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Freitag, April 25, 2003
Draussen vor dem Fenster ist heute Traktorparade angesagt. bei den hunderten von PS, die unser Haus umkreisen, geniere ich mich, mit meinem stinkigen Elektromäher in den Garten rauszugehen. Aber wat mut dat mut - so hart kann das Leben sein. Einen Vorteil wenigstens hat der Elektrorasenmäher: Mähen bei Regen ist verboten, was aber heute auch nicht hilft. Carbonara muss ein wichtiges Wort in der italienischen Sprache sein, oder Herr Ramazotti ist pastafixiert. Jedenfalls singt er jedesmal, wenn ich ihn zufällig im Radio höre, Texte, die "Carbonara" enthalten. Donnerstag, April 24, 2003
Das Gute am schönen Wetter ist allseits bekannt, das Schlechte am schönen Wetter ist, daß ich nicht nur das Unkraut, sondern auch das Gras wächst, weshalb ich wohl morgen Rasenmähen muss, was mit der richtigen Ausrüstung ja Spass machen kann - aber mit unserem stinkigen Elektrorasenmäher... Mittwoch, April 23, 2003
Zwangsläufig Die Wette hätte sich nicht gelohnt: Auf dem Heimweg hat es geschüttet wie aus Kübeln. Aber ich habs ja vorher geahnt, was rede ich gewußt - I´m a worst-case-man... Jetzt gehe ich raus und der Himmel ist wolkenlos - mal sehen ob es heute gut geht. Dienstag, April 22, 2003
Wenn nun... ...ein PDS-Minister Bush und Hussein auf die gleiche Stufe stellt, könnte man sich fragen, weshalb Andere zwischen PDS und SED differenzieren - nur so überlegt... Der Uli, ein sonderbares Wesen Wer wettet dagegen, dass es, wenn ich jetzt mit dem Roller zum Schwimmbad fahre, spätestens auf halber Strecke wieder mit schütten anfängt? Eben. Keiner. Und trotzdem bin ich so blöd und fahre. Osteranalyse An Karfreitag habe ich eine Waschmaschine durch die Gegend getragen und in netter Gesellschaft Gugelhupf gegessen und Kaffee getrunken. Dabei habe ich mir auch erklären lassen, dass das reiten eines Araberhengstes, der übrigens wahrscheinlich schwul ist, sich für den Erzähler als so einfach wie Autofahren erwiesen hat, außer dass man nicht nach rechts oder links dreht, sondern entsprechend zieht. Zur Notbremsung dient bei Pferden offensichtlich ein herzhafter Biss ins Ohr, wobei ich mir seither überlege, wie man das im vollen Galopp anstellt. An Karsamstag habe ich kiloweise Spargel gekocht und zugeschaut wie der Vorbesitzer meines Rollers mit diesem nach dem zweiten Viertel Wein solange um den Schweinestall gekurvt ist, bis der Bauer herausgekommen ist. Sonntag haben wir mit Frankfurter Kranz, Feiertagsgeschirr, netten Gesprächen, wilden Diskussionen bis an die Streitgrenze und einem Teller Kuchen zum Mitnehmen hinter uns gelassen. Und jemand hat – zu Recht – behauptet, ich hätte eine indifferente Meinung zum Irak Krieg. Das liegt daran, dass die Demonstranten und Kriegsgegner, die ich kenne, ein etwa so differenziertes Denken an den Tag legen, wie die amerikanische Regierung und die arabische Nation. Ich weiß auch nach Ostern nicht, warum ich mit Leuten, die gegen Juden sind und Leuten, die gegen Amerikaner sind, und Leuten, die allgemein für den Frieden sind, und Leuten, die im speziellen Fall für den Frieden sind und Leuten die gegen so einen Krieg sind und Leuten, die demonstrieren gut finden, und Leuten die eigentlich auf eine andere Demo wollten, oder auf Schlägereien hoffen, auf einen Platz hinstehen soll und wir tun dann alle so, wie wenn wir für das Gleiche da stünden. Außerdem decke ich einem Kanzler, der viereinhalb Millionen Arbeitslose im Regen stehen lässt, nicht den