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Of
Mice and Men
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ein Drama in sechs Akten -
Die
Amerikaner stammen von den Puritanern ab. Leider hat das den
Labormäusen keiner gesagt.
I
Die
gemeine Maus war mir bisher nur als possierlicher Gartenbewohner,
sowie in einem Fall als Nervensäge hinter dem Sofa bekannt.
Mit Erstaunen habe ich nun letztens beim Mittagessen zur Kenntnis
genommen, daß die Anwesenheit dieses Tieres offensichtlich
aus der modernen Molekularbiologie nichtmehr hinwegzudenken
ist. "Ich kann nichts arbeiten", sagte da meine Frau,
"keine Mäuse da.". Mein Vorschlag, zur Steigerung
der Produktivität unter Zuhilfenahme eines Käfigs
in den örtlichen Stadtpark einzufallen, und dort Zwangsrekrutierungen
vorzunehmen, wurde prompt abgelehnt. Offensichtlich handelt
es sich bei den Forschungsnagern um eine Spezies, deren Erbgut
auf Ihren Tätigkeitsbereich hin optimiert wurde. Ich dachte
bisher, so etwas gäbe es nur bei den Berufsgruppen der
Polizisten und Metzgereifachverkäuferinnen. Die Herkunft
der Labormäuse konnte anläßlich des Mittagessens
nicht ermittelt werden. Wie meine Frau berichtete, erscheinen
die Mäuse üblicherweise in komfortablen Reisekartons
von Fedex, um sich dann sofort nach Ankunft an die Arbeit zu
machen.
Weitere Mittagessen haben ergeben, daß im Labor ein Mäusenotstand
besteht. Darauf wurde nunmehr mit der Einstellung eines Central
Animal Officer (CAM) reagiert. Schon bisher hat sich ein Annimal
Assistant Manager (AAM) um das Wohl der tierischen Kollegen
gekümmert. Dieser ist ein fleißiger, pflichtbewußter
Chinese, der sich vorbildlich um die Sauberhaltung der Käfige
sowie das Servieren der Mahlzeiten kümmert.
Da er jedoch des Englischen nicht mächtig ist, kann er
weder mit der Beschaffung der Mäuse, noch mit der Anfertigung
der netten Schilder betraut werden, die an jedem Käfig
Zahl, Geschlecht und besondere Kennzeichen der Bewohner verkünden.
Um
diese Sachen kümmert sich seit seiner Ernennung der CAM,
der gestern voller Elan und frischen Mutes in seine neue Tätigkeit
gestartet ist. Jedenfalls ist seither eine nicht unbeträchtliche
Zahl von Mäusen den Fedexkartons entstiegen und hat sich
in die fürsorgliche Obhut des chinesischen AAM begeben,
natürlich nicht ohne vorher vom CAM eingecheckt und mit
Käfigschildern versehen worden zu sein.
Ich
habe meiner Frau aufgetragen, dem CAM meinen vollen Respekt
auszusprechen. Immerhin war es mir bei meinen vielfältigen
botanischen Beobachtungen in meinem Dusslinger Garten nie möglich,
die Anzahl oder gar das Geschlecht der dort beheimateten Mäuse
festzustellen Zu meiner Entlastung muß aber erwähnt
werden, daß im Labor die Zählbemühungen auch
nicht durch Nachbar Roberts Katzen nachteilig beeinflußt
werden.
II
Trotz meines Lobes ist die Laune des CAM seit Tagen nicht besonders
gut. Wie Anita erzählt, sieht er sich herber Kritik ausgesetzt
seit dem Chef die letzte Futtermittelrechnung präsentiert
worden ist, die angeblich deutlich zu hoch sein soll. Nachdem
der CAM mehrfach seine Unschuld beteuert hat, wird jetzt auf
breiter Ebene ermittelt. Die Vernehmung des AAM hat nicht zu
verwertbaren Ergebnissen geführt. Als Vertreter einer alten
Hochkultur verfügt der AAM über ein Verständnis
der Dinge, das ihn über banale Futtermittelfragen lächeln
läßt. Jedenfalls war er zu weiteren Kommentaren nicht
zu bewegen.
Eine
Gewichtsuntersuchung von 10 zufällig ausgewählten
Mäusen hat ergeben, daß diese nicht übergewichtig
sind. Vielmehr läßt der Geräuschpegel in den
Mausquartieren nach Auskunft des CAM sogar darauf schließen,
daß hier auf breiter Front Sport getrieben wird. Das daraus
ableitbare Gesundheitsbewußtsein der - immerhin amerikanischen
- Nager spricht seiner Meinung nach eindeutig gegen ein unterentwickeltes
Ernährungsbewußtsein. Insofern kann Völlerei
als Ursache der Futterrechnung ebenfalls ausgeschlossen werden.
