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Donnerstag, Juli 29, 2004
"this is the best love song, Paul ever wrote" sagt Art Garfunkel und Paul Simon fängt an zu spielen, das Stadion nur mit einer akustischen Gitarre füllend. Es ist dunkel geworden über dem Olympiapark. Erste Wunderkerzen werden angezündet, Glüwürmchen im schwarzen Halbrund der Tribüne. Zarte Töne weben ein leichtes Netz in den Sommerabend, führen Hände, Blicke zueinander. Es riecht nach Jasmin, Bier, Sommer, Zigaretten und Gras. Dann erflammt die weiße Bluse der Dame vor mir im Licht eines Handy-Displays. "Horst, bist Du es?" fragt ihre Stimme vernehmlich. "Ja. Ja. Ja, so schad dass Du nicht hier sein kannst, horch mal:" Bluse und Gesicht verschwinden aus dem Lichtschein, der sich Richtung Bühne dreht, einordnet in die Batallione der Feuerzeuge und Wunderkerzen, die mittlerweile entflammt sind. Horst schunkelt so ein paar Sekunden mit der Menge, leuchtet mit in einer Woge Romantik, bevor er ans Ohr zurückkehrt. "Sein bestes Liebeslied sei es, hat der Art gesagt. Was? Ja natürlich vom Paul. Vom Paul! Hörst mich net?" Ihr bayrischer Aktzent rollt das "r" von Art aus dem Mund heraus. "Ja, der Art hat gesagt das das Lied von Paul ist. Ja, es ist halt laut hier." Der Mann neben ihr läßt die Hand seiner Frau los, dreht sich um und sagt: "Ich bitt schön um Entschuldigung wenns nicht telefonieren können bei der lauten Musik." Postwendend wird daraufhin Horst beschämt abgeschaltet, weggeklappt und Wunderkerzen, Gitarrenklänge, Bierverkäufer, Brezelmädchen und Paul und Art und die Menge sind wieder unter sich. Armer Horst. 0 Kommentare links to this post Mittwoch, Juli 28, 2004
Wenn die Inszenierung nicht für den Skandal sorgt inszeniert man den Skandal. Immerhin lustig, soweit. 0 Kommentare links to this post Montag, Juli 26, 2004
Man wird den Eindruck nicht los, dass Lance Armstrong der George Bush der Tour de France ist - Er hat zwar gewonnen, aber keiner glaubt so recht, dass er fair gespielt hat. 0 Kommentare links to this post Freitag, Juli 23, 2004
Es gibt Wunder. Gestern hat einer der Führerschein bekommen, bei dem niemand geglaubt hätte, dass er es je schafft. Ich ziehe meinen Hut in Erfurcht vor einem Menschen, der sich nicht dadurch unterkriegen lässt, dass er im Rennen des Lebens nichtmal aus der Box sondern eher vom Parkplatz aus gestartet ist und regelmäßig dorthin zurück muss. Wahre Kämpfer findet man selten. Einen aber seit gestern auf den Straßen Württembergs. Ich gratuliere von ganzem Herzen. Let it roll. 0 Kommentare links to this post Mittwoch, Juli 21, 2004
Frohes Singen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. In diesem Sinne verweise ich auf die Website der Neckar-Personen-Schiffahrt Berta Epple GmbH & Co. KG. 0 Kommentare links to this post Dienstag, Juli 20, 2004
Vorsicht Herr Bush, die strickenden Frauen greifen an. Das ist mir direkt ein Banner wert: ![]() 0 Kommentare links to this post 75% gehen in die Tasche der Verkäufer, wenn 25% des Erlöses des Verkaufes der netten Pace-Fahne an wohltätige Zwecke gehen. Wer Frieden kauft spendet also zu 75% Wohlstand, was grundsätzlich nett, mir aber zu 100% keinen Banner wert ist. 0 Kommentare links to this post Sonntag, Juli 18, 2004
Handicap 66. Nur falls es jemand interressiert. Und wer einen der fünf Bälle findet, die ich im Neckar und irgendwelchen Mauselöchern versenkt habe: ich würde ich mich freuen, wenn wenn ich ihn zurückbekomme. 0 Kommentare links to this post Freitag, Juli 16, 2004