Rücken, dazu war ich selbst zu lange arbeitslos. Vielleicht fehlt mir aber auch das Zeug zum Bedenkenträger, was in diesem unserem Lande wohl ein schwerer Charakterfehler ist. Ich werde mir Herrn Scholl-Latour oder Frau Engelen-Kefer künftig als Vorbilder nehmen. Dem schicke ich aber noch ein überzeugtes „Vielleicht“ hinterher, damit es indifferenter wirkt. Dafür habe ich mich um was gekümmert, mit dem ich mich mehr auskenne und die Streuobstwiesen unserer Familie besichtigt. Sobald ich einen näheren Verwandten ans Telefon bekomme kann ich, auf diese diesjährige Erstbesichtigung bezugnehmend, behaupten, dass es dieses Jahr viel Obst geben wird. Schon meine selige Oma, an die ich jedes Mal denken muss wenn ich zu den Wiesen gehe, hat ab spätestens Mai jedem besorgt erzählt, dass es dieses Jahr viel Obst geben wird. Ich befolge mich mit dieser Aussage also eine alte Familientradition. Ob es wirklich viel Obst gibt dieses Jahr wissen wir dann im Oktober, nach der Ernte. Am Montag hat keiner außer mir gewusst, dass das Hallenbad trotz Feiertag geöffnet ist, weshalb ich mit dem Bademeister allein war. Allein ein 25m-Becken für sich zu haben, ist ein außerordentliches Vergnügen, auch wenn mich der Herr Bademeister natürlich wieder einen Gruß ausrichten lassen hat. Insgesamt also mal wieder rundum saubere Ostern, auch wenn ich im Garten trotz intensiver Suche keine Eier gefunden habe. Samstag, April 19, 2003
Korrekturhinweis Nach einem dankenswerten Hinweis von Ulf stimmen hier jetzt auch die Links nach hier und hier. Neue Erfahrungen Das Ostern, wie alle wichtigen kirchlichen Feste, ob der saisonüblichen Feierlichkeiten im Familienkreis relativ anstrengend sein kann, habe ich ja gewußt. Aber daß ich an Karfreitag dieses Jahr eine Waschmaschine und ein Sofa drei Stockwerke hoch um Osterdekorationen und überraschte Mitbewohner schiffe, ist neu. Abgeholt haben wir die Sachen in einem tiefergelegten, breitbereiften Kleinbus mit verdunkelten Scheiben. Ich bin mir deshalb ziemlich sicher, daß alle die uns beobachtet haben, meinen, daß wir die Sachen entweder gestohlen haben, oder eigentlich nur zur Tarnung dabei hatten um unsere wahren Intentionen zu verbergen. Falls ich jemals wieder das Vergnügen habe, diesen Bus zu fahren, werde ich mit Sonnenbrille, schwarzer Krawatte und nach hinten gegeltem Haar fahrzeuggemäß ausstaffiert sein. Es hat sich aber im karfreitäglichen Verkehr auch so schon keiner getraut uns nicht rein- und vorzulassen. Das nenne ich Respekt! Da kommt mehr Stimmung auf als beim schnöden Ostereieressen am sonntäglich aufgetakelten Familientisch! Wenn jetzt heute abend noch die Spargel was werden, und der Besuch nicht allzusehr über die Ländlichkeit unserer Behausung lästert, dann kann ich schon vor Montag von rundum sauberen Ostern sprechen... Donnerstag, April 17, 2003
Pflegearbeiten hatte diese Site nötig, weshalb ich soeben den Nachmittag trotz stabiler Schönwetterfront vor dem Computer verbracht habe. An sich bin ich schon blöd, aber gut. Das Resultat sind einige jetzt richtig eingestellte Schriften und Größen, vor allem aber neue Einträge hier und hier. Viel Spaß beim Lesen! Mittwoch, April 16, 2003
Frühlingsweisheit Linde Lüfte lau sich legen auf die Lande wie ein Segen küssen wach dort Baum und Strauch und das Unkraut leider auch. Dienstag, April 15, 2003
Schade eigentlich, dass die Linken mehrheitlich nicht FAZ lesen - sie verpassen heute im Feuilleton einen klugen Artikel von Hans Magnus Enzensberger zum Irak-Krieg. Montag, April 14, 2003