Zur Ergründung der Ursache wurde durch den Laborchef eine
Taskforce eingesetzt, die dem Problem Herr werden soll. Anscheinend
konzentrieren sich die Ermittlungen hauptsächlich auf den
Assistant Animal Manager, dessen Onkel, wie man hört, Downtown
ein Chinarestaurant betreibt. Man wolle aber, wie der Leiter
der Taskforce in einer laborinternen Verlautbarung bekanntgab,
keine Verdächtigungen bekanntmachen, bevor man konkrete
Beweise habe.
III
Die Ermittlungen gegen den AAM sind offensichtlich im Sande
verlaufen. Mehrere von der Taskforce vorgenommene Testessen
im Lokal des Onkels haben ausweislich des Abschlußberichtes
zu keinem eindeutigen Ergebnis geführt.
Die
Untersuchungen können aber momentan nicht weitergeführt
werden, da sämtliche verfügbaren Kräfte für
die weitere Erforschung einer kürzlich aufgedeckten wissenschaftlichen
Sensation benötigt werden. Der CAM hat entdeckt, daß
es im laut Schild mit vier Männern besetzten Käfig
37b zwei Schwangere gibt. Unter strengster Geheimhaltung wurde
unter dem Titel "The Wonder of cage 37b" eine Publikation
verfaßt, die mittlerweile neben der Fachwelt auch die
Tageszeitungen erobert hat. Wie der Laborchef in einem Interview
bekanntgegeben hat, hofft man, den genetischen Grundlagen der
jungfräulichen Geburt, sowie der Geburtengleichberechtigung
zwischen Mann und Frau bald auf die Schliche zu kommen. Wie
er weiter ausführte, hätten sich seit Publikation
des Artikels einige katholische Spender aus dem Unterstützerkreis
für sein Labor zurückgezogen, was aber durch die stetig
ansteigenden Zuwendungen von Frauen-, sowie Schwulen- und Lesbenverbänden
mehr als ausgeglichen würde.
Der mittlerweile liebevoll "Detlef 1-4" getauften
Käfigbesatzung gehe es den Umständen entsprechend
gut, so der Laborchef.
Weniger Erfreuliches ist vom AAM (Assistant Animal Manager)
zu berichten. Nachdem er laut Protokoll der Frauenbeauftragten
mehrfach Fragen weiblicher Forscher nach der Befindlichkeit
der Mäuse mit schmierigem Grinsen, sowie in drei Fällen
mit lasziven Hüftbewegungen sowie den dazu geäußerten
Worten "Very good, very good" beantwortet hat, wurde
ihm fristlos gekündigt. Ich muß sagen, daß
es mich beruhigt, daß meine Frau nicht mehr in der unmittelbaren
Nähe des Angehörigen einer Nation arbeitet, deren
Ungezügeltheit sich schon darin zeigt, daß sie mittlerweile
über ein Viertel der Weltbevölkerung stellt.
IV
Gerade wollte ich, nach einem Bissen herzhaften Schweinebratens,
meine Frau fragen, wie es den Detlefs geht, die nicht allein
Gesprächsthema unserer Mittagessen, sondern vielmehr vertrauter
Teil unserer innerfamiliären Kommunikation geworden sind,
doch ich kann nur sagen Skandal!
Wie meine Frau freien Mundes (sie fängt immer mit den weniger
kauintensiven Spätzle an) erzählt, ist alles aus.
Offensichtlich wurden mehrere international anerkannte Gynäkologen
verpflichtet, um dem immerhin weltberühmten Nachwuchs ins
Leben zu verhelfen. Angesichts der vermuteten Fehlens einschlägiger
natürlicher Mechanismen wurde mit einer komplizierten kaiserschnittähnlichen
Operation gerechnet. Als die Gynäkologen jedoch heute morgen
am Wochenbett der Männer erschienen, stellte sich heraus,
daß der Nachwuchs bereits Stunden vorher auf natürlichem
Wege und offensichtlich ohne Probleme zur Welt gekommen ist.
Eine nähere Untersuchung durch die anwesenden Experten
hat ergeben, daß an der Jungfräulichkeit sowie der
Männlichkeit der Gebärenden doch sehr gezweifelt werden
muß, während für Detlef drei und vier die Männlichkeit
bestätigt werden konnte.
Der Laborchef hat prompt reagiert. In einer Befragung mittels
Lügendetektor hat der CAM gestanden, das Geschlecht der
Mäuse in diesem speziellen Fall nicht geprüft zu haben
und dies auch umgehend in einer Pressekonferenz bekanntgegeben.
