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Herr Förster,
Gerald, Anette und ein Auto das nicht fährt
- eine Zugfahrt
ohne Buch -
Ein Auto, das nicht fährt,
ist keinen Pfennig wert, singt Herr Fesl. Herr Förster
müsste sich also nicht wundern, dass WG-Kollege Gerald
heute Morgen ein Problem hatte, weil sein Auto wir ahnen
es nicht gefahren ist.
Natürlich ist die Sache noch komplizierter. Das Auto war
genau genommen schon gestern kaputt und gehört genau genommen
auch nicht Herrn Gerald, sondern Frau Anette, die die Freundin
von Herrn Förster ist und diesem für heute morgen
das Auto versprochen hat. Herr Gerald nun wieder hat gestern
nicht erzählt, dass das Auto kaputt ist, sondern erst heute
morgen, als Herr Förster gerade das Haus verlassen hat,
weil er in Stuttgart heute eine Präsentation vorführen
muss.
Weil aber das Auto kaputt ist, musste Frau Anette kommen und
Herrn Förster zum Bahnhof fahren, damit er noch den Zug
erwischt, weil er ja nicht mit dem Auto fahren kann. Herr Gerald
dagegen hat heute frei.
Woher ich das weiß?
Nun, genaugenommen hat offensichtlich Herr Gerald nicht nur
heute frei, sondern auch einen Gehörschaden. Herr Förster
dagegen hatte, als er in den Zug gestiegen ist, einen Kaffee,
zwei süße Stückchen, ein billiges Notebook und
einen roten Kopf. Und natürlich nicht zu vergessen ein
Handy.
Er hat dann Herrn Gerald angerufen,
um ihm zu sagen, dass er es nicht ok findet, wenn Herr Gerald
am frühen Morgen mit seiner Vergesslichkeit das Leben anderer
Menschen, etwa seines und das von Frau Anette, völlig durcheinander
bringt, und dass er dafür eine Entschuldigung erwartet.
Herr Gerald hört offensichtlich schlecht, weil Herr Förster
den Sachverhalt mehrfach laut wiederholt hat. Im Wagen waren
jedenfalls alle von Herrn Geralds Schuld überzeugt, nachdem
sie den Sachverhalt zum fünften Mal gehört hatten,
und haben gehofft, dass Herr Gerald bald alles gesteht und aufgibt,
weil viele morgens im Zug auch gern noch ein Nickerchen machen,
statt sich mit den Schandtaten anderer zu beschäftigen.
Leider hat Herr Gerald offensichtlich
abweichende Wahrnehmungen in der Sache zum Besten gegeben, und
fand nicht, dass alles daran liegt, dass er sein Leben nicht
organisiert kriegt und ein Faulenzer ist. Herr Förster
hat sich ob solcher Uneinsichtigkeit, und weil er neben dem
telefonieren das erste süße Stückchen gegessen
hat, sein Sakko voll gebröselt, und ist immer wütender
geworden. Er hat Herrn Gerald gesagt, dass er jetzt gerne schreien
würde, aber im Zug sitzt.
Daraufhin hat es hinten gepfiffen und einer hat gerufen nur
zu, wir hören sowieso schon alles.
Dann ist Herr Förster aus
dem Abteil gegangen, und hat zu Herrn Gerald Jetzt pass
mal auf du Arschloch.. gerufen. Offensichtlich war Herr
Gerald zu diesem Zeitpunkt weiter vom Telefon entfernt, weil
Herr Förster sehr laut schreien musste.
Im weiteren Verlauf des Gespräches hat Herr Förster
gezeigt, dass er nicht nur über ein lautes, sondern auch
über ein ausdauernd lautes Sprechorgan, und ein gehobenes
Arsenal übler Schimpfwörter verfügt.
Herrn Gerald muss dagegen zugute gehalten werden, dass er lange
durchgehalten hat, so dass im Endeffekt von einem Unentschieden
ausgegangen werden kann, insbesondere wenn man das verbröselte
Sakko und den im weiteren Verlauf entstandenen Kaffeefleck auf
der Hose von Herrn Förster berücksichtigt. Außerdem
ist Herr Förster, wie erwähnt, Besitzer eines billigen
Notebooks und einer Freundin, die Anette heißt, was auch
in die Wertung eingeflossen ist, auch wenn der Name von Herrn
Geralds Freundin nicht bekannt ist. Angesichts der Unattraktivität
kaputter Autos kann nichtmal mit Sicherheit gesagt werden, ob
Herr Gerald überhaupt noch eine Freundin hat. Andererseits
war es ja nicht sein Auto...
Über das weitere Schicksal von Frau Anette ist übrigends
nichts bekannt.
Zugfahren kann so unterhaltsam
sein
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