Heute im Zug Rentner, die beige Schuhe tragen. Ein paar schnurrbärtige Alkoholiker mit Krawatten und Nappalederjacken und selbsttönenden Brillen, die am Regierungspräsidium aussteigen. Selbstgerechte Mütter mit nervigen Kindern Ein Haufen Männer, die in ihren Anzügen weder jung, noch dynamisch oder erfolgreich aussehen. Frauen, die versucht haben, ihre Müdigkeit wegzuschminken. Über allem ein Gemurmel von was man am Wochenende so gemacht hat und was man sich diese Woche nicht bieten lassen wird. Es ist Montagmorgen. Immerhin soll das Wetter schön werden diese Woche. Samstag, April 12, 2003
Im Schweiße des Angesichts Mühsam kann das Putzen sein schwitzig der Weg zum sauberen Heim Doch wenn ich winere und feg´ ist ja nicht das Ziel der Weg - am Ende in Glanz die Wohnung scheint während der Putzer seltsam reimt. Freitag, April 11, 2003
Vier kleine Tipps zur Taktik Deutschland ist kleingeldfixiert. Ohne passende Münze besteigt man hier weder eine S- noch eine U-Bahn, riskiert einen Strafzettel weil man keinen Parkschein bekommt und muss im Hallenbad seine Kleider der Öffentlichkeit preisgeben. Insofern kann ich die Aggressivität des Mannes, der vorher neben mir am Brezelstand stand durchaus verstehen. Nachdem ihm sein Handeln und Wirken leider nicht zum Erfolg in Form von Münzgeld verholfen hat, möchte ich ihm an dieser Stelle einige Tipps für zukünftige prekäre Verhandlungssituationen geben. 1) Überlege bevor Du fragst. Ein Brezelverkäufer hat sein Kleingeld, weil er Brezeln verkauft, und eine Butterbrezel 80 Cent kostet, weshalb er typischerweise 0,20 €, 4,20 €, 9,20 € oder 19,20 € rausgeben muss. Wenn der Brezelverkäufer kein Wechselgeld mehr hat, dann verkauft er an alle die keine 0,80 € passend haben, keine Brezeln mehr. Er wir deshalb tendenziell dazu neigen, nur Wechselgeld an Leute herauszugeben, die zumindest eine Brezel bei ihm kaufen und nicht an Leute die 20 € gewechselt haben wollen, ohne etwas zu kaufen. 2) Höre zu. Der Beruf des Brezelkäufers ist hart und nicht besonders angesehen. Trotzdem oder gerade deshalb bietet es sich an, Menschen, die so ihr tägliches Brot und das Studium ihrer Kinder verdienen, Respekt entgegenbringen. Es bietet sich deshalb an, davon auszugehen, dass auch ein Brezelverkäufer meint, was er sagt. Spätestens nach dem abschlägigen Bescheid auf den dritten Versuch, 20 € gewechselt zu bekommen, ohne eine Brezel zu kaufen, ist es deshalb sinnvoller, die Sache anders anzugehen. Der Brezelverkäufer könnte sonst auf die Idee kommen, man halte ihn für blöd. 3) Überlege was Du sagst. Soweit man nach Berücksichtigung von Punkt 2) zu der Überzeugung gekommen ist, dass die Sache anders angegangen werden muss und einem der Brezelverkäufer aufgrund der in 2) am Ende angesprochenen Problematik nicht mehr bedingungslos freundlich gesonnen ist, sollte man dafür sorgen, dass der Brezelverkäufer den Taktikwechsel nicht als solchen versteht. Sätze wie „Also gut, dann kaufe ich halt was, ich nehme das Billigste was sie im Sortiment haben“, erweisen sich in diesem Zusammenhang als äußerst kontraproduktiv, insbesondere, wenn sich das Sortiment auf Brezeln beschränkt. 4) Denke an die Zukunft. Auch wenn es mal nicht klappt mit dem Wechselgeld, sollte man sich im Blick auf zukünftige Wechselversuche und Brezelkäufe vor unbedachten Äußerungen der eigenen Meinung im Bezug auf Deutschland, Schwaben, Brezeln und die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen zurückhalten. Ansonsten darf man sich über im Gegenzug abgegebene Versprechen, dass man „Ihnen nicht mal was verkaufen würde, wenn sie hundert Brezeln nähmen“, oder den Tipp, sich „einen anderen Dummen“ zu suchen, nicht wundern. Am Besten, wäre es gewesen, am Anfang zu berücksichtigen, was der Brezelverkäufer am Ende gesagt hat: „Isch der blöd? I ben doch koi Bank, I ben an Brezlschtand!“ Donnerstag, April 10, 2003