Eine daraufhin veranlaßte Volkszählung im Tierstall
ist zu verschiedenen Ergebnissen gekommen, erste Hochrechnungen
deuten jedoch laut CNN darauf hin, daß die Bestimmung
des Geschlechtes wohl auch in anderen Fällen nicht gestimmt
hat. Dies lasse sich, so der Laborchef in einem Liveinterview,
aber nichtmehr zweifelsfrei feststellen, da sich in allen Käfigen
mittlerweile mehrere Generationen von Mäusen befänden.
Wie CNN weiter berichtet, planen mehrere Windel- und Babyartikelkonzerne,
die Kosten für bereits gedrehte Werbespots, die speziell
auf katholische und homosexuelle Kunden ausgerichtet waren,
gegenüber dem Labor einzuklagen. Der Aktienkurs der vom
CAM und dem Laborchef gegründeten Firma VIRGINBIRTH.COM
stürzt unterdessen ins bodenlose.
Der Anwalt des CAM hat live auf CNN eine Erklärung seines
Mandanten verlesen, nachdem dieser den Auftrag, das Geschlecht
von Tieren zu bestimmen, unter denen mutmaßlich einige
weiblich seien, für sexuell belästigend halte, weshalb
er nicht verpflichtet gewesen sei, der Anweisung zu folgen.
Erste, nicht repräsentative Umfragen weisen auf eine breite
Unterstützung in der Bevölkerung für diese Meinung
hin. Über 60 % der Befragten sagten aus, gerade jungen,
unverheirateten Menschen könne die Untersuchung von - mutmaßlich
nackten - Unterleibern nicht zugemutet werden. Die darauf folgenden
Verhandlungen mit der Laborleitung sind unter Geheimhaltung
geführt worden, aber wie man hört, verläßt
der CAM gegen Zahlung einer nicht genannten Summe das Labor.
V
Seit heute hat sich auch die örtliche Kongressabgeordnete
in die Angelegenheit eingeschaltet und mehrfach rückhaltlose
Aufklärung gefordert. Der Laborchef ist dem nachgekommen,
indem er in einer Presseerklärung reinen Tisch gemacht
hat. Wie er sagt, habe man nicht damit gerechnet, daß
es sich bei der Maus um ein derart hemmungsloses Tier handele.
"Ich sage nur, wie die Kaninchen...", so der Laborchef.
Wie sich aber herausgestellt habe, seien die Mäuse vom
Züchter aus Mexiko importiert worden, so daß es sich
quasi um illegale Einwanderer handele für deren Verhalten
natürlich keine Garantie übernommen werden könne.
Es gelte an dieser Stelle schließlich auch den Ruf der
amerikanischen Maus zu retten. In diesem Zusammenhang weise
er außerdem Schadensersatzansprüche der Disney-Studios
vehement zurück.
Nach der Pressekonferenz wurde durch die Kongressabgeordnete
unter Einbeziehung der Frauenbeauftragten sowie der Immigrationsbehörde
ein Aktionsplan zum weiteren Vorgehen präsentiert. Der
enthaltene Gesetzentwurf beinhaltet das absolute Vermehrungsverbot
für Mäuse innerhalb den Vereinigten Staaten. Ausländische
Mäuse sollen in Zukunft nur nach dem erfolgreichen Absolvieren
einer Moralüberprüfung einreisen dürfen. Dafür
werden sie an den Zollstationen mit anderen Mäusen bekannt
unmoralischen Charakters konfrontiert und das Verhalten von
Tierpsychologen beurteilt.
Erfreulicherweise
hat man für diese Überprüfung unter anderem die
vier Detlefs engagiert, nachdem Ihre Ausweisung am Veto mehrerer
Immigrantenorganisationen gescheitert ist. Weiterhin wurde eine
Million Dollar für die Erforschung der für das zügellose
Verhalten verantwortlichen Gene bereitgestellt. Wie die Initiatoren
des Aktionsplans betonten, gelte es, das Ansehen der Vereinigten
Staaten in der Welt zu wahren, weshalb schnelles Handeln angesagt
sei.
VI
Meine Frau hat heute beim Mittagessen erzählt, daß
man ihr das Forschungsprojekt, das mittlerweile den Titel MTMP
("Mice To Monks Project) trägt, angeboten hat. Sie
mußte aber ablehnen weil es momentan keine Mäuse
im Labor gibt. Dafür gehen wir heute abend in den "Golden
Dragon" chinesisch essen. Wie ich höre ist der AAM
dort mittlerweile CRO (Central Restaurant Officer) und hat den
Ex -CAM als ADS (Assistant Duck Server) eingestellt.
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