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Samstag, Februar 01, 2003
 
hört ihr das Alphorn überm weißen Tal?


Heute hat uns Herr Arno, seines Zeichens Hof-, Sennen- und Geisterhund, die Ehre eines ausführlichen Spaziergangs erwiesen. Als schweizstämmiger Schneekenner hat er vom Tiefschnee nicht genug bekommen können. Sein reifes Alter hat ihn nicht gehindert, herumzuhüpfen wie ein junges Reh und zwischendrin mit tiefer Schnauze vollgas durch den Schnee zu fräsen.
Wir kennen jetzt auch von hier bis zwei Ortschaften weiter jeden Baum und Strauch, der in der hiesigen Hundegesellschaft eine Rolle spielt. Weiterhin habe ich fünf beschnupperten Spaziergängern mehrfach versichert, daß der Hund nichts tut und nur spielen will. Dreimal hat Herr Arno ob des Anblicks eines Dackels ausprobiert, ob er nicht doch stärker ist als ich, und jedesmal haben meine Frau und er beschlossen, daß diese kleinen Kläffer aber auch unmöglich sind, vorlaut, schlecht erzogen und provozierend.
Wir haben auch ein Postauto und ein Mofa verbellt und im Neubaugebiet an jedem Küchenfenster genüsslich geschnuppert. Danach sind wir weiteren Dackelvorkommen weiträumig ausgewichen und haben die Aussicht aufs verschneite Albvorland genossen, wobei wir versucht haben, Spaziergänger, Postautos und Mofas frühzeitig zu bemerken. Die Spur einer Herde Schafe haben wir dann auch noch gefunden, außerdem die Reste eines toten Vogels, einige Stöcke und seltsam riechende Erdschollen. Wir haben KEINEN Schnee gefressen, weil Hunde davon Bauchgrimmen bekommen.
Dann sind wir in elegantem Trab an einer Hundedame auf der anderen Straßenseite vorbeigeschwebt. Wir haben nochmal KEINEN Schnee gefressen. Dafür haben wir einige Bienenstöcke beschnuppert und von weitem wieder unseren Hof gesehen. Wir haben nochmal KEINEN Schnee gefressen und auch NICHT in Nachbars Garten geschissen. Dafür aber aufs eigene Feld und das ergiebig. Wir haben wieder KEINEN Schnee gefressen, dafür aber nicht weit weg eine Herde Rehe gesehen, die wir standesgemäß verbellt haben. Dann haben wir nochmal KEINEN Schnee gefressen und sind NICHT auf dei netten Leute, die uns entgegenkamen, zugestürzt um zu schnuppern. Wir wissen jetzt auch, daß BRAVE Berner Sennenhunde NICHT auf nette Leute zustürzen, auch wenn die Leute interessant riechen. Dafür sind wir nochmal im Tiefschnee rumgehopst, haben uns gewälzt, ausgiebigst geschüttelt und dann, als einen Moment lang keiner geschaut hat - haben wir Schnee gefressen.

Zuhause ist Herr Arno dann würdevoll in seinen Zwinger geschritten und hat sich zur Ruhe niedergelegt. Nach seinem verträumten Blick zu schließen träumt er von Schnee, Sennerinnen und Alphörnern fern über einem verschneiten Tal, vermutlich kombiniert mit einem fürstlichen Mahl und verschiedenen interessant riechenden Bäumen. Ich musste auch erstmal ein Nickerchen machen.
Ich hab von einer Hundeschule geträumt.


