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Vier kleine Tipps
zur Wechselgeldtaktik
Deutschland ist kleingeldfixiert. Ohne passende Münze besteigt
man hier weder eine S- noch eine U-Bahn, riskiert einen Strafzettel
weil man keinen Parkschein bekommt und muss im Hallenbad seine
Kleider der Öffentlichkeit preisgeben. Insofern kann ich
die Aggressivität des Mannes, der vorher neben mir am Brezelstand
stand durchaus verstehen. Nachdem ihm sein Handeln und Wirken
leider nicht zum Erfolg in Form von Münzgeld verholfen
hat, möchte ich ihm an dieser Stelle einige Tipps für
zukünftige prekäre Verhandlungssituationen geben.
1) Überlege bevor Du fragst.
Ein Brezelverkäufer hat
sein Kleingeld, weil er Brezeln verkauft, und eine Butterbrezel
80 Cent kostet, weshalb er typischerweise 0,20 €, 4,20
€, 9,20 € oder 19,20 € rausgeben muss. Wenn der
Brezelverkäufer kein Wechselgeld mehr hat, dann verkauft
er an alle die keine 0,80 € passend haben, keine Brezeln
mehr. Er wir deshalb tendenziell dazu neigen, nur Wechselgeld
an Leute herauszugeben, die zumindest eine Brezel bei ihm kaufen
und nicht an Leute die 20 € gewechselt haben wollen, ohne
etwas zu kaufen.
2) Höre zu.
Der Beruf des Brezelkäufers
ist hart und nicht besonders angesehen. Trotzdem oder gerade
deshalb bietet es sich an, Menschen, die so ihr tägliches
Brot und das Studium ihrer Kinder verdienen, Respekt entgegenbringen.
Es bietet sich deshalb an, davon auszugehen, dass auch ein Brezelverkäufer
meint, was er sagt. Spätestens nach dem abschlägigen
Bescheid auf den dritten Versuch, 20 € gewechselt zu bekommen,
ohne eine Brezel zu kaufen, ist es deshalb sinnvoller, die Sache
anders anzugehen. Der Brezelverkäufer könnte sonst
auf die Idee kommen, man halte ihn für blöd.
3) Überlege was Du sagst.
Soweit man nach Berücksichtigung
von Punkt 2) zu der Überzeugung gekommen ist, dass die
Sache anders angegangen werden muss und einem der Brezelverkäufer
aufgrund der in 2) am Ende angesprochenen Problematik nicht
mehr bedingungslos freundlich gesonnen ist, sollte man dafür
sorgen, dass der Brezelverkäufer den Taktikwechsel nicht
als solchen versteht. Sätze wie Also gut, dann kaufe
ich halt was, ich nehme das Billigste was sie im Sortiment haben,
erweisen sich in diesem Zusammenhang als äußerst
kontraproduktiv, insbesondere, wenn sich das Sortiment auf Brezeln
beschränkt.
4) Denke an die Zukunft.
Auch wenn es mal nicht klappt
mit dem Wechselgeld, sollte man sich im Blick auf zukünftige
Wechselversuche und Brezelkäufe vor unbedachten Äußerungen
der eigenen Meinung im Bezug auf Deutschland, Schwaben, Brezeln
und die Schlechtigkeit der Welt im Allgemeinen zurückhalten.
Ansonsten darf man sich über im Gegenzug abgegebene Versprechen,
dass man Ihnen nicht mal was verkaufen würde, wenn
sie hundert Brezeln nähmen, oder den Tipp, sich einen
anderen Dummen zu suchen, nicht wundern.
Am Besten, wäre es gewesen,
am Anfang zu berücksichtigen, was der Brezelverkäufer
am Ende gesagt hat: Isch der blöd? I ben doch koi
Bank, I ben an Brezlschtand!
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