Jesus @ Haltestelle Schwabstraße Ich begegne ihm jeden Morgen, wenn ich die Rolltreppe aus der U-Bahn hochfahre. Er ist immer auf eine verstaubt-elegante Art gekleidet: Dunkler Anzug, Krawatte, Weste, darüber ein heller Mantel, je nach Wetterlage offen, oder zugeknöpft. Über dem eleganten Krawattenknoten wallt, oder besser zottelt ein langer, aber zerfahrener, und deshalb eher wild als beeindruckend zu nennender Bart, dessen früheres Schwarz einem gesprenkelten Grau gewichen ist. Der Bart umschließt ein eckiges Gesicht, einen breiten Mund, der von vollen Lippen umrandet wird, darüber eine mächtige Nase, eher mit Nüstern als mit Nasenlöchern versehen, tiefschwarze Augen, und sehr buschige Augenbrauen, die im Gegensatz zum Bart ihre tiefschwarze Farbe behalten haben. Die Haare passen wieder eher zum Anzug, leicht angegraut, hohe Stirn, mit Pomade sorgfältig nach hinten gekämmt. In der rechten Hand hält er einen Stock aus dunklem Holz mit gravierten Silberbeschlägen. Seine Schuhe sehen bei jedem Wetter blank poliert und sauber aus, scheinen aber wie auch seine Kleider, schon älter zu sein. Die Spitzen der Schuhe haben abgeschabte Stellen. Das liegt daran, wie er läuft, eher: schlurft, denn er kann offensichtlich seine Beine nicht mehr heben. So verlagert er bei jedem Schritt bedächtig sein Gewicht, und schiebt den entlasteten Fuß jeweils nach vorne, langsam aber stetig kommt er so voran. Ich habe noch nicht wirklich herausgefunden, wie er es schafft, die Rolltreppe zu betreten und auch zu verlassen. Aber offensichtlich schafft er es, ich habe ihn schon öfter fahren sehen. Manchmal entschließt er sich aber auch, die konventionelle Treppe hinunter zu laufen. Das Laufen strengt ihn wohl sehr an, auch bei kaltem Wetter stehen ihm Schweißperlen auf der Stirn. In seinem Blick brennt Feuer, ein eiferndes, heiliges Feuer. Seine angemessene Kleidung wäre, da bin ich sicher, ein Talar, ein Kaftan oder ein Priestergewand, sein natürlicher Aufenthaltsort eine Kanzel. Ich habe ihn noch nie reden gehört, aber ich bin sich, dass er eine laute, tiefe, gehaltvolle Stimme hat. Jeden Morgen warte ich darauf, dass er auf der obersten Stufe stehen bleibt, sturmumtost in der Zugluft, die von unten kommt, sich mit der Hand durchs Haar fährt, wild blickt und dann mit donnernder Stimme anfängt zu predigen. Und wir alle, die wir mühselige und beladene S-Bahnfahrer auf dem Weg zur Arbeit sind, werden gebannt zu ihm aufschauen und atemlos, voller Erwartung zuhören. Stattdessen setzt er seinen Weg abwärts fort und steigt in die U-Bahn Richtung Stadtmitte. Vielleicht predigt er nicht in den Außenbezirken. Vielleicht zieht es ihm auch zu sehr im U-Bahn-Schacht. Mir übrigens auch. Oder seine Stunde ist noch nicht gekommen. Ich grüße ihn jedenfalls immer freundlich, man weiß ja nie. Nachkriegsfragen Wie viele bedauern heimlich, dass die Alliierten gewonnen haben und dann auch noch schnell? Wie vielen stinkt es, dass die arabische Volksseele anscheinend doch einfacher strukturiert ist als man meint? Wie viele hoffen hämisch dass man kein Giftgas und keine Atomwaffen finden wird im Irak? Dass wenigstens die Nachkriegsordnung kompliziert wird? Wer wertet das Kriegsende als Anfang einer neuen Zeit? Als Geburtsstunde einer neuen Macht? Wie viele Terrorzellen werden gerade gegründet? Mit seltsamen Allianzen, versteckten Gedanken und schwarzen Motiven hat der Krieg angefangen, und sie bleiben, während er langsam im Sande verläuft. Mittwoch, April 09, 2003