Freitag, Januar 31, 2003
 
historisch bedingt

Zitat aus einem Spiegel-Online-Artikel über deutsche Friedensaktivisten im Irak:

/Zitatanfang
"Nicht, um ein Regime zu unterstützen, sondern um etwas für die Menschen zu tun, die nichts für ihre schlimme Lage können und mit einem Krieg noch mehr bestraft werden sollen", begründet Ibrahim seine Aktion.
/Zitatende

Ich frage mich mehr und mehr, ob in Deutschland die Leute meinen, die Iraker könnten nichts für Hussein, weil die Deutschen es in den letzten Jarhunderten auch nicht geschafft haben, mal eine erfolgreiche Revolution anzuzetteln. Das ist direkt peinlich. Selbst 1848 hat ein Gschmäckle, insbesondere wenn man sich die letzten Überbleibsel in Form der Verbindungsbrüder anschaut. Im Gegensatz zu Schweizern, Franzosen oder - eigentlich allen anderen haben wir als Nation eigentlich nie brauchbare Ergebnisse erzielt, außer vieleicht daß wir ab und an Fußballweltmeister geworden sind, aber das halt auch mit Leuten wie Vogts und Mathäus.
Immer brav gedient bis zum Ende, ob im dreissigjährigen Krieg, für Gott Kaiser und Vaterland oder den Führer. Und bekanntlich ist es ja nachher immer keiner gewesen, und alle haben es auch vorher gewußt.
Husch, habe ich da das Wort Kadavergehorsam gehört? Nicht doch!
Treu zu dienen ist eine Tugend! Nicht umsonst haben wir Beamte, allgemeine Wehrpflicht und die Hand- und Spannpflicht in der Gemeindeordnung. Vermutlich fühlen wir uns mit Leuten, die zwar nix zu fressen und keine bürgerlichen Rechte haben, aber trotzdem für einen korrupten autoritären Sack mit gefärbten Haaren in den Tod gehen wollen, seelenverwandt.
Der, der da in der letzen Reihe gerufen hat, daß er auch jemand kennt, der die Haare färbt, raus! Wir können uns als kleine Website keine Prozeßkosten erlauben!

Dunkel neigt sich die Nacht über schwarze Gedanken wie friedliche Schläfer.
Ich mag die Nacht, weil selbst die Schreier ruhig sind, wenn sie schlafen.


 
fiat lux!

Wohlan sprach Gott,
es werde Licht
doch leider funktionierte
der Schalter nicht

so zündete er
ein Feuer an
und hob es auf die Himmelsbahn

Es gibt schon lang am Himmel oben
Mehr Licht als alle Leuchtdioden
Kostenlos ist es dabei
daneben auch noch wartungsfrei.

Und die Moral der Sach´ ist klar:
Von Microsoft der Schalter war
Und was mechanisch ist getan
Das fange nie elektrisch an.


Zeit, daß es Wochenende wird!


Donnerstag, Januar 30, 2003
 
good morning snow!



[01/31/03 - good morning snow]



 
Dagegen! e.V.


