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Winterspaziergang
mit Hund
Heute hat uns Herr
Arno, seines Zeichens Hof- und Sennenhund, die Ehre eines ausführlichen
Spaziergangs erwiesen. Als chweizstämmiger Schneekenner
hat er vom Tiefschnee nicht genug bekommen können. Sein
reifes Alter hat ihn nicht gehindert, herumzuhüpfen wie
ein junges Reh und zwischendrin mit tiefer Schnauze vollgas
durch den Schnee zu fräsen.
Wir kennen jetzt auch von hier bis zwei Ortschaften weiter jeden
Baum und Strauch, der in der hiesigen Hundegesellschaft eine
Rolle spielt. Weiterhin habe ich fünf beschnupperten Spaziergängern
mehrfach versichert, daß der Hund nichts tut und nur spielen
will. Dreimal hat Herr Arno ob des Anblicks eines Dackels ausprobiert,
ob er nicht doch stärker ist als ich, und jedesmal haben
meine Frau und er beschlossen, daß diese kleinen Kläffer
aber auch unmöglich sind, vorlaut, schlecht erzogen und
provozierend.
Wir haben auch ein Postauto und ein Mofa verbellt und im Neubaugebiet
an jedem Küchenfenster genüsslich geschnuppert. Danach
sind wir weiteren Dackelvorkommen weiträumig ausgewichen
und haben die Aussicht aufs verschneite Albvorland genossen,
wobei wir versucht haben, Spaziergänger, Postautos und
Mofas frühzeitig zu bemerken. Die Spur einer Herde Schafe
haben wir dann auch noch gefunden, außerdem die Reste
eines toten Vogels, einige Stöcke und seltsam riechende
Erdschollen. Wir haben KEINEN Schnee gefressen, weil Hunde davon
Bauchgrimmen bekommen.
Dann sind wir in elegantem Trab an einer Hundedame auf der anderen
Straßenseite vorbeigeschwebt. Wir haben nochmal KEINEN
Schnee gefressen. Dafür haben wir einige Bienenstöcke
beschnuppert und von weitem wieder unseren Hof gesehen. Wir
haben nochmal KEINEN Schnee gefressen und auch NICHT in Nachbars
Garten geschissen. Dafür aber aufs eigene Feld und das
ergiebig. Wir haben wieder KEINEN Schnee gefressen, dafür
aber nicht weit weg eine Herde Rehe gesehen, die wir standesgemäß
verbellt haben. Dann haben wir nochmal KEINEN Schnee gefressen
und sind NICHT auf dei netten Leute, die uns entgegenkamen,
zugestürzt um zu schnuppern. Wir wissen jetzt auch, daß
BRAVE Berner Sennenhunde NICHT auf nette Leute zustürzen,
auch wenn die Leute interessant riechen. Dafür sind wir
nochmal im Tiefschnee rumgehopst, haben uns gewälzt, ausgiebigst
geschüttelt und dann, als einen Moment lang keiner geschaut
hat - haben wir Schnee gefressen.
Zuhause ist Herr Arno dann würdevoll
in seinen Zwinger geschritten und hat sich zur Ruhe niedergelegt.
Nach seinem verträumten Blick zu schließen träumt
er von Schnee, Sennerinnen und Alphörnern fern über
einem verschneiten Tal, vermutlich kombiniert mit einem fürstlichen
Mahl und verschiedenen interessant riechenden Bäumen. Ich
musste auch erstmal ein Nickerchen machen.
Ich hab von einer Hundeschule geträumt.
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