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Raclette - klassisch
Ich hatte die Freßorgien satt, den am Heizstab festgekokelten Käse, die widerlichen Kombinationen von Nahrungsmitteln in den Pfännchen meiner Nachbarn, die traktierten Kartoffeln und den vielen Schnaps im Anschluß. Deshalb hat das Raclette-gerät das wir zur Hochzeit bekommen haben, die ersten Jahre unserer Ehe im Keller verbracht. Letztens haben sich nun Freunde zum Raclette-Essen eingeladen. Nach einigen Verhandlungen war ich einverstanden, aber nur unter der Bedingung, dass wir uns auf die wesentlichen Zutaten beschränken, als da wären (für 4 Personen):
- knapp 1 Kilo festkochende, eher kleine Kartoffeln. Der Optik wegen nehme ich gelbe und rote gemischt
- knapp ein Kilo Schweizer Raclette-Käse. Es gibt verschiedene Sorten, die man am Besten beim Käsehändler seines Vertrauens probiert. Wenn man das Raclette am Feuer zubereitet sollte er am Stück sein, ansonsten in Scheiben schneiden lassen.
- Paprika-Pulver
- 250g Bündner Fleisch, sehr dünn geschnitten
- 1 Glas Gewürzgürkchen
- 1 Glas Silberzwiebeln
Die Zubereitung:
a) Klassische Variante: Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen und in einem Topf mit Deckel servieren. Die Esser schälen die Kartoffeln (oder auch nicht, je nach Geschmack) und zerkleinern sie auf dem Teller. Unterdessen Käselaib mit der Schnittseite so nah ans Feuer halten, dass der Käse zu schmelzen beginnt. Zwecks Unfallverhütung sind in der Schweiz auch hilfreiche Gestelle erhältlich. Dann mit einem Messer den geschmolzenen Käse vom Laib über die zerkleinerten Kartoffeln schaben und mit etwas Paprika bestäuben. Als Beilagen Gürkchen, Zwiebeln und Bündnerfleisch reichen.
b) Für alle, die im Eßzimmer kein offenes Feuer haben:
Käse beim Hädler pellen und in Scheiben schneiden lassen. Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen und in einem Topf mit Deckel servieren. Währendessen Raclette-Gerät anheizen. Regelkunde für alle am Tisch: Die Asterix-bei-den-Schweizern-Regeln für Brotverlust beim Fondue werden analog angewandt bei Käseanhaftungen am Heizstab und anderen Zutaten als Käse im Pfännchen.
Käsescheiben in die Pfännchen legen und mit etwas Paprikapulver bestäuben. Solange im Gerät lassen bis der Käse geschmolzen ist und leicht bräunt. dann über die zerteilten Kartoffeln geben. Als Beilagen Gürkchen, Zwiebeln und Bündnerfleisch reichen.
Dazu paßt gut:
Fendant, ein Schweizer trockener Weißwein oder
ein Beaujolais für alle, die es rot mögen.
Angesichts der Schwere des Gerichts ist es angebracht, im Anschluß einen Schnaps anzubieten, ich finde am Besten paßt Zwetschge oder Kirsche.
Guten Appetit!
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