Dienstag, April 08, 2003
Pausenkunst [3] Seine Fleischküchle so zu verzehren, dass alle Kollegen Lust darauf bekommen, und dann nichts abzugeben, das ist auch eine Kunst. Montag, April 07, 2003
Lohn der Mühe: Fleischküchle und die Vergänglichkeit des Genialen Zu blöd, wenn man erst Hackfleisch einkauft und dann Pizza macht zum Abendessen. Mir hat dieser kleine Irrtum am Samstagabend eine lauschige Stunde an der Pfanne beschert: Aus Haltbarkeitsgründen wollte das Hackfleisch trotz fehlenden Hungers noch verarbeitet werden. Eine Dose voller leckerer Fleischküchle, die außerhalb des gelobten Ländles ja auch gerne Buletten oder Fleischpflanzerl genannt werden, sind das erfreuliche Resultat dieser Mühen. Genau betrachtet bemerke ich den wahren Geschmack dieser Köstlichkeiten erst, seit sie im Kühlschrank parat liegen und nicht mit Soße oder Senf, sondern – ganz spontan und ohne Beilagen – aus der Hand gegessen werden. Für die geniale Balance zwischen, Salz, Pfeffer und Muskatnuss klopfe ich mir bei jedem Biss auf die Schulter, wohl wissend, dass bei der Dosierung neben Intuition und Erfahrung auch ein Quäntchen Glück im Spiel war. Ebenso wichtig für das Geschmackserlebnis ist die Konsistenz: Herzhaft im Zubiss, innen locker und keine fühlbaren Zwiebel- oder Brotstücke, so muss es sein, geschaffen durch feinstes Zwiebelschneiden, bestes Bauernbrot, das fachmännisch in schwäbischer Milch eingeweicht und von Hand ausgedrückt wurde und die guten Landeier von freien Hühnern. Inwieweit es eine Rolle gespielt hat, dass die Fleischküchle samstagabends zwischen zehn und elf gebacken wurden, kann ich noch nicht in aller Genauigkeit beantworten. Um aber keine Risiken einzugehen habe ich schon innerfamiliär just diese Samstägliche Abendstunde zur Fleischküchlesbackzeit erklärt. Leider wurde schon am Sonntag in gleicher Angelegenheit von anderer Seite eine Richtlinie für die Einführung eines wohnungsweiten Fleischküchlesnachtbackverbotes erlassen. Als Begründung wurde insbesondere die Geruchsbelästigung, die sich aus technischen Gründen nicht auf die Küche begrenzen lässt, angeführt, aber auch, dass in Schwaben samstags um sechs gebadet und dann vor Montag nicht gearbeitet wird. Verhandlungsbereitschaft wurde bezüglich des Nachtbackverbotes nur für Sonntagskuchen signalisiert, was dazu führt, daß es vorbehaltlich der Rechtswidrigkeit der Regelung, schlecht für die weitere Produktion der Köstlichkeiten aussieht. So verbinde ich seither jeden Bissen mit dem Bewusstsein, dass alles vergänglich ist, wobei diese Vergänglichkeit jedem Küchle eine romantisch melancholische Note verleiht, die den Genuss wohltuend abrundet. Es sind noch vier übrig. Nein, ich gebe keines ab. Sonntag, April 06, 2003
Ins Postfach geflattert und der Veröffentlichung für wert befunden: "Ahoi Ulli, hier liefere ich Dir meinen Flyer, unfertig wie er ist. Vieles darin ist zuviel, anderes fehlt. Doch schlummert in diesen Blättern, was ich anbieten könnte. Die Abfolge berücksichtigt die spätere Faltung. Gute Tage und Nächte wünscht Dir der Horst" Samstag, April 05, 2003
