
Jaja, lange Jahre unter der Tarnung "Liedermacher" unaufällig aufgebaut, mit den wichtigen Persönlichkeiten der Halbwelt aus Knastzeiten bekannt, und mit eingehenden Betäubungsmittelkenntnissen ausgestattet kann dieser Spitzenagent als wahre Meeisterleistung des BND angesehen werden. Herzlichen Glückwunsch dafür nach Pullach im schönen Isartal!
Wie "Nase Konstantin", wie er liebevoll von seinen Bewunderern genannt wird, heute morgen in einem Radiointerview verlauten lassen hat, gedenkt er, das politische System des Iraks durch das Absingen von Liedern zu stürzen. "Ich will die Leute betroffen machen", so Wecker in dem Interview.
Er wäre aber nicht die Krone unseres Geheimdienstes, wenn das alles wäre. Mittlerweile bestätigten Gerüchten zufolge wurde gestern eine größere Gruppe Hussein-Doppelgänger mit pulvergefüllten Tüten beim Überqueren der jordanischen Grenze gesichtet. Sie wollten, so die Doppelgänger, eine Künstlerkolonie auf den Golanhöhen gründen und in Zukunft für freies Kokain und freie Liebe eintreten.
Wie jetzt über Al Jazeehra bekannt wurde, verhandelt der Diktator selbst mit Afghanischen Warlords über den Kauf einer Mohnfarm im afghanischen Hinterland. Der arabische Sender zeigt ein offensichtlich authentisches Video, auf dem Hussein mit verträumten Blick verspricht er wolle "den schwarzen Afghanen wieder zu dem machen was er mal war - Qualität". Die Identität des auf dem Video kurz im Hintergrund sichtbaren Klavierspielers konnte nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Wir indessen ahnen, wer da erfolgreich in die Tasten greift.
Neue Aufträge für 00Wecker gibt es zuhauf, der nächste, hört man, soll ihn nach Washington führen, wo er bei George, Donald und Condolezza für "good vibrations" sorgen soll. Der Kanzler persönlich hat an dieser Mission ein besonderes Interesse: "dann wird der George mal bisschen lockerer im Schritt", so der Kanzler.
Sprachs und ging mit einer Packung "diamond black" ins Kanzlerbad. Ich will aber nichts gesagt haben.

P.S.: "Schwach!" wollte ich noch kurz ausrufen, bevor ich das hier abschicke und nichtmehr korrigieren darf, weil sonst der blog-reader von chris zweimal neues meldet, obwohls nur einmal neues gibt. Ein Tag vorbei und keine Fehler sind gefunden worden - anscheinend lesen hier doch nur bots mit.
Besonders wollte ich in diesem Zusammenhang mal den bot aus Belgien grüßen und mich fürs tägliche Lesen bedanken! Auch allen anderen bots, die mit mir die ersten 50 Tage überstanden haben vielen Dank! Ich bin immernoch zutiefst erstaunt, daß das was ich hier schreibe außer mir noch jemand liest ;-)

Geschriebenes ist wie mir scheint
weil es geschrieben ist auch wichtig
das ists wohl was der Leser meint
bin ich der Schreiber ists auch richtig.



Montag, Januar 13, 2003
 
Gegendarstellung

Chris und Judith legen Wert darauf, daß ich erwähne, daß sie am Schluss doch Sturm und Schnee getrotzt haben und mit uns einen vergnüglichen Abend verbracht haben. Zur Umgehung der fehlenden Winterreifen haben sie eine verwandte Limousine gekapert und (soweit mir bekannt) auch heil zurückgegeben. Erstaunlich dabei: ich habe offensichtlich Leser. Nicht daß es mich überrascht daß jemand diese Seite anschaut (dazu schaue ich zu oft die Logfiles an) aber Teilnahme und Reaktion begeistern mich immer aufs neue! Besonders wenn sie mit Lob verbunden ist!
Erst letztens hat mich zum Beispiel auch eine email von der Westcoast erreicht, die folgenden Satz enthielt:
"Du schreibst so gut und so unterhaltsam, du solltest ein Kolumne in der Zeitung haben", und schon saß ich mit stolz geschwellter Brust vor dem Bildschirm. Jawohl, persönliches Lob finde ich erhebend.
Leider ging die email so weiter: "oder beim Radio (bei Problemen mit Orthographie vielleicht vorteilhafter...)" und zum Schluss: "Am besten beim Schwabenradio oder einem Privatsender"(!)
Natürlich habe ich auch schon bemerkt, daß Blogger keine Rechtschreibkorrektur hat und ich auch nicht. Ich schlage deshalb vor, daß Ihr, liebe Leser, Euch meldet, wenn Ihr einen Fehler seht, mann lernt ja nie aus. Ich bin schon gespannt auf Eure emails und/oder Gästebucheinträge. Dann wüsste ich auchmal, ob ich nicht nur von Robots gelesen werde. Die meisten Beschwerden habe ich nämlich bisher bekommen, weil die Datei "robots.txt" nicht gefunden wurde. Besonders interessieren würde mich der Leser der ausweislich seiner Zeitzone nur in Grönland wohnen kann und wer sich in Hintersibirien deutsche Websites anschaut, wobei in diesem Fall zu vermuten ist, daß eben noch nicht alle Russlanddeutschen in Dusslingen Silvester feiern...
Also, meldets Euch, wie der Bayer sagt (der sich im Gegensatz zu Silvester ja wirklich mit Y schreibt...).


Sonntag, Januar 12, 2003
 
Lichtprobleme


Meine Schreibtischstellung ist änderungsbedürftig: Sobald die Sonne scheint, muß ich den Rolladen runterlassen, weil ich sonst auf dem Bildschirm nichtsmehr sehe. Wenn ich Nachbarn hätte, würden die sicher meinen, ich hätte einen Dauerkater oder wäre Vampir - nun, who knows?
Jedenfalls, heute morgen tut es mir weh, diese traumhafte, lichtdurchflutete Schneelandschaft auszusperren, weshalb ich den Computer jetzt wieder ausschalte und den Rolladen hochziehe. Schreiben kann ich wenns regnet, oder wenigstens später...