In der Hitze einer Diskussion war es, als es Rolf es mir gesagt hat. Nachdem ich darauf hingewiesen hatte, daß ich selten die als "Pommes Frites" bekannten, gebratenen Kartoffelstäbchen verzehre und daher keine akute Gefährdung meiner Gesundheit sehe, weshalb ich auch nicht gegen den weiteren Verkauf dieser Spezialität bin, sagte Rolf: "Du bist ja gegen nichts!".
Schlagartig herrschte in der Runde betretenes Schweigen, das ich zu brechen suchte, indem ich vorschlug, man könne ja gegebenenfalls auch freiwillig auf Pellkartoffeln umsteigen. Es hat nichts geholfen, nach einigen mühsamen Versuchen, das Gespräch wieder ins Laufen zu bringen, gingen wir heim. Noch immer spüre ich die stechenden Blicke im Rücken.
Auf dem Heimweg ist uns aufgefallen, daß außer uns eigentlich jeder in unserem Umfeld gegen etwas ist: Horst und Gabi sind gegen die Mobilfunkantenne auf dem Fitnessstudio. Lars und Andrea sind gegen die neue Ortsumgehung. Astrid ist gegen Panzer und Raketen und hat Ewald auf einer Demo gegen das Großkapital kennengelernt. Jochen und Heidi sind gegen die Verweltlichung der Gesellschaft und gegen die Abschaffung des Schulgebetes. Mein Berater auf dem Arbeitsamt ist gegen unseren Kanzler, der widerum ist gegen George, weil der was gegen Sadam hat, der bekanntlich gegen den Westen ist.
"Die einzigen die gegen nichts sind, sind wir", hat meine Frau gesagt, "das kann so nicht weitergehen".
Wir haben es uns nicht leicht gemacht, "denn", so habe ich argumentiert, "wir wollen ja nicht gegen irgendwas sein". Ich hätte nicht gedacht, daß es so schwierig ist, da was zu finden, und nicht nur weil mir die Erfahrung fehlt: Anfänglich überlegte Alternativen wie "gegen den Krieg" oder "gegen den amerikanischen Imperialismus" brachten nicht den erwünschten Profilgewinn, da regelmäßig Fragen wie "sind wir das nicht alle?" zurückkamen.
Gegen Sadam Hussein, die Palästinenser oder die Atomwaffen der Nordkoreaner zu sein, führt zum Verlust sämtlicher linksbürgerlicher Bekannter, was zwar nicht weiter schlimm wäre, aber einer leiht uns immer sein Auto aus. Gegen die Rechten, Liberalen und Reichen zu sein, kann ich mir nicht erlauben, solange ich noch einen Job suche und eventuell darauf angewiesen bin, daß ein Rechter, Liberaler oder Reicher mich einstellt.
Auf Vorschlag meiner Frau besuchten wir mehrere Veranstaltungen von Bürgerinitiativen, konnten aber für die Aufnahme nicht glaubhaft genug vermitteln, gegen die Ortsumgehung, den Bundesbahnfahrplan oder veränderte Kennzeichnungen an Joghurtbechern zu sein. Irgendwann kam mir dann die rettende Idee: "Ich bin eigentlich gegen alles", habe ich zu meiner Frau gesagt. Zwei Wochen später wurde Dagegen! e.V. ins Vereinsregister eingetragen.
Laut unserer Satzung beschäftigen wir uns "mit der Pflege des Bedekenträgertums in Reinform", insbesondere damit, "durch gezielte Auswahl der Themen und Mittel die Ästhethik des Protestes neu zu definieren.".
Nicht solche profanen Aktionen wie langweilige Demonstrationen oder Flugblattverteilen im Strickpulli. Wie Horst, unser Pressesprecher es letztens so schön gesagt hat muß Gegnerschaft heute "ein Event sein, ein Ereignis das bewegt und nachdenklich macht im Herzen". Daraufhin hat sich überigends gestern die Kampa der Nidersächsischen SPD gemeldet und gefragt, ob sie den Satz verwenden kann.
Thematisch sind wir auch schon voll eingestiegen. Auf der Suche nach unverbrauchten Zielen haben wir uns dafür entschieden, Bekanntes weiterzuentwickeln und Neues zu entdecken.
Im Gesundheitsbereich haben wir zum Beispiel ein Plakat mit dem Titel "Wir sind nicht nur gegen Aids sondern haben auch bei anderen Krankheiten Bedenken" entworfen.
Unser Vereinszoologe sucht momentan im brasilianischen Regenwald nach unentdeckten Tierarten, gegen deren Ausrottung wir uns aussprechen werden.
Ich als gesellschaftspolitischer Sprecher habe die junge Familie als Thema endeckt: In einer Gesellschaft, in der es immer mehr Singles und Alte gibt, wundert mich, daß darauf noch keiner gekommen ist. Wir sprechen uns gegen unerzogene Kinder im Supermarkt, pinkelnde Kinder im Hallenbad und heulende Kinder in der Kirche aus, außerdem auch gegen Nahkampfkinderwagenschieberinnen und Passatkombifahrer. Letztens habe ich ein Sit-in mit Champagnerfrühstück gegen den täglichen Stau vor dem Kindergarten angeführt.
Ich kann nichtmehr verstehen, wie ich jemals gegen nichts sein konnte. Ich muß so gedankenlos gewesen sein, gutgläubig, vermutlich auch noch Optimist oder noch was Schlimmeres. Mittlerweile lachen wir über solche Leute am Vereinsstammtisch. Wo bitte wäre die Welt ohne Bedenkenträger? Ist e es nicht gerade unsere Gegnerschaft, stetig, beharrlich und nicht ohne Schärfe vorgebracht, die uns voran bringt?