"In dieser Firma kommt man sich vor, wie in einem sozialistischen Science-Fiction-Film", hat mein Kollege gestern gesagt, "bröckelnde, rührend skurile Kulissen und alles voller Aliens." 0 Kommentare links to this post Nett auch, dass uns jemand gebrauchte Golfbälle geschenkt hat mit der Bemerkung, das wären "experienced balls"... 0 Kommentare links to this post Mittwoch, Juli 14, 2004
"Schauendes Glas" heisst ein experimeteller 3D-Desktop, den Sun jetzt als Open Source freigegeben hat. Was der Desktop besonders gut kann, sieht man hier: Bilder von Männern zeigen, die dringend zum Friseur müssen. 0 Kommentare links to this post "Macht bekommt man nicht, Macht nimmt man sich." Das hat meine Chefin gestern im Rahmen einer Besprechung in den Raum gestellt. Ich bin mir nicht sicher ob ich das als Aufforderung verstehen soll, gehe aber vorsichtshalber mal davon aus. Im Rahmen der Besprechung hat sich auch mal wieder gezeigt, dass der öffentliche Dienst ein Schutzraum ist, in dem man ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen, seine ganz persönliche Vorstellung vom harten Karriere-Typ ausleben kann. In jeder normalen Firma geht man ja als intriganter Sack immerhin das Risiko ein, dass jemand das einschlägige Instrumentarium besser beherrscht, oder das Arbeitsergebnis nicht stimmt und man am Schluss stempeln gehen muss. Nicht so im öffentlichen Dienst. Ausgestattet mit faktischer Unkündbarkeit und bar jeder verbindlichen Zielvorgaben darf jeder Gruppenleiter sich aufführen, als kämpfte er um den Vorstandsvorsitz. Ich sollte wohl eher "Gruppenleiterin" sagen, denn witziger Weise sind die Beteiligten relativ häufig Frauen, die sich darin gefallen, zu bekennen, dass sie Macht gut finden und Karriere machen wollen, und da durchaus mit harten Bandagen zu kämpfen bereit sind. Nun ist das ja an sich nichts Schlechtes, aber wenn ich Mitte 30 wäre und mit einem mittelmäßigen BAT-Vertrag ausgestattet, dann würde ich nicht lauthals verkünden, dass ich Macht geil finde. Das wirkt, wie wenn einer mit Mitte 60 bekennt, dass sein Lebensziel ist, einen Rolls Royce zu fahren, und danach im Käfer wegfährt. 0 Kommentare links to this post Montag, Juli 12, 2004
Angesichts des anständigen Titels überrascht es, dass es bei "no sex in the city" durchaus auch um Sex geht. Offensichtlich liegt die Betonung eher auf "in the city" als auf "no sex". Ich persönlich finde diesen Aspekt der Site am sympathischsten, und da besonders das silberne Teil rechts unten. Everything disapears, but a mac will stay forever... 0 Kommentare links to this post Sonntag, Juli 11, 2004
Grillfest: Erstaunlich, zu erleben, wie vierzig Leute die vertraute Umgebung einnehmen, fröhlich, lärmend, essend, scherzend. Wie ein Haufen Kinder samt Hund ausdauernd um das Haus rennt und so oft bei Horst im Schuppen vorbeischaut, bis der sich fatalistisch hinter die Gartengeräte verzieht. Heute, wo das Haus wieder uns gehört, fühlt es sich an, als halle der Abend nach, als läge ein Lachen und Flaschenklirren und Grillwurstgeruch in der Luft. Es war ein schönes Fest. 0 Kommentare links to this post Freitag, Juli 09, 2004
Found in the Logfiles: bei Becker wird Freitag um halb sieben noch gearbeitet, oder jedenfalls nach "stories" gesucht. 0 Kommentare links to this post Laberfernsehen. Es talkt auf allen Kanälen. Ich bin nicht überzeugt, dass wir sind wo wir sind, weil wir die Probleme nicht ausreichend besprochen haben. 0 Kommentare links to this post Seiten wie diese machen für mich deutlich, wie Internet in Zukunft aussehen kann, wenn alle mal die Bandbreite haben, die man dafür braucht. Besonders wenn man im direkten Vergleich die ofizielle Seite von Ludewig anschaut. 0 Kommentare links to this post Donnerstag, Juli 08, 2004