Samstagsüberraschung es blühen erste Osterglocken und Krokusse und Löwenzahn am Donnerstag schenkte mir einer Wintersocken und heute kommt der Frühling an. Freitag, April 04, 2003
Lebende Mythen Es gibt sie, die Leute, von denen man hört, aber das Gehörte als erfunden, oder bestenfalls wild übertrieben abtut. Die Männer die einmal in fünf Jahren von ihrer Exfrau verführt werden, mit dem (auch erreichten) Zweck durch ein weiteres Kind auch weiterhin für deren Lebensunterhalt aufkommen zu müssen, und die sich dann noch auf das Kind freuen. Die hochintelligenten Menschen, die es zu nichts bringen und die Dummen, die reich und berühmt werden. Die ehrlichen Versicherungsvertreter und die Polizisten, die noch nie einen Schnurrbart getragen haben. Die Mantafahrer die wirklich eine Friseuse als Freundin haben. Den Frauenkegelclub der am Wochenende nach Frankfurt zu "Chippendales"-Show fährt, mit der Clubvorsitzenden, die die Piccolos zuhause gelassen hat. Zweifel? Ich empfehle einen Abend in der Bahnhofskneipe oder eine morgendliche S-Bahnfahrt. Mittlerweile komme ich zu der Überzeugung, dass das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit ist, dass man nicht dahin kommt, wo die Leute sind. Wo die Leute sind, sind die Geschichten. Und, um mal Bap zu zitieren, über allem liegt ein Duft von Katzenpiesel und Jasmin. Habe ich schon erwähnt, dass heute Freitag ist und Frühling und es allerorten blüht? Donnerstag, April 03, 2003
Merket die Zeichen! Wenn ich im Tran vergesse, Wasser in die Kaffeemaschine zu füllen, sollte mir das eine Warnung sein. Folgerichtig hat es prompt als ich auf den Roller steigen wollte mit schneien angefangen. Also habe ich mich entschlossen, im Auto mitzufahren. Ab der ersten Kreuzung war Stau. Deshalb habe ich natürlich den Zug verpasst, und zwar auf die harte Tour: Ich war gerade die Treppe zum Bahnsteig hoch gerannt, der Zug stand noch da, aber die Tür ging nicht mehr auf und der Zug fuhr langsam und bedächtig los. Ich stelle mir immer vor, dass das die erste Freude eines Lokführers am frühen Morgen ist. Irgendwann steige ich mal bei einem der Freunde vorne ein und rede mit ihm ein erstes Wörtchen über Verspätungen, Sadismus und meine Verachtung für beamtenähnliche Quasibusfahrer. Natürlich gab es für die Warterei auch noch Kälte und ein Begleitunwetter. Immerhin – der Brezelkauf hat soweit reibungslos funktioniert, so dass ich nunmehr nicht sicher bin ob es ein durchwachsender oder richtig beschissener Tag wird. Let´s see… Mittwoch, April 02, 2003
saisonübliche Aussichten Etwa jede Viertelstunde wechselt hier vor dem Fenster das Wetter und mit ihm die Warscheinlichkeit einer nassen Hose auf dem Heimweg. That´s April. Grundsätzlich… …hätte mir mal jemand sagen können, dass es sich anbietet, beim Rollerfahren im Regen nicht nur eine wasserdichte Jacke, sondern auch eine wasserdichte Hose anzuziehen. Es verhält sich nämlich, wie ich just heute morgen feststellen durfte, so, dass das Wasser, das brav an der wasserdichten Jacke abläuft, direkt auf die nicht wasserdichte Hose läuft. Vollsaugen ist eigentlich das bestbeschreibende Wort für diesen Vorgang, und den Blicken der anderen Fahrgäste im Zug nach, denkt der eine oder andere Nichtimregenrollerfaher angesichts so einer Hose auch an höchst profane Unfälle, die sich an höchst profanen Orten abspielen. Näher will ich darauf nicht eingehen, den Kollegen im Zug möchte ich aber an dieser Stelle nochmals zurufen, dass es der Regen war. Nicht was Ihr denkt! Dienstag, April 01, 2003
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