Dementsprechend gelassen stehen wir auch den einigen wenigen gegenüber, die öffentlich den Zweck unseres Vorgehens bezweifeln. Die behaupten, wir wären Miesmacher und immer nur negativ. Das ist doch typisch deutsch: Kaum setzt man sich ein, organisiert, stellt was auf die Beine, und schon ist einer da dem es nicht passt. Unglaublich.


Dienstag, Januar 28, 2003
 
kurz bemerkt


nachdem uch jetzt etwa hindertmal versicht habe, duese Tastarue trotz fehlender Tastenbeschriftungen zu verwenden, gebe uch schweren Herzens für heute qauf, jedoch nucht, ohne festzustelle., daß auf duesem Computer offensuchtlich Sachen geschrieben werden, due eher Us, Is (aha, huer also!), Ns ind ,s enthalten, als As, Ss und Ds - aich interessant...


Montag, Januar 27, 2003
 
Warten auf Godot


tue ich zwar nicht, dafür warte ich aber bis mir jemand Bescheid sagt. Der jemand wartet aber auch, bis ich Bescheid sage, und wird nicht Bescheid sagen bevor ich es nicht getan habe. Ich kann aber, wenn ich auch gespannt bin, wie ein Flitzebogen, nicht sofort Bescheid sagen, weil es sonst so aussähe, als ob ich dringend darauf warten würde, Bescheid zu bekommen. Insofern hat nicht nur das Vorstellungsgespräch selbst, sondern auch die postgesprächliche Phase ihre Tücken. Ich hoffe nur, daß, wenn ich nach einer angemessenen Zeit Bescheid gebe, auch die Gegenseite in einer angemessenen Zeit Bescheid gibt, auch weil meine liebe Mamma sonst noch eine Herzattacke bekommt.
Ich entstamme nämlich einer Familie, die die schwäbische Arbeitsmoral hochhält, nach der "wer nix schafft au nix isch". Deshalb ist es für meine Mamma ein absolut undenkbarer Zustand, arbeitslos zu sein, wobei auch Verweise auf Gartenarbeit, Kochen, Putzen (an dieser Stelle lacht meine Frau) und sonstige häuslichen Tätigkeiten nicht helfen, weil "des mach mr jo nebaher". Daneben eignet sich die Arbeitslosigkeit der eigenen Kinder in Schwaben als Gesprächsthema etwa ebensogut wie Geschlechtskrankheiten oder selbstverschuldeter Schimmel im Wohnzimmer. Immerhin muß ich mich in diesem Zusammenhang bei meinem Kanzler bedanken, der die Schuld auf sich nimmt, oder mindestens aufgeladen bekommt (eher letzeres - messianischer Opferwille ist Schröder vermutlich fremd). Meine Frau Mamma ist ja jetzt auch in der schlechteren Position: während ich immerhin am Telefon selber sagen kann daß ich im Ernstfall auch umsonst arbeite und nebenher dem Chef noch Samstags den Rasen mähe, kann meine Mutter nur bei mir anrufen und mir sagen, daß ich sagen soll, daß ich im Ernstfall auch umsonst arbeite und nebenher dem Chef noch Samstags den Rasen mähe. Und wie wir ja alle wissen machen Kinder nie was man ihnen sagt!
Nun denn, bescheiden warte ich bis ich dann Bescheid sagen darf - bis dahin bescheide ich mich damit bescheiden zu sein. Wo kämen wir sonst auch hin?


Sonntag, Januar 26, 2003
 
kurz bemerkt:


VISITS
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"Was", frag ich in stillen Stunden,
"hat die Leute hergeführt?"
Pleiten? Pannen? Kommafehler?
Ach, was solls, ich bin gerührt!

:-)) Thanx a lot!!