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Der
Geist im Garten
Da
sitzen wir, ganz wie ein altes Ehepaar vor dem Fernseher und
schauen "Wer wird Millionär?", da sehe ich etwas
vor der Terassentür. Es ist nicht ein richtiges Sehen,
wie man einen Gegenstand sieht, eher ein Reflex, eine Bewegung,
etwas Weißes das vor der Scheibe der Tür durch die
Schwärze huscht. Soviel weiß ich: es war kein Vogel,
sondern etwas auf vier Beinen und es war groß. Meine Frau
glaubt es natürlich nicht, und so starren wir auf das Schwarz
hinter der Scheibe der Tür -
++[man merke, daß wir nun im Setting eines Horrorfilms
da angekommen sind wo das erste nichtsahnende Opfer fällig
ist]++[Zusatzinformation: wir wohnen auf einem einsamen Gehöft]++[Unser
Vermieter hat eine Schweinezucht]++
- ist ein Schwein ausgebrochen - Kurt der Eber des Grauens?
Ein Pferd? Ich werde versuche, sachlich zu sein und tippe gerade
auf einenWaschbären, als wieder eine Bewegung zu sehen
ist und schließlich schaut uns Arno an, Arno der leicht
verrückte aber grundsätzlich sympathische, wenn auch
große und stürmische Zwingerhund unseres Vermieters.
Zwingerhund? Was macht der dann bei uns im Garten? Ich gehe
hinaus, kann aber wegen fehlender Beleuchtung nichts sehen.
Ich gehe wieder hinein -
++[Schnitt:
Im Haus die Bewohner suchen verzweifelt nach einer Taschenlampe]++[Schnitt:
Vor den blassen Mond schiebt sich eine Wolke]++[Schnitt: der
Lampe fehlen die Batterien. "Ich gehe raus", sagt
der Mann, ich werd den Hund auch ohne Lampe finden]
-draußen
laufe ich ums Haus, alles dunkel, alles still - nicht Arno´s
Art, normal hüpft er herum und schleckt alles und jeden,
der in der Nähe ist ab. Rechts neben dem Ferkelstall geht
die Treppe zum Zwinger hoch. Ohne Mond ist sie kaum auszumachen.
Der ganze Hof liegt dunkel und ruhig da, kein Wind, kein Gräusch,
als hielte alles den Atem an.
++[der
Zuschauer sieht was der Hauptakteur nicht sieht: schwarzes Fell.
Atemluft die in gleichmäßigen Zügen in der Nachtluft
kondensiert. Augen. von bleichem Licht erhelte Augen. Ruhig.
Kalt. Unbarmherzig]++
Oben an der Treppe angekommen gibt die Wolke den Mond frei -
und der Mond beleuchtet im Zwinger einen dunklen Monolyth -
Arno, ruhig, wachsam und eindeutig im Zwinger. Einen Schritt
näher fängt Arno auf einmal mit knurren an, leise
zuerst, dann immer lauter, shcließlich bellt er laut und
heiser.
Ich gehe zurück ins Haus, höre Arnos Bellen noch gedämpft.
Arno ist und war im Zwinger. Und wer war der Hund auf der Terasse.
Bevor wir ins Bett gehen kontrolliere ich zum ersten Mal, ob
wir die Terassentür wirklich richtig zugemacht haben.
++[Ruhe und Sicherheit senkt sich über die Schlafenden,
über die warmen Häuser. Dann schwenkt die Kamera hinaus
auf die offenen Felder, in der Mitte schemenhaft ein Baum, in
der Ferne das Schwarz des Waldrandes. Man ahnt einen Hauch,
der über die Felder zieht: dort draussen lauert das Böse]++
Heute
mittag, nach meiner Rückkehr vom zweiten begeisternden
Tag des Bewerbertrainings, habe ich den Bauern getroffen und
ihm von dem Hund auf der Terasse erzählt. "Jaja",
hat er gemeint, "um dreiviertel zehn hab ich noch einen
Rundgang durch die Ställe gemacht und Arno solange rausgelassen".
+++[Epilog: Nahaufnahme auf den Eingang einer Höhle drunten
am Bach. Eine Bewegung, etwas Weißes das in der Dunkelheit
der Höhle durch die Schwärze huscht. Soviel weiß
ich: es war kein Vogel, sondern etwas auf vier Beinen und es
war groß. / Schnitt: Arno schläft währenddessen
sanft in seinem Zwinger]++
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