Mir fehlt die Kraft mehr zu schreiben, als dass ich immer besser verstehe, wie Serien wie "Dallas" oder auch die zwei alten Säcke auf dem Balkon in der Muppetsschow und ja - auch Miss Piggy - in den Köpfen vermutlich nichtmal kranker Autoren entstanden sind. Ich vermute, die Kollegen waren auch bei meinem Arbeitgeber angestellt. Nachdem ich heute morgen außerdem nun schon zum zweiten Mal hintereinander und zum etwa tausendsen Mal dieses Jahr wegen "Betriebsstörungen" den Anschlusszug verpasst habe und nach jeweils einer halben Stunde Wartens auf die nächste S-Bahn in derselben pampig zum zeigen der Fahrkarte aufgefordert worden bin, rufe ich hiermit zum Widerstand gegen die Bahn auf. Ich bin heute mit leuchtendem Beispiel vorangegangen, indem ich dem Herrn Kontrolleur mitgeteilt habe, dass ich in Anbetracht meiner Verspätung bereit wäre in exakt 36 Minuten meinen Fahrschein zu zeigen. Anfängliche Einlassungen, er müsse den ganzen Zug kontrollieren und habe auch nicht den ganzen Tag Zeit, habe ich mit Hinweis auf meine allgemeinen Geschäftsbedingungen abgelehnt. Die daraufhin in deutlich überzogener Lautstärke vorgebrachte Ankündigung, im Rahmen des Haltens an der nächsten Haltestelle Ordnungskräfte hinzuzuziehen, habe ich mit einem fröhlichen "Nur zu!" kommentiert und einen Platzverweis ausgesprochen, der wie ich gestehe für leichte Verwirrung gesorgt hat: Neben dem Kontrolleur fühlten sich auch der Punk rechts hinten, sowie eine junge Frau mit dicker Brille angesprochen. In dem Moment als der Kontrolleur über Funk versuchte Verstärkung angefordert hat, habe ich meine Monatskarte gezogen. Er hat das Funkgerät abgesetzt und wir haben uns gemustert. Wir wissen beide, dass wir uns wieder sehen werden. Seitdem nehme ich jedes Brandloch im Sitz, jede verkratzte Scheibe, jeden abgebrochenen Griff, jeden bierklebenden Boden mit Genugtuung zur Kenntnis. Es sind die Schwären, die offenen Wunden eines Sterbenden. In ihnen bricht heraus ans Licht, was tief drinnen seit Jahren fault. Viel Freude auch weiterhin Herr Mehdorn, ich plane, in Zukunft Auto zu fahren. 0 Kommentare links to this post Mittwoch, Juli 07, 2004
Fundsachen aus den Logfiles http://www.google.de/search?q=vorraussetzungen+für+lokführer&hl=de&lr=&ie=UTF-8&start=20&sa=N http://www.google.de/search?q=Vorstellungsgesprächstraining&hl=de&lr=&ie=UTF-8&start=30&sa=N 0 Kommentare links to this post Dienstag, Juli 06, 2004
Erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis man im Irak verstanden hat, wie es funktioniert. Andererseits erinnert die Aktion so stark an klassisch amerikanisches ass-kicking, dass man auch auf die Idee kommen könnte, dass bei der CIA jemand verstanden hat, wie es funktioniert. Einerlei, es können Wetten abgegeben werden, ob es funktioniert. 0 Kommentare links to this post Montag, Juli 05, 2004
