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...und sag einen
Gruß!
Die Leute erzählen mir seltsame Sachen, daran bin ich gewöhnt.
Habe ich ein Gesicht, das fremden Leuten signalisiert, daß
ich tauglich und willens bin, die Last der Welt auf mich zu
nehmen?
Vermittle ich das Gefühl, ich verstände alles?
Jedenfalls kenne ich die Namen verflossener Liebschaften von
Straßenbahnbekanntschaften meistens nach fünf Minuten,
die Gefühle beim Dahinscheiden des Pappageis nach einer
Viertelstunde, und ein Transatlantikflug endet meist in einer
umfassenden Lebensbeichte.
Gerüchte, ich hätte nur geheiratet, um zukünftig
nicht allein unterwegs, und damit weniger anfällig für
Begegnungen mit Fremden zu sein, stimmen allerdings nicht.
Wen wundert es bei solchen Vorraussetzungen, daß auch
die Besatzung des Hallenbades, die ich durch meinem bereits
berichteten Schwimmuntericht kennenlerne, alles erzählen
will?
Nach einigen eher peinlichen
Versuchen, die Kunst des Kraulschwimmens zu erlernen, ist mir
schon bekannt, daß der eine Bademeister eigentlich gerne
Profilangstreckenläufer wäre und seine Beine sexy
findet, während der andere begeisterter Hobbykanut ist
und letztes Jahr mit 100€ zwei Wochen in Urlaub gefaqhren
ist.
Dabei hat er zur Entlastung des
Budgets seine Kinder hauptsächlich mit Salat aus selbst
gesammelten Brenesseln gefüttert und empfiehlt dies zur
Nachahmung. Seine gesammelten Camping- Kindererziehungs- und
Autoweisheiten wiederzugeben, hieße den Rahmen dieser
Website zu sprengen.
Weiterhin kenne ich auch seinen Fahrradpark seinen Bootspark
und seine Lohnsteuerkarten. Ja auch die seiner Frau.
Soweit ist alles normal, der übliche Gang der Dinge, bis
die Sache mit dem Grüßen angefangen hat. Das läßt
mich nervös und hilflos und verhindert meinen Nachtschlaf.
So geht es nicht:
Seit letzter Woche trägt
der Herr Schwimm und Meister mir täglich auf, einen Gruss
auszuichten, sagt aber nicht an wen. In aller Selbstverständlichkeit
ruft er mir jedesmal im Weggehen ein fröhliches und
gell, sagsch an Gruss! mit auf den Weg. Er geht offensichtlich
fest davon aus, daß ich weiss, wem ich den Gruß
ausrichten soll.
Seither forsche ich nach dem Grußempfänger.
Nachdem ich Frau und Verwandschaft bis zum dritten Grad schon
erfolgreich ausgeschlossen habe muss es jemand im Freundeskreis
oder in der Nachbarschaft sein. Hier gestaltet sich die Recherche
eher schwierig, will man doch nach dem erfolgreichen Absolvieren
von Schule und Universität nicht unbedingt freimütig
zugeben, daß man einen Schwimmkurs nötig hat. Dementsprechend
verbietet sich natürlich die direkte Nachfrage. Erste Versuche
mit einer überraschenden, willkürlichen Nennung des
Bademeisternamens mitten im Gespräch haben zu keinem verwertbaren
Ergebnis gefürt, wobei dies auch auf den sehr gebräuchlichen
Nachnahmen des Bademeisters zurückzuführen sein dürfte.
Der einmalige Versuch, auf im
Schwimmkurs befindliche Kinder zu verweisen, war fatal, da die
nachfolgende Bekämpfung des Gerüchtes, wir hätten
überraschend Nachwuchs bekommen, nur teilweise erfolgreich
war.
Zu den Unbelehrbaren zählt der örtliche Versicherungsvertreter,
der uns jetzt immer auffordert, durch den Abschluss mannigfaltiger
Versicherungen für die Zukunft unseres Kindes zu sorgen.
Das örtliche Autohaus schickt uns auch nur noch Prospekte
für Kombis und Vans.
Vom Stellen der Frage nach Hallenbädern
im Umkreis und Ihren Beschäftigten im allgemeinen habe
ich mittlerweile auch die Schnauze voll. Was anfangs eine gute
List zu sein schien, hat sich schnell als sehr informationsintensiv
herausgestellt. Schon nach dem vierten Einsatz dieser Methode
kenne ich die Orte mit Hallenbädern im Umkreis nunmehr
auswendig, komplett mit den Namen der Bademeister, den Öffnungszeiten
und Putzfrauen, sowie der kommunalpolitischen Brisanz der Finanzierung.
Es ist erstaunlich wie sehr die Hallenbadangelegenheiten die
Volksseele bewegen. Persönlich kennt meinen Bademeister
aber niemand nähers, so daß ich nachwivor im Grüßnotstand
bin.
Als einzig gangbare Lösung
bleibt mir die schamlose Lüge. Jedes Mal am Ende des Kurses
verspreche ich, den Gruss auszurichten. Ich zwinkere wissend,
werfe locker ein geht klar! in die Runde und haue
ab. Und jedes mal muss dann einer ungegrüßt ins Bett
gehen.
Die Welt ist schlecht!
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