Nach Nutzung des Gutscheins, den ich zum Geburtstag bekommen habe stelle ich amüsiert fest: Golf ist eindeutig die Fortsetzung von Tennis mit anderen Mitteln. Der Übungsleiter des Schnupperkurses - Wilfried - "ein Küsschen ist doch drin für mich" - hat sogar in einigen Fällen die gleichen Fremdwörter falsch verwendet, die auch einst der selige Jugendtrainer, der mich für den weissen Sport zu begeistern versuchte, hemmungslos misbraucht hat, um Kompetenz zu suggerieren. Aufällig auch, dass schon in der ersten Übungsstunde streng auf Trink- ("zum Schluss gehts zum 19. Loch"), sowie Bezahlregeln ("der Fehler kostet eine Platzrunde und Golfschulden sind Ehrenschulden") hingewiesen wird. Und alles geht natürlich mit Niveau vor sich: "Wir betrinken uns gepflegt!" Frau Professor, die mit im Schnupperkurs war, hat es gefallen, auch weil sie Frau Vorstandsvorsitzende und Frau Oberbürgermeister am Platzrand getroffen hat. Letztere hat spontan erzählt, dass sie erst letztens beim montäglichen Laydies Cup eine Ebel gewonnen hat. Diese hat sie im Folgenden auch lässig am Handgelenk geschüttelt. Frau Vorstandsvorsitzende hat sich dann öffentlich verpflichtet, Frau Oberbürgermeister und Frau Professor bei Luigi im Clubhaus einen Prosecco auszugeben, wenn man sich das nächste Mal trifft. Dann sind alle in ihre Mercedes SLK gestiegen und wegegebraust. Für Wilfried - "ein Küsschen ist doch drin für mich" - war nur ein Küsschen von Frau Professor drin, das hat er dann bekommen, weil er so braun gebrannt ist und so gute Manieren hat, wie sie meinte. Golf kann eine Sucht sein, sagt Wilfried. "Und ein Küsschen ist doch drin für mich". Und ein neunzehntes Loch womöglich auch. Er war selbst früher Tennislehrer. Na denn! 0 Kommentare links to this post Samstag, Juli 03, 2004
In Anbetracht mancher Jugendberichte kommt einem die eigene Vergangenheit irgendwie arglos vor. Bei Leuten, die sich an ihrer Macht erfreuen, ist ja spannend, wo dieselbe sie hingebracht hat, was aber in diesem Fall nicht im Internet steht. 0 Kommentare links to this post Freitag, Juli 02, 2004
Zehn Jahre später erkennt auch der Spiegel was wirklich cool ist. Feuchten Auges denke ich zurück an Kollege Stefans legendären sechzehnjährigen Ascona, der anno 1991 nach der schriftlichen Abi-Prüfung den Aufkleber "Abi 91 - was solls?" auf der Heckscheibe trug. Oder an meinen Mercedes 200 Diesel der Baureihe W123, indisch rot, beige MBtex-Innenausstattung, der heute in Albanien als Taxi unterwegs ist und für dessen Hutablage ich einst eigens einen Panama-Hut erstand. Oder an Kollege Nickis grünen Volvo, auf dessen vorderen Türen ohne bekannten Grund Posthörner prangten und der dank einer seltsamen Automatik erwiesenermaßen rückwärts genauso schnell fuhr wie vorwärts. Fast spüre ich wieder das Öl an den Fingern, höre die Flex kreischen, rieche das Schweißen und die trocknende Spachtelmasse. Selige Samstagmittage voller Bremsscheiben- und Zylinderkopfdichtungswechsel, Rostschleifen, Fußball im Radio und Fachsimpeln, was welche TÜV-Niederlassung am ehesten durchgehen läßt. Und am Abend Guns'nRoses in den Kasettenschacht, alle, die hinten sitzen, Beine zum Fenster raushängen, und ab in die Stadt. Hundert Versuche, zu klären, wer die scharfe Kurve hinten am Wald wohl am schnellsten schafft, erstaunlicherweise ohne Verletzte. Montag morgens in der Schule Kollege Stefans rituelles Loblied auf die geräumige Rücksitzbank seines Autos - angeblich jeweils aus aktuellem Anlaß! Erschreckt halte ich inne, feststellend dass ich nunmehr regelmäßiger Käufer einer Monatskarte der Bundesbahn bin, das Ende der Jugend betroffen zur Kenntnis nehmend. Was für ein Tag! 0 Kommentare links to this post "Sippenhaft" nennt das Elvira Grözinger, Mitglied der jüdischen Gemeinde und Tochter von Shoa-Überlebenden. 0 Kommentare